Albumreview: Joey Bada$$ – B4.DA.$$

Aufgewachsen bin ich mit deutschem Hip Hop. Freundeskreis und die Absoluten Beginner waren die Helden meiner Jugend. Mit englischsprachigem Hip Hop habe ich mich erst später ernsthaft auseinandergesetzt. Mittlerweile höre ich sehr gerne auch englischsprachigen Hip Hop und habe hier u.a. über das letzte Album von 50 Cent oder Atmosphere berichtet. Im Moment läuft wieder eine englischsprachige Platte auf dem Weg zum Training, bei Fahrten durch die Dunkelheit und auf dem Heimweg Richtung Frankfurter Skyline: Joey Bada$$ hat sein Debutalbum B4.DA.$$ veröffentlicht und genau in diesen Situationen gefällt mir das Album. Wenn die Nacht über Frankfurt hereinbricht, dann kann ich dieses Album sehr gut hören.

Die Musik besticht mit ihren ruhigen Passagen. Schon im ersten Track „Save the Children“ ist der Beat recht langsam und man kann Joey Bada$$ sehr gut zuhören. Dabei beeindruckt er nicht nur mit den musikalischen Komponenten seiner Musik sondern auch mit für mich kryptischen Texten. „Paper Trails“ ist hierfür nur ein Beispiel. Wer Partyrap oder nur dicke Hose erwartet hat, ist hier definitiv falsch. „Piece of Mind“ ist ein weiteres Stück, welches einem einige Happen zum Nachdenken hinwirft und dazu noch hervorragend klingt. „Black Beetles“ und „Like me“ gehen auch in diese Richtung:

Joey Bada$$ – Like Me from Nathan R. Smith on Vimeo.

Manche Tracks haben etwas düsteres und vermitteln den Eindruck, als ob man mit Joey Bada$$ gerade durch die Straßen läuft. „Hazeus View“ fällt genauso in diese Kategorie wie auch „No. 99“. „Big Dusty“ ist so ein Ding, wo Aggression und eine gewisse Dynamik den Lyrics eine ganz besondere Kraft verleiht:

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Joey Bada$$ ‚BIG DUSTY‘ (FTTF Live Performance) from Lemonade Money on Vimeo.

Das Album ist dabei insgesamt sehr vielschichtig. Es gibt auch Songs, bei denen ich mich ganz hervorragend konzentrieren kann. „Belly of the Beast“ oder „Christ Conscious“sind Stücke, bei denen ich meine innere Mitte finde:

JOEY BADA$$: CHRIST CONSCIOUS from Creative Immortal on Vimeo.

In anderen Tracks wie „On & On“ wird Joey Bada$$ persönlich und spricht über die Gründe seines Handelns. Der  Song ist nicht ganz so düster wie andere Tracks des Albums. „Escape 120“ hat eine gewisse humoristische Note mit seinem Elektronikbeat und den sehr schnell gerappten Passagen. „O.C.B.“ und „Curry Chicken“ sind dann für mich etwas überladen und hätten nicht mehr auf das Album gemusst.

Wow. Das Album hat mir wirklich gut gefallen. Allerdings ist es nur bedingt geeignet, um nebenbei zu laufen. Viele Aspekte überhöre ich schnell, wenn ich mich nicht konzentriere und die Details verleihen dem Ganzen seinen besonderen Glanz. Vielleicht etwas melodischer und ein bisschen weniger verworren und Joey Bada$$ hätte für mich eine Punktlandung gemacht. So ist es ein sehr gutes Hip Hop Album, welches ich gerne öfters hören werde.

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