Album-Review: Linkin Park – The Hunting Party

Linkin Park ist schon wieder eine der Bands, die mich seit meiner Jugend begleitet. Erst vor Kurzem habe ich mich mit “Offline”, dem neuen Album der Guano Apes, beschäftigt. Mit Linkin Park hat eine weitere Band vor nicht allzu langer Zeit ein neues Album auf den Markt gebracht, die ich schon vor 15 Jahren super fand. Ich gebe ja zu, ich war damals auf der ersten Deutschland Tour von Linkin Park auf ihrem Konzert im Zenith in München und bin seitdem bei den Jungs voreingenommen. Das bedeutet aber auch, dass die Erwartungen meinerseits sehr hoch sind, wenn ich mir ein neues Album anhöre, immer mit der Befürchtung, dass es mir nicht mehr so gut gefällt wie damals.

Bei Linkin Park sind diese Befürchtungen diesmal leider in Teilen begründet. Nachdem sie sich vor diesem Album von ihrem langjährigen Produzenten Rick Rubin getrennt hatten, haben Brad Delson und Mike Shinoda das Album selbst produziert. Die Songs sind nicht mehr nur am Computer entstanden, sondern sogar durch Jam Sessions, was für die Band wohl teilweise eine neuer Prozess war. Und das Album wurde nicht nur als etwas härter angekündigt worden, sondern ist an manchen Stellen vielleicht nicht ganz so abgeschliffen und daher vielleicht in seiner Unperfektheit schöner. An manchen Stellen wirkt es allerdings doch sehr roh oder auch unfertig.

Das hierbei die ersten Worte des Albums am Anfang des Songs “Keys to the Kingdom” “No Control, no Surprise” sind, ist dabei schon wörtlich zu nehmen. Der erste Song geht direkt nach vorne und nimmt den Hörer mit. Danach ist “All for Nothing” nicht mehr ganz so direkt und fast schon bedächtig, aber schon jetzt sehr früh lässt sich erkennen, dass die Platte zwar komplett nach Linkin Park klingt aber doch sehr abwechslungsreich ist. Spätestens wenn gegen 1:45 bei diesem Song die elektronischen Elemente einsetzen, freue ich mich auf das, was sich die Jungs noch so ausgedacht haben, auch wenn mir die Endpassagen der Songs mit den kurzen Textpassagen nach den Songs nicht gefallen. Auch die erste Single “Guilty all the same” verfügt über viele rohe Elemente. Großartige Drums zum Einstieg und tolle Gitarrenriffs gekoppelt mit leidenschaftlichem Gesang und einem tollen Rap-Part. So höre ich Linkin Park immer wieder gerne:

“The Summoning” ist dann keine richtiger Song sondern eher ein sich steigerndes Instrumental. Hätte es nicht wirklich gebraucht. “War” danach kommt dann doch sehr roh und punkig daher und wirkt für einen Albumtitel sehr unausgereift. Haben wir da etwa ein kleines Loch bei den Titeln 4 und 5 entdeckt? Das Loch ist eher eine Kuhle und das Album nimmt mit “Wastelands” direkt wieder Fahrt auf. Die Gesangsparts und das Gitarrenriff tragen einen über jegliche vorherige Schwäche hinweg.  Die zweite Single “Until it’s gone” widmet sich danach einem der Kernprobleme des Lebens, dass man manche Dinge immer erst dann zu schätzen weiß, wenn man sie nicht mehr hat. Der Titel beginnt sehr ruhig und steigert sich immer mehr zu einem dichten Soundgeflecht. Der Titel ist wohl die erste Hymne auf dem Album, endet aber auch etwas komisch:

“Rebellion” nimmt im Anschluss dann wieder Höchstgeschwindigkeit auf und überrascht mit schottischen Motiven im Hintergrund. Der Song mag sich dabei zwischen Pub-Hymne und richtig schneller Power-Nummer nicht entscheiden. “Mark the Graves” ist in Folge auch schwierig einzuordnen. Recht langsam mit hall-verzerrten Gesangspassagen übersät und einem langen Gitarrenpart in der Mitte wirkt der Song etwas konzeptlos bevor er sich zum Ende hin dann doch steigert. Mir aber dann doch etwas zu ruhig und untentschlossen. Zu viel Hymne und zu wenig Power. Künstlerisch ganz großes Kino ist danach der Instrumental-Track “Drawbar”. Sehr schön anzuhören! Danach kommt mit “Final Masquerade” schon der vorletzte Titel des Albums. Dieser klingt auch schon so, als würde die Band zum Abgesang antreten. An diesen Track wird sich wohl keiner lange erinnern. “A Line in the sand” ist dann das große Finale. Überladen rotzen einen die Gitarren an, die Gesangsparts sind auf den Punkt und man hätte sich gewünscht, dass das ganze Album diese Qualität gehabt hätte.

