Albumreview: Sizarr – Nurture

Nach meinem Review der Cold War Kids bin ich zuletzt noch auf eine weitere interessante Indierock-Platte gestoßen. Nurture von Sizarr hat es mir angetan. Wer Sizarr hört, denkt mit Sicherheit nicht, dass die Jungs aus Landau in der Pfalz kommen. Internationaler Indiesound mit Format überraschte auch mich, als ich bei der Platte auf Play drückte. Es ist schon das zweite Studioalbum der Band. Das erste habe ich wohl einfach verpennt. Ich werde hier bald mal nachforschen müssen.

Nun aber zurück zur aktuellen Platte. „Clam“ legt direkt flott los und legt den Grundstein für die weiteren Songs. Ich habe mich direkt beim mitwippen erwischt und erst später nachgehört, worum es denn überhaupt geht. „I may have lied to you“ beschreibt, warum in mancheb Situationen aus Angst lügt. Der Song sticht durch seinen tollen Gitarrensound hervor, der mir gut gefällt. Repeat!  „Baggage Men“ hat dann ein außergewöhnliches Intro und ist mir persönlich zu krass instrumentiert. Ein etwas simpleres Arrangment würde mir besser gefallen, wo der Song insgesamt eine schöne Struktur hat. Sonst jemand etwas überfordert?

Kein Intro, direkter Gesangseinstieg, hallo „Timesick“. Das Problem kennt jeder: die Zeit rinnt einem durch die Finger und man fühlt sich überfordert. Schön beschrieben, wieder etwas mächtig instrumentiert, aber für das Motiv passend.

Mit dem Auto durch die Nacht, Fenster auf und „Scooter Accident“ laut drehen. Die Angst jemanden zu vertrauen und die Kontrolle zu verlieren. Volltreffer!

Pianoballade gefällig? „Untitled“ ist genau das. Romantisch, gedankenverloren – so einfach und schön. „Slightly“ ist ein netter Popsong. Etwas platt und monoton. „Slender Gender“ gleich darauf handelt von Kindheitserinnerungen und der Hoffnung auf eine bessere Welt. Schöne Melodie mit Ohrwurmgefahr. „You and I“ ist eine Ballade über den Moment des Verliebens. „How much for this“ setzt einen kraftvollen Schlusspunkt, der mit eingängigen Gitarrenläufen das Album beendet und einen Steigerungslauf zum Abschluss vollbringt. Schon vorbei? Schade.

Sizarr pflegen Indierock- bzw. Elektropopsound, der schwer einzuordnen ist. Stark von den 80er geprägt, haben viele Songs schöne Melodien. Die Instrumentierung ist nicht abgenutzt, an wenigen Stellen aber für meinen persönlichen Geschmack zu dick aufgetragen. Die Schönheit vieler Songs liegt in ihren einfachen Melodieverläufen. Gerne drücke ich auf Repeat. Jetzt.

Albumreview: Cold War Kids – Hold my Home

Im März veröffentlichten die Cold War Kids mit Hold My Home ihr fünftes Studioalbum in Deutschland. Die Indie Rock Band aus Kalifornien war mir schon früher zumindest beiläufig aufgefallen und so entschied ich mich dem Album eine Chance zu geben, um eine Abwechslung zu den Hip Hop Platten der letzten Zeit zu schaffen. Ich bin nunmal jemand, der gerne unterschiedliche Musikstile hört. Vorweg: Ich wurde nicht enttäuscht.

„All This Could Be Yours“ beginnt schwungvoll mit einem Pianointro bevor der Gesang von Nathan Willett und die Gitarren einsetzen. Mit kräftigen Drums im Hintergrund erzählt er die Geschichte von einer langen Wartezeit auf den einen Abend, nur um dann enttäuscht zu werden. „First“ ist als nächstes ein Song über Vertrauensverlust und Selbstmitleid. Hört selbst:

Danach kommt mit „Hot Coals“ ein poetischer Song über eigene Unzulänglichkeiten und die Angst einen geliebten Menschen zu verlieren, wenn man ihm die Freiheit einräumt, selbst zu wählen. Musikalisch kraftvoll wird diese düstere Angst gut durch die Instrumentierung des Songs unterstützt. Auch im nächsten Titel zeigt sich, dass das Album zumindest in der ersten Hälfte dazu dient, Ängste musikalisch zu verarbeiten. „Drive Desparate“ wird von der Angst getragen, alleine gelassen zu werden und keine Unterstützung zu erhalten.

„Hotel Anywhere“ ist dann eine psychedelische Wandlung auf dem Album. Man scheint schon fast beim Hören wegzufliegen. Der Text ist abgehoben und erinnert an einen Drogenrausch:

I live and I breathe
It’s incredible how little I need
I’ve been enlightened, away from my scene
I find the beauty in everything

„Go Quietly“ hat ein altbekanntes Motiv, in der Darstellung einer Person, die sich nicht nach den Vorstellