Sportbuch 08/2017: Old School Hitter aus der NFL

Ich hatte Urlaub und es war das letzte Buch, dass American Football betraf, das ich in meinem Regal finden konnte. Die Saison hatte gerade angefangen und ich wollte unbedingt ein footballspezifisches Buch lesen. Da durfte es dann auch mal die Autobiografie mit dem Titel Romo: My Life on the Edge: Living Dreams and Slaying Dragons von Bill Romanowski sein. Das Buch lag da schon etwas länger und mir sagte die Person Romanowski bis dahin nichts. Romanowski spielte zu einer Zeit, als ich Football noch nicht aktiv verfolgte. 

 

Als ich dann in der spanischen Sonne so anfing zu lesen, wusste ich recht schnell, dass ich die Geschichte von Romanowski spannend finden würde. Romanowski spielte zu einer Zeit Football, als die Gesundheit der Spieler noch keine so große Bedeutung hatte wie heute. Es ist erschreckend wie viele Gehirnerschütterungen Romanowski während seiner Karriere erlitt. Verwunderung fehlt allerdings, da zu seiner Zeit ein solider Tackle eben auch mal eben Helm-auf-Helm Kontakt bedeutete. Über die langfristigen Wirkungen machte sich damals noch kaum jemand Gedanken. Einige zu frühe Todesfälle ist die Liga an dieser Stelle zwar weiter hat aber noch einen weiten Weg vor sich. Gerade heute, wo ich Alonsos Hit auf Joe Flacco sah, der erneut nicht zu einer Ejection führte. Greift die Liga hart genug durch? Zumindest nicht direkt im Spielbetrieb.

Ein anderer Aspekt, der mich an Romos Karriereverlauf interessiert, ist der Gebrauch von „Nahrungsergänzungsmitteln“. Zu seiner Zeit wurden einige Dopingmittel neu entwickelt, die anfänglich nicht als solche verboten waren. Romo hat fast alles ausprobiert, was seine Leistung auch nur kleinwenig steigern hätte können. Dazu gehörte, dass er sich in seinen Trainingspausen regelmäßig selbst diverse Infusionen legte. Alles, um seine Karriere entsprechend zu verlängern.

Zurück bleibt am Ende ein Spieler, der seinen Körper bis zum allerletzten geschunden hatte. Geschmacks- und Geruchssinn waren beim Karriereende verloren. Seine Reaktionszeiten auf sein Umfeld deutlich verlangsamt. Sein Gehirn hatte langfristig Schaden gelitten. In diesem Zusammenhang zeigt seine Laufbahn sehr deutlich, dass es die NFL über lange Zeit nicht geschafft hat Spieler vor Ihrem eigenen Ehrgeiz zu schützen und diesen auf Grund des Spektakels sich sogar zu Nutze gemacht hat. Dafür kann ich nur eine klare Lesempfehlung aussprechen.

Sportbuch 01/2016: Wie Victor Cruz ins Blaue getroffen hat

Es ist der dritte Tag eines neuen Jahres. Ich bin ein Mensch, der sich gerne Vorsätze für das neue Jahr setzt und die Vorsätze für dieses Jahre begleiten mich zumindest jetzt noch. Sich bewusst Vorsätze zu setzen, bedeutet für mich auch, kurz inne zu halten um zu überlegen, was im letzten Jahr gut oder auch weniger gut gelaufen ist und der Moment dieser Überlegung ist für mich wichtiger, als die Vorsätze auch immer konsequent umzusetzen. Einer meiner Vorsätze für 2016 ist es, wieder regelmäßiger zu lesen. Dafür muss ich die Ruhe zum Lesen finden. Dann lese ich gerne aber nicht aussschließlich Bücher, die sich mit Sport und hier v.a. mit Fußball und American Football beschäftigen. Ich will euch in 2016 jeden Monat eines dieser Bücher vorstellen. Mal schauen, wie weit ich damit komme. Das Januarbuch ist aber schon mal da: 

Ja, ich bin ein Giants Fan. Zwei Superbowlerfolge in 2007 und 2011 überdecken viele sportlich mittelmäßige Jahre. Seit dem Superbowlerfolg gab es für die Giants keine Playoffauftritte mehr und auch dieses Jahr geht es für mein Team nur noch darum, sich gegen einen Divisionrivalen nicht noch weiter zu blamieren.

Notgedrungen richte ich mich an den erfreulichen Geschichten rund ums das Team auf. Davon gibt es einige. Meine liebste dreht sich um Mark Herzlich, der nach einer Krebserkrankung im College nun einen Superbowlring spazieren trägt. Daneben hat in den letzten Jahren vor allem Victor Cruz die Herzen der Giants Fans erobert und auch wenn nicht klar ist, ob er nach mehreren schweren Verletzungen nochmal professionell Football spielen wird, kann ich mich immer noch an seinem märchenhaften Aufstieg erfreuen. Cruz ist als Cowboys Fan direkt vor den New Yorker Stadtgrenzen aufgewachsen. Er wurde von seiner puertoricanischen Mutter in Paterson, New Jersey, großgezogen. Nachdem er viele Hindernisse überwunden hatte, gewann er in 2011 mit den Giants einen Superbowl. Im Spiel gegen die New England Patriots fing er einen Touchdown. Wie es soweit gekommen ist, hat Victor Cruz mit professioneller Hilfe von Peter Schrager festgehalten. Mit Out of the Blue ist ein faszinierendes autobiografisches Werk entstanden.

Tolle Geschichte, sehr gut geschrieben. Wurde Zeit, dass ich das lese. #VictorCruz #IntotheBlue #Footballbuch

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Im Buch beschreibt Victor Cruz seinen Lebensweg und die Hindernisse, die er zu überwinden hatte. So musste er einige akademische Hürden überwinden, bevor er überhaupt College Football spielen durfte. Nach einer erfolgreichen Zeit am UMass College wurde er nicht gedraftet und hatte Glück, dass ihm die NY Giants trotzdem einen Vertrag angeboten haben. Immer wieder hat er hart für seine Chance gearbeitet und gelernt, dass  auch zwischenzeitliche Erfolge sehr vergänglich sein können.

Wenn ich durch das Buch etwas mitgenommen habe, dann ist es die erneute Erkenntnis, dass nur ausdauernde Arbeit zum Ziel führt. Menschen, die schnell aufgeben, werden ihre Ziele deutlich schwerer erreichen. Das Buch ist zudem gut geschrieben und liest sich auch auf englisch sehr flüssig. In kurzer Zeit hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen, obwohl ich sie schon kannte, und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Ok, ich lechzte auch nach positiven Nachrichten rund um die Giants und ich bin ein Fan, aber die Geschichte des überaus sympathischen Undrafted Receivers, der mit dem Team aus seiner Heimatstadt den Superbowl gewinnt, ist einfach zu märchenhaft, um sich nicht ein bisschen verzaubern zu lassen. Ich kann das Buch allen Footballfans und Anhängern romantischer Sporterzählungen daher nur wärmstens empfehlen. Der ein oder andere überraschende Schicksalsschlag ist garantiert, bevor man gegen Ende vollends mitfiebert. Go Giants!

Tom Coughlin und sein Weg zum Erfolg

Die Bundesligasaison geht langsam ihrem Ende entgegen und als FC Augsburg Fan bleibt einem noch eine kurze Verschnaufpause, bevor die Europacupfahrten geplant werden müssen. Die NFL befindet sich momentan in ihrem Offseasonschlaf und in Deutschland starten gerade erst wieder die Footballligen. Eine gute Zeit, um mit etwas Lektüre die restlichen 144 Tage Wartezeit bis zum Start der neuen NFL-Saison zu überbrücken. Als Giants-Fan war es ein unhaltbarer Zustand, dass ich die Biografie von Tom Coughlin noch nicht gelesen hatte. Diese Lücke habe ich aber mittlerweile geschlossen und will euch von meinen Erfahrungen berichten:

Tom Coughlin ist mittlerweile fast 70 Jahre alt. Immer noch steht er für die New York Giants an der Seitenlinie, für die er zwei Super Bowls gewonnen hat. Vor seiner Zeit bei den New York Giants war er der Cheftrainer der Jacksonville Jaguars und es ist kaum vorstellbar, aber unter Tom Coughlin haben die Jacksonville Jaguars in den Playoffs gespielt. Insgesamt kann Coach Coughlin auf eine beeindruckende Laufbahn als Coach von College Teams und in der NFL zurückblicken. Seine wichtigsten Erkenntnisse aus seiner langen Laufbahn hat er in einem kurzweiligen Buch mit dem Titel Earn the Right to Win: How Success in Any Field Starts with Superior Preparation zusammengefasst.

Hab es endlich gelesen. #Coughlin #Earntherighttowin #Footballbuch

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Aus seinen Ausführungen wird klar, dass Coughlin ein Mann ist, der immer einen Plan verfolgt. Er schafft Strukturen und erstellt Zeitpläne und er überlegt sich wie er seine Pläne kommunizieren und umsetzen will. Er legt sehr viel Wert auf Vorbereitung und versucht besser vorbereitet zu sein als seine Gegner. Hierbei wird schnell klar, dass der Teufel im Detail steckt, oder wie Coach Coughlin es nennt: „Small things make a big deal“. Vor allem in einem Umfeld wie der NFL, wo viele Organisationen auf einem hohen Level gegeneinander konkurrieren, kommt es auf Kleinigkeiten an. Dabei bleiben jedem persönlich wohl unterschiedliche Aspekte des Buchs im Gedächtnis. Drei Punkte, die ich aus der Lektüre mitgenommen habe, sind:

  • Nutze Zeit effektiv: Jeder hat die gleiche Anzahl von Stunden am Tag zur Verfügung und es kommt darauf an, die eigene Zeit effektiver zu nutzen, als es die Konkurrenz tut. Listen und Pläne sind hierfür unerlässlich. Es braucht Konzepte und Pläne, um zum Ziel zu kommen, und diese müssen effektiv implementiert werden.
  • Kommuniziere Ziele konsistent, finde jedoch für unterschiedliche Persönlichkeiten individuelle Wege der Kommunikation: Menschen ticken unterschiedlich. Die Kommunikation von Anforderungen und Zielen sollte eine roten Faden haben, aber jedes Individuum verarbeitet Informationen unterschiedlich. Entsprechend muss für jede Person in der Organisation ein persönlicher Weg zum Kern der Information gefunden werden. Dies kann gravierende Änderungen im eigenen Kommunikationsverhalten erfordern.
  • Es gibt keine Abkürzungen: Erfolg basiert auf harter Arbeit. Auch wenn man Zeit effektiv nutzt und geschickt kommuniziert, so muss doch am Ende des Tages hart und detailversessen gearbeitet werden, sonst war der ganze Rest für die Katz.

Ingesamt hat mir das Buch viele Anregungen für meine tägliche Arbeit gegeben, unabhängig von American Football. Allerdings kann ich Football-Metaphern gut übersetzen und suche bewusst danach, welche Ideen ich mitnehmen kann. Für alle Footballfans sollten aber schon alleine die Anekdoten im Buch genügend Unterhaltungswert bieten, um mit dem Werk einige kurzweilige Stunden zu verbringen. Für mich als Giants-Fan insgesamt natürlich ein Schmankerl.

Über die Stille Kraft von Tony Dungy

Die Free Agency hat begonnen und so langsam steigt die Spannung vor der nächsten NFL Saison. Es ist allerdings noch eine lange Zeit bis in der Preseason der Football wieder fliegt. Wie könnte man sich die Zeit besser vertreiben, als ein Footballbuch zu lesen. Ich möchte euch an dieser Stelle ein weiteres Footballbuch vorstellen. Es geht um Tony Dungys Stille Kraft. Tony Dungy war ein äußert erfolgreicher NFL Coach, der mittlerweile nur noch als TV Experte arbeitet. Die Tampa Bay Buccanears hat vor allem er zu dem Team geformt, mit welchem Jon Gruden ein Jahr nach seiner Entlassung den Super Bowl gewonnen hat. Während seiner Zeit in Tampa hat er das berüchtigte Tampa 2 Defense Scheme eingeführt. Ein paar Jahre später hat er selbst mit den Indianapolis Colts die Lombardi Trophy gewonnen. Vor ein paar Jahren hat er mit „Stille Kraft“ seine Biografie veröffentlicht, die seinen Lebensweg inkl. der Zeit bei den Tampa Bay Buccanears und den Indianapolis Colts behandelt.

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Lektüre vor dem Wochenende. #Footballbuch #Dungy #StilleKraft

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„Stille Kraft“ ist dabei eines der wenigen Footballbücher, welches auch auf deutsch erschienen ist. Leider ist die Übersetzung von Dagmar Schulzki schlecht (ein Beispiel gefällig: Leadership wird zu Leiterschaft). Wer sprachlich zur englischen Originalversion greifen kann, sollte dies daher tun (englischer Originaltitel:Quiet Strength). Aber all diejenigen, die sich nicht zutrauen, englische Bücher zu lesen, können hier trotzdem zugreifen und sich von einer spannenden Lebensgeschichte inspirieren lassen.

Dabei nimmt Football zwar eine prominente Rolle im Leben der Dungys ein, aber vor allem anderen ist Tony Dungy ein Mann des Glaubens. Mir sind die glaubensspezifischen Stellen zu viele und zu umfangreich. Aber ohne diese Stellen würde man den Menschen hinter dem Coach wohl nicht verstehen. Zudem erkennt man dadurch schnell, dass Football nicht die Hauptrolle im Leben von Tony Dungy einnimmt. Schon nach seiner Zeit in Tampa Bay dachte er wohl darüber nach das Coaching aufzugeben, um sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren. Bei seinen Tätigkeiten hat er sich früh die Frage gestellt, wie er der Gesellschaft helfen und Menschen inspirieren kann. Seine Geschichte mit all ihren kleinen Ecken und Kanten (z.B. seiner Zeit als schwarzer College QB, der nicht gedraftet wird) ist dabei spannend zu lesen und nicht nur für Footballfans interessant.

Ingesamt bietet das Buch einige Einblicke in ein spannendes (Football-)leben und die Motivation eines sehr erfolgreichen Menschen. Mit seinen Gedanken zur Work-Life-Balance ist er seiner Zeit wahrscheinlich deutlich voraus gewesen. Die Erfahrungen von Tony Dungy zeigen zudem deutlich, wie sowohl die Organisation in Tampa Bay als auch die Indianapolis Colts ticken. Für Footballfans nur empfehlenswert!

Chuck Pagano glaubt an das Gute im Menschen

Im Januar 2012 ist Chuck Pagano Cheftrainer der Indianapolis Colts geworden. Es ist seine erste Cheftrainerposition in der NFL. Später im Jahr 2012 wurde bei Chuck Pagano Leukämie diagnostiziert und er musste sich mitten während der NFL-Saison in Behandlung begeben. Nach einigen Monaten hatte er die Leukämie besiegt und konnte wieder an den Spielfeldrand zurückkehren. Über seinen eindrucksvollen Kampf gegen den Krebs hat er nun ein Buch mit dem Namen „Sidelined“ geschrieben, welches passend vor der NFL-Saison in den USA erschienen ist. Es ist z.B. über Amazon auch in Deutschland zu beziehen, allerdings nur in englischer Sprache.

In seinem Buch beschreibt Pagano die große Unterstützung, die er durch die Indianapolis Colts insgesamt erhalten hat. Er führt diese direkt auf seine Arbeit als Coach zurück. Natürlich weiß er auch, dass es in der NFL darauf ankommt, Siege zu erringen um langfristig in der Liga arbeiten zu können. Der Schlüssel dafür liegt für ihn im Teamzusammenhalt:

To have a championship team, it takes cameraderie and a strong bound that the players and coaches have for each other.

Seine Philosophie fasst er daher in drei Worten zusammen:

Trust, Loyalty, Respect – the core pillars of our team

Er definiert seine Arbeit über die menschlichen Beziehungen und nicht direkt über den sportlichen Erfolg. Durch die menschlichen Beziehungen glaubt er, dass die Beteiligten mehr Einsatz einbringen und sich besser gegenseitig motivieren anstatt gegeneinander zu arbeiten. Natürlich weiß er, dass sich darüber hinaus die Spieler verbessern müssen, damit das Team auch sportlich funktionieren kann. Phrasen wie „Stick to the process“ und „One play at the time“ finden sich daher auch bei ihm. Insgesamt ist aber der Fokus des Buchs, der sich auf die menschlichen Beziehungen innerhalb einer NFL-Organisation richtet, erfrischend. Dazu ist die Sprache des Buchs recht einfach gehalten und das Buch lässt sich auch von Nicht-Muttersprachlern gut lesen. Für Footballinteressierte und nicht nur die Colts-Enthusiasten daher eine klare Leseempfehlung.