Album Review: Garland Jeffreys – Truth Serum

Momentan läuft ja wieder The Voice of Germany. Jeden Donnerstag und Freitag kann man sich davon überzeugen, wie viele talentierte Sängerinnen und Sänger es in Deutschland gibt. Und obwohl The Voice of Germany in dieser Hinsicht wahrscheinlich die beste Casting Show im deutschen Fernsehen ist, fehlt der Show etwas, um sie zu einer kompletten Musik-Show zu machen. Die Künstler treten an und covern ausschließlich bereits erschienene Songs. Eigenes Songmaterial ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

In diesem Zusammenhang vergisst man gerne, welch außergewöhnliche Leistung es ist Songs selbst zu schreiben. Ich bin kürzlich über ein Album eines Vollblutmusikers gestolpert, der großartige Songs schreibt, allerdings trotzdem eher unbekannt ist. Sein Name ist Garland Jeffreys und das jüngste Album von ihm heißt “Truth Serum”. Jeffreys ist seit den 70er als Solomusiker unterwegs und hat auch zuletzt mit “Truth Serum” wieder ein sehr vielseitiges Album veröffentlicht. Die Songs bewegen sich vom Musikstil her zwischen Blues, Soul, Reggae und Rock. Hier eine Kostprobe:

httpv://www.youtube.com/watch?v=iXbEeHsDmvM

Einzelne Songs sind wirklich Perlen, lassen den Kopf nicken und die Füße automatisch mitwippen. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich das Album insgesamt nicht ganz rund finde. Mir ist der Stilmix zu arg und ich kann mich nicht mit allen Songs anfreunden. Allerdings finde ich es erfrischend nach den ganzen Casting-Coversongs mal wieder etwas originelles zu hören. Garland Jeffreys lebt Musik und das ist auf dem Album zu hören. Jeffreys hat Seele und hat es geschafft diese in die Songs des Albums zu destillieren. Abseits des Radio-Pops eine klare Hörempfehlung!

 

Album Review: Ohrbooten – Alles für alle bis Alles alle ist

Manche Bands hat man irgendwann kennengelernt, toll gefunden und dann aus den Augen verloren. So ging es mir mit den Ohrbooten. Vor ungefähr zehn Jahren haben die Jungs beim Chiemsee Reggae Summer einen unglaublichen Doppel-Gig hingelegt. Im Anschluss daran habe ich gerne mal ab und an die Musik der Band gehört und das hat bei mir immer für gute Laune gesorgt. In den letzten Jahren war es allerdings etwas ruhig geworden und ich habe die Band aus den Augen verloren. Wie sich herausgestellte, war es auch nicht schwer, die Jungs aus dem Blick zu verlieren, denn das neue Album ist das erste Studioprodukt der Kombo seit 2009. Auch personell ist das nun nicht mehr die Ohrbooten-Originalbesetzung. Und trotzdem legt man die Platte auf und erkennt sofort den typischen Ohrbooten-Sound. Das darf man nun nicht falsch verstehen: als ich die Erstauskopplung ,,Alles für alle” gehört habe, bin ich auf Grund der vielen elektronischen Einflüsse erschrocken und konnte mich erst nach mehrmaligem Anhören  etwas damit anfreunden.

httpv://www.youtube.com/watch?v=dlK0n9eJCBs

Wenn man allerdings das Album einlegt, dann gehen direkt die Mundwinkel nach oben. In dieser Hinsicht ist Gott sei Dank alles beim Alten geblieben. Dabei hat das Album mit “Urwald” einfach einen tollen Opener spendiert bekommen. Wie viele Stücke wie “Punk ist Dad” oder “Zwei Joints” haben zwar Themen, die schon mehrmals bedient wurden, aber bei den Ohrbooten ein neues Gewand bekommen. Ein Partystück wie ,,36 Grad” ist gut gemacht, und obwohl durch die Gastsänger CuIcha-Feeling aufkommt, ist das Ganze nicht so platt wie bei “Hamma” und Konsorten.

Insgesamt strahlt das AIbum viel Originalität aus, und man weiß als Hörer nie, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Damit ist das Ganze ein durchweg spannendes Hörerlebnis, was auch bei mehrmaligem Anhören immer noch Neues bereithält. Von mir daher eine klare Empfehlung einfach mal reinzuhören. Viele der Songs gibt es auch bei Youtube im Ohrbooten-Kanal. Und wenn ihr die Chance habt, die Ohrbooten live zu sehen, dann lasst es euch nicht entgehen. Auch ohne es überprüft zu haben, würde ich tippen, dass die Jungs auch heute immer noch ordentlich rocken.