Wie Gregor Meyle in eine Paralleldimension entschwebte

Mir ist vor kurzem das aktuelle Album Die Leichtigkeit des Seins von Gregor Meyle in die Hände gefallen. Ich mag dessen Musik manchmal sehr gerne und habe mich auch schon mit seinem letzten Werk beschäftigt. Dem ist diesmal nicht so. Mit vielen Streichern (Alles wird gut) und mit Popbeats (Da geht noch mehr) ist die Botschaft immer positiv. Es geht darum Tage zu genießen, mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind und das Beste aus dem zu machen, was einem das Leben gibt. 

Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch, aber in der Gesamtheit holt mich diese Musik im Moment nicht ab. Wo sind die Tiefen im Leben, die die Höhen erst zu diesen machen? Es ist gut möglich, dass es Menschen gibt, die genau diese weichgespülten Lieder von Gregor Meyle als sein bestes Werk feiern, nachdem sie ihn in der Helene Fischer Show „entdeckt“ haben. Diese werfen einem vielleicht dazu noch eine Textzeile von Gregor entgegen: 

„Hör auf dich zu beklagen, hör nie auf zu lieben, so weit, so gut.“ 

Das geht aber gerade nicht. Ich mache mir Sorgen, wohin sich dieses Land und diese Welt bewegen. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer und bewirkt gerade, dass diese Tendenzen überhaupt auftreten. Es gibt einen relevanten Anteil an Menschen, die an einfache Lösungen glauben und die Komplexität der Welt nicht wahrnehmen. Und während Gregor Meyle, die Wahrheit noch nicht akzeptieren kann (Die Tapfere). höre ich auf das beste Lied seiner Platte und pack mein Scheiß. Nehme meinen Hut und höre wieder Musik, die mich mehr mitnimmt. Leute, die den Kampf annehmen. Leute wie Laas Unltd

Es wird wieder dunkler. Ich habe das zuerst auch nicht wahrhaben wollen. Jetzt begleitet mich dieser Gesamteindruck, auch mit der Musik durch die Tage. Und vielleicht trifft man an einer späteren Kreuzung des Lebens Gregor Meyle wieder und tauscht Erfahrungen aus.

Album Review: Gregor Meyle – New York Stintino

Während der letzten Zeit war ich für meine Verhältnisse ungewöhnlich viel mit dem Auto unterwegs. Im Auto lege ich mir gerne eine CD ein und höre entspannt Musik. Gerade im Sommer höre ich gerne positive Songs, wenn ich sonntags im Stau stehe und etwas Beruhigung benötige. Dabei bin ich auf das aktuelle Album von Gregor Meyle mit dem Titel „New York- Stintino“ gestoßen. Die Songs auf dem Album klingen so unvorstellbar warm, dass dies auch bei fehlender Sonne nun in der zweiten Augusthälfte immer noch ansteckend wirkt. Stintino ist ein kleiner Ort auf Sardinien und die italienische Sonne schwappt geradewegs über die Musik auf einen selbst über.

Der erste Titel des Albums ist mit „Ich glaub an Dich“ auch direkt eine positive Unterstützung fürs Leben. Getragen von kräftigen Bläsern gibt Gregor Meyle die Botschaft aus, dass auch schwierige Situationen mit Unterstützung anderer bewältigt werden können. Ähnlich geht es beim zweiten Titel des Albums weiter. Das Lied „Das Beste kommt noch“ vermittelt einen genügsamen und positiven Blick auf das Leben. Mit zarten Streichern und seiner typischen Stimme, mit der ihm eigenen Stimmfarbe, wirkt dieser Song sehr beruhigend. In dieser positiven Grundausrichtung folgt „Hier spricht Dein Herz“. Arg verspielt erinnert einen Gregor Meyle daran, die Leichtigkeit im Leben nicht zu verlieren. Schlussendlich fasst er selbst zusammen: „Das Wichtigste ist: Behalt dein Lächeln im Gesicht!“. Nicht unwichtig in dieser schnellen, stressigen Welt.

Mit dem vierten Song wird es etwas leiser und ruhiger, wenn Gregor Meyle fragt „Liebst Du mich?“. Passender wurde die tiefe Liebe zwischen zwei Menschen wahrscheinlich selten in Worte gefasst. Im Zwischenteil werden die Bläser sehr dominant, aber insgesamt fesselt mich das Stück. Hernach kommt ein alter Bekannter ums Eck. Gregor Meyle hat auf die Platte eine neue Version des Stücks „Heute Nacht“ gepackt, bei welcher er diesmal im Duett mit Raissa Fayet singt. Auch die Version seines alten Hits ist verspielt verkleidet und kommt nicht ohne Streicher und einen dominanten Kontrabass aus. Nennen wir es „etwas zu viel“ im Vergleich zur schönen Originalversion. Hier nochmal zur Erinnerung:

Beim sechsten Titel „Nimm Dir Zeit“ geht es immer noch positiv weiter. Gregor Meyle ruft zum materiellen Verzicht auf und bestärkt Menschen darin sich Zeit zu nehmen. Kraftvoll kommt dann „Schau Mich Nicht So An“ daher. Auch hier geht es ein weiteres Mal um die Liebe. Sehr schwungvoll und aufmunternd. Im Schlussteil des Albums schlägt dann „Die Chance“ ruhige und traurige Töne an. Gregor Meyle spricht hier mit der Sozialflucht von Menschen ein wichtiges und ernstes Thema an. Dabei gelingt es ihm den richtigen Ton zu treffen. Noch beim Hören des Lieds weiß ich mein eigenes Leben sehr zu schätzen und bin dankbar dafür, wie gut es mir geht. „Land in Sicht“ schlägt danach wieder positivere Töne an und fordert die Menschen dazu auf, sich nicht zu verstecken. Der Text ist zwar sehr einfach, aber der Song ist trotzdem sehr eingängig und aufmunternd. Danach geht das Album mit „Such keinen Anderen“ zu Ende. Der extreme Halleffekt im Song gefällt mir dabei sehr gut und das Lied ist mein heimlicher Favorit auf dem Album, da der Sound einfach etwas anders ist. E-Gitarren sind doch einfach etwas tolles und Gregor Meyles Musik nicht so ganz die meine.

Man könnte Gregor Meyle vorwerfen, dass seine Texte kitschig und schnulzig sind. Man kann aber auch anerkennen, dass Gregor Meyle ein Künsler und Poet ist. Mir ist die musikalische Untermalung manchmal zu verspielt und ich kann diese positiven Melodien auch nicht jeden Tag hören. Aber wenn ich die Platte hörte, musste ich doch des öfteren schmunzeln. Ich ließ mich von der positiven Grundstimmung anstecken. Das schaffen dann auch nicht so viele Künstler. Für Zwischendurch mal eine gelungene Abwechslung.