Neue Musik 02/2017: Zeit für den nächsten Road Trip

Es ist ja mittlerweile bekannt, dass ich gerne Musik höre, die folkige Elemente enthält. Jeremy Loops ist dafür nur ein Beispiel. Diesmal heißt das Ganze offiziell Elektro-Folk. Was soll man darunter verstehen? Talisco arbeitet auf Capital Vision mit Samples und hinterlegt damit seinen ursprünglich gitarrenlastigen, folkigen Sound. Mir war Talisco bis dato kein Begriff. Der Franzose hatte derweil wohl vor ein paar Jahren mit „Your Wish“ einen Hit und tourt seitdem mit seiner Musik durch die Welt.  Wenn man dann den Titel zum ersten Mal hört, dann fragt man sich, warum man erst jetzt von dieser Kombination aus elektronischen Samples und Gitarrenmusik hört. 

Die elektronischen Samples verpassen seiner Musik den nötigen Punch. Die Beats treiben die Songs an. Man hört auch die Sonne, denn der Sound ist warm und positiv. Wir haben in der Zwischenzeit Urlaub auf einer Insel gebucht und Taliscos neues Album wird mich in diesem Urlaub sicher begleiten. Ich kann mir kaum bessere Musik für einen Road Trip vorstellen. 

Einzig, dass manche seiner neuen Songs noch nicht genügend Zug und Tempo haben, kann man Talisco dabei vorwerfen. Derweil befinde ich mich selbst in einer Phase von Rastlosigkeit und Songs wie „Before the Dawn“ oder „Behind the River“ lassen mich wartend auf die nächste schnellere Nummer zurück. Andere Nummern wie „Loose“ bringen das Album zurück in die Spur. Langweilig oder eintönig sind dabei die falschen Adjektive. Einfallsreich, vielseitig und inspiriert treffen es besser. 

Liebe Leute, das Album macht richtig viel Spaß und Talisco werde ich im Auge behalten. Ich glaube sogar beobachten zu können, dass die Sonne hinter den Wolken hervorlugt, wenn ich etwas lauter drehe. 

Wie Gregor Meyle in eine Paralleldimension entschwebte

Mir ist vor kurzem das aktuelle Album Die Leichtigkeit des Seins von Gregor Meyle in die Hände gefallen. Ich mag dessen Musik manchmal sehr gerne und habe mich auch schon mit seinem letzten Werk beschäftigt. Dem ist diesmal nicht so. Mit vielen Streichern (Alles wird gut) und mit Popbeats (Da geht noch mehr) ist die Botschaft immer positiv. Es geht darum Tage zu genießen, mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind und das Beste aus dem zu machen, was einem das Leben gibt. 

Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, aber in der Gesamtheit holt mich diese Musik im Moment nicht ab. Wo sind die Tiefen im Leben, die die Höhen erst zu diesen machen? Es ist gut möglich, dass es Menschen gibt, die genau diese weichgespülten Lieder von Gregor Meyle als sein bestes Werk feiern, nachdem sie ihn in der Helene Fischer Show „entdeckt“ haben. Diese werfen einem vielleicht dazu noch eine Textzeile von Gregor entgegen: 

„Hör auf dich zu beklagen, hör nie auf zu lieben, so weit, so gut.“ 

Das geht aber gerade nicht. Ich mache mir Sorgen, wohin sich dieses Land und diese Welt bewegen. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer und bewirkt gerade, dass diese Tendenzen überhaupt auftreten. Es gibt einen relevanten Anteil an Menschen, die an einfache Lösungen glauben und die Komplexität der Welt nicht wahrnehmen. Und während Gregor Meyle, die Wahrheit noch nicht akzeptieren kann (Die Tapfere). höre ich auf das beste Lied seiner Platte und pack mein Scheiß. Nehme meinen Hut und höre wieder Musik, die mich mehr mitnimmt. Leute, die den Kampf annehmen. Leute wie Laas Unltd

Es wird wieder dunkler. Ich habe das zuerst auch nicht wahrhaben wollen. Jetzt begleitet mich dieser Gesamteindruck, auch mit der Musik durch die Tage. Und vielleicht trifft man an einer späteren Kreuzung des Lebens Gregor Meyle wieder und tauscht Erfahrungen aus.

Impala Ray verbreitet immer noch dieses gute Gefühl

Vor ein paar Jahren hat Impala Ray sein erstes Album veröffentlicht und ich habe es ordentlich gefeiert. Die CD lief bei uns im Auto oft und lang und wird für immer mit meiner Elternzeit und längeren Road Trips verbunden sein. Sie war ein toller Urlaubssoundtrack. Musik, die mir hilft, den Alltag hinter mir zu lassen und bei mir selbst anzukommen. Vor einiger Zeit hat Impala Ray mit From the Valley to the Sea sein zweites Album veröffentlicht. Gespannt habe ich mir dieses Album angehört, natürlich mit großen Erwartungen.