Im Großen und Ganzen fehlt “The Hunting Party” für mich etwas der rote Faden. Es gibt zwar einige Songs die mir gut gefallen, allerdings will sich hier keiner so recht ins Ohr brennen. Und zwischen den guten Songs verstecken sich andere, die zwar durch ihre guten Ideen auffallen, aber nicht ausgereift genug sind, um sich dauerhaft ins Gedächtnis zu schleichen. Mir hat das Hören zwar Spaß gemacht und die Platte ist mitnichten verschwendete Zeit, aber ich glaube lange werde ich mich trotzdem nicht daran erinnern. Eigentlich schade.

Album Review: Guano Apes – Offline

Mit manchen Bands verbindet man etwas besonderes. So geht es mir mit den Guano Apes. Die Band hat mich mit ihren ersten Alben durch die Jugend begleitet und war eine der wenigen deutschen Gruppen, die vom Sound her mit amerikanischen Bands wie Limp Bizkit oder Linkin Park mithalten konnte. Jede Jugendband, die damals Songs auf Partys coverte, hatte die Hits von den Guano Apes drauf. Auch heute sind viele der Songs immer noch Hits, die ich gerne höre und bei denen die Laune sofort steigt. Oder geht es euch bei “Lords of the Boards” oder “Open your eyes” anders?

Aber dann nutzte sich die Band aneinander ab und löste sich Ende 2006 auf. Die intensive Zeit zuvor forderte ihren Tribut. Dies hielt aber nicht lange an und nach einer gemeinsamen Tour in 2009 beschloss die Band weiter gemeinsam Musik zu machen. Das Album “Bel Air” war in 2011 das Resultat. Nun folgte vor einigen Wochen mit “Offline” das zweite Album nach der Wiedervereinigung. Die Musik der vier Musiker aus Niedersachsen klingt auf der Platte nicht mehr wie in den 90ern. Aber wie auch die Menschen hinter der Musik sich verändert haben, so hat sich die Musik auch weiterentwickelt. Die Platte startet dabei direkt mit zwei sehr hymnischen Songs. Sowohl “Like Somebody” als auch “Close to the sun” sind vor allem in den Refrains sehr melodisch. Beide Songs kann ich mir live sehr gut vorstellen und “Close to the sun” hat sich bei mir nach einigen Tage zu einem Ohrwurm gemausert.

Bei “Hey last beautiful” zieht einen dann gleich das Gitarren-Intro in seinen Bann, bevor Sandra Nasic mit ihrer einzigartigen Stimmfarbe den Song zu etwas besonderem macht. Vor allem Nasic überzeugt insgesamt mit ihrer Stimme auf dem Album und “Numen” ist dafür nur ein weiterer Beleg. Dazu sind die Texte positiv und muntern einen auf. In “Cried all out” heißt es: “Carry on, we have cried all out, not anymore, the cure must be an endless song”. “It’s not over” gibt einem mit: “Take the black paint it bright”. Mit diesen Songs nimmt das Album nach den eher schnelleren Songs zu Beginn der Platte eine Wendung hin in ruhigere Gefilde bevor es für den Schlussspurt wieder Fahrt aufnimmt. Danach fällt die Platte mit “Water Wars”, “Fake” und “Jiggle” etwas ab, da mir die Songs teilweise zu eintönig komponiert sind. Auch den Rap-Part bei “Jiggle” kann man wohl gutfinden, aber mir gefällt er nicht. Mit “The Long Way Home” wird das Werk relativ ruhig abgerundet und findet zu einem harmonischem Ende.

Insgesamt ist den Guano Apes eine solide Platte gelungen, die mir auf Autofahrten im Sommer bei offenem Fenster die Reisezeit versüßen wird. Das Werk ist ein Album im klassischem Sinne, denn es lässt sich ein roter Faden erkennen und die Reihenfolge der Lieder ist gut durchdacht. Wo die Guano Apes früher deutlich härter waren (und waren sie das nicht alle), kann man heute vielleicht sogar funkige Einflüsse raushören. Teilweise klingt das Ganze wie die frühen No Doubt und das ist nichts schlechtes. Mir hat’s bisher schon viel Spaß gemacht und ich fordere: Weiter so!

P.S.: Auch das Cover begeistert mich immer wieder!