In guten wie in schlechten Zeiten

Die Beziehung zum „eigenen“ Fussballverein ist nicht immer einfach. Natürlich freut man sich über die Erfolge, man leidet aber auch in sportlich schwierigen Situationen. Sportliches Fantum hat dabei mit Rationalismus nicht viel gemein. Zudem sucht man sich seinen Verein nicht selbst aus – es ist eher so, dass Fan und Club auf schicksalshafte Art und Weise zusammen finden. Fans, die eine besonders enge Beziehung zu ihrem Fussballverein pflegen, werden beim Verein ihres Herzens oder in einem zugehörigen Fanclub Mitglied. Und wenn man ein echter Fan und Mitglied bei einem Verein ist, dann bedeutet das, dass man zu seinem Verein sowohl in guten wie in schlechten Zeiten steht. Dachte ich zumindest bis vor einigen Tagen….

Dieter Jancek, seines Zeichens Sprecher der bayrischen Grünen, ist öffentlichkeitswirksam aus seinem Fussballverein, dem FC Bayern München, ausgetreten. Dieter ist seinen Ausführungen zu Folge seit 1982 Fan des FC Bayern und „seit einigen Jahren auch Mitglied“. Zudem war es bisher für ihn nie ein Problem, dass die Vereinsführung des FC Bayern nicht die politischen Positionen vertreten hat, für die er einsteht. Automatisch stellt man sich die Frage, welche schwerwiegenden Gründe nun zum Austritt geführt haben.

Hier die Begründung: Der FC Bayern setzt sich für eine dritte Startbahn des Münchner Flughafens ein.

Ich war oft beim FC Bayern im Stadion, als meine Eltern dort Dauerkarten hatten, Mitglieder waren und mich glücklicherweise alle zwei Wochen ins Olympiastadion mitgenommen haben. Wir sind als Familie zum FC Augsburg umgezogen, als dieser wieder in der Regionalliga gespielt hat und haben die Aufstiege in die zweite und erste Liga mitgemacht. Ich bin mittlerweile in Augsburg Mitglied und werbe öffentlich für die Mitgliedschaft bei diesem Verein. Und ich habe kurz überlegt, was mich dazu bewegen würde, meine Mitgliedschaft zu kündigen.

Meiner Meinung nach sollte sich ein Verein nicht politisch einmischen, wobei ich Vereinsoffiziellen sehr wohl zugestehe, dass sie eine private politische Meinung auch öffentlich äußern. Daher finde ich nicht gut, dass auf einer der Seiten bezüglich dritter Startbahn das Logo des FC Bayern (und auch des 1860 München) zu finden ist. Der FC Bayern sollte sich zu einem solchen Thema als Organisation nicht öffentlich äußern, weder dafür noch dagegen. Aber würde ich austreten, wenn sich der FC Augsburg zu solch einem Thema äußern würde? NEIN! Und dabei spielt für mich keine Rolle, in welcher Richtung sich der Verein positionieren würde.

Was würde ich machen? Ich würde den Vereinsoffiziellen mitteilen, dass ich mit der politischen Einmischung nicht einverstanden bin. Wenn ich der Sprecher der bayrischen Grünen wäre, würde ich vielleicht auch versuchen mich hierfür mit einem Verantwortlichen beim FC Bayern telefonisch verbinden zu lassen und den direkten Kontakt suchen. Und ich würde meinem Verein die Möglichkeit geben sich zu erklären.

In diesem Zusammenhang habe ich auch darüber nachgedacht, welche Erwartungen Dieter Janecek wohl an seine Mitglieder hat. Stellt euch vor,  es kommt in einer politischen Partei zu Meinungsverschiedenheiten.  Ein Mitglied ist mit der Meinung der Parteioberen nicht einverstanden, aber anstatt den unbequemen Weg zu gehen, und innerhalb der Partei für die eigene Position zu kämpfen, tritt das (vielleicht auch noch prominente) Mitglied öffentlich aus und verurteilt die Partei. Als Sprecher der Partei wäre ich enttäuscht und sauer, würde mir aber eventuell am Ende das Tages denken, dass solche Mitglieder nicht den Kern der Organisation darstellen. Eine Organisation braucht Mitglieder, die intern für ihre Positionen eintreten und nicht bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit abhauen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dieter Janecek hier anders denkt.

Also was soll das Ganze? Ich verstehe es einfach nicht. Dieter Janecek will in den Bundestag. Hat er gedacht, seine Mitgliedschaft beim FC Bayern ist bei der Aufstellungsversammlung hinderlich und dies ist eine gute Möglichkeit sie loszuwerden? Wollte er sein politisches Profil schärfen und sah hier eine Möglichkeit eine große Öffentlichkeit zu erreichen? Oder hat er wirklich erwartet, beim FC Bayern eine politische Heimat abseits der Grünen zu finden?

Mich enttäuscht die Aktion. Ich hätte mir gewünscht, dass Dieter Janecek eventuell irgendwann das erste grüne Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern wird und der Verein politische Positionierungen in Zukunft unterlässt. Wird wohl nichts…

P.S.:  Auch die Münchner SPD hat sich für die dritte Startbahn ausgesprochen. Mit denen hat sich die Spitze der bayrischen Grünen aber am Donnerstag erstmal gemütlich auf ein Bier getroffen, um politische Gemeinsamkeiten ausfindig zu machen. Als ob Uli Hoeneß nicht für ein gemütliches Gespräch bei einem Hellen und einer Bratwurst offen gewesen wäre….

Wer Antworten für mich hat, darf gerne untenstehend kommentieren!