Nun ist bei uns der klassische Strandurlaub im Süden in diesem Jahr ausgefallen und wir haben uns stattdessen auf in die Berge gemacht. Gesundheitlich etwas angeschlagen, vom Berufsalltag gestresst, war das Ziel frische Luft zu schnappen und abzuschalten. Dafür gibt es in dieser Umgebung immer noch keine schönere Musik als Impala Ray. Auch wenn z.B. Stay schon sehr poppig klingt, ist Impala Ray seinen Wurzeln treu geblieben. Musik aus den Bergen für den freien Geist.

Die Instrumentierung seiner Musik borgt sich immer noch viele Volksmusikelemente. Ich mag die Tuba als Instrument sehr und freue mich immer wieder diese Klänge zu hören. Insgesamt macht Impala Ray Folk Musik, die mit der modernen Auslegung von anderen Senkrechtstartern wie Jeremy Loops  oder Kids of Adelaide mithalten kann. Eine grundsätzlich positive Stimmung lässt sich beim Hören gar nicht vermeiden. Die Videos sind dabei noch schöner geworden als zuvor. Replay auf Youtube ist dabei garantiert.

Und so gibt es im Zusammenhang mit Impala Ray für mich bisher nur eine große Enttäuschung: auf der letzten Tour war kein Konzert in Frankfurt dabei. Ob Impala Ray nicht mal beim Bett Club oder Zoom anfragen will, um hier zu spielen? Mich würde es riesig freuen.

Wenn sich Biffy Clyro im Kopf festbeißt

Gerade vor ein paar Tagen habe ich meine Karten für das diesjährige Taubertal Open Air weitergegeben. Ich schaffe es einfach nicht und zu viele andere Dinge passieren. Nicht schlimm. Das letzte Mal als ich dort war, haben mich Biffy Clyro voll umgehauen. Ich kannte die Band nicht, hatte mir die Band vor dem Festival auf youtube reingezogen und war dann vollkommen überwältigt. Jetzt kam vor kurzem ein neues Album von den Jungs raus und ich musste ganz schnell reinhören. Gleich der erste Track „Wolves of Winter“ auf Ellipsis ist genau nach meinem Geschmack:

Danach wird es etwas diffuser und musikalisch zwar abwechslungsreich, aber für mich weniger überzeugend. Grundsätzlich gibt es für mich zu viele Choräle und es wird an manchen Stellen zu poppig. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich das Album nicht mag. Ich habe wohl immer noch keine endgültige Meinung dazu. Manche Titel manchen mir Spaß. „Animal Style“ ist hierfür ein gutes Beispiel:

Andere Titel gehen mir etwas auf die Nerven. Ich bin von mir selbst fasziniert, wie ich die Titel versuche im Gesamtzusammenhang eines Albums zu hören, was ich schon länger nicht mehr gemacht habe. Es gelingt mir mehr schlecht als recht. Ich glaube, dass die einzelnen Titel besser sind, als das Album im gesamten. Es überrascht mich nicht. Biffy Clyro sind eine unfassbare Liveband und ich höre meist Konzertmitschnitte. Die Stimmung, die sich von der Band auf das Publikum überträgt, ist immens. Und so freue ich mich schon die neuen Tracks bald selbst live zu hören. Einen ersten Eindruck auf die Tour im Herbst gibt es trotzdem schon durch die Studioaufnahmen. Schade, dass die Arrangements und die Abstimmung auf Platte in diesem Fall nicht vollumfänglich einfängt, zu was diese Band fähig ist. Trotzdem fesseln mich Biffy Clyro beim Hören der Songs mehr als die meisten anderen Bands im Moment. Wahrscheinlich waren die Erwartungen einfach zu hoch.

Raus aus dem Underground – Wie auch ich Audio88 & Yassin aus dem Schatten zerre

Hip Hop. Musik meiner weniger melancholischen Phasen. Witzig, provokant, hoffentlich mit dem Beat voll auf die Fresse. Manchmal auch tiefsinnig und nicht leicht zu durchschauen. Auch wenn ich mit den Beginnern meine Jugend verbrachte und auch Ahnma gerade sehr verehre, stillt das den Durst doch nicht. Was soll man denn während den Jahren machen, wenn die werten Herren nichts auf den Markt werfen? Gott sei Dank gibt es Antworten auf diese Frage…

Ich will doch auch dann nur normale Musik hören. Während Bands wie K.I.Z. in den letzten Jahren zu großer Bekanntheit gekommen sind, gibt es immer noch viele Künstler, die weniger bekannt sind, das vielleicht auch ganz gut so finden, aber trotzdem cooles Zeug am Start haben. Bei Audio88 & Yassin bin ich hier nun zuletzt hängengeblieben. Die Berliner Rapper haben letzen Monat ihre neue Platte Halleluja veröffentlicht und das Ding rockt ordentlich. Provokant und aggressiv. Genug von beidem, um Leute effektiv abzuschrecken. Aber wehe man schaut hinter die Fassade: intelligente Texte und musikalischer Einfallsreichtum springen einem entgegen.

Und nachdem richtig und falsch immer im Auge des Betrachters liegen und man ruhig mehr über Dinge nachdenken darf, freue ich mich über diese beiden Provokateure. Dabei sind die beiden Charaktere unterschiedlich, ergänzen sich aber sehr gut. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die nächsten Werke. Mit diesen 8 Tracks kommen wir nämlich nicht weit. Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein, oder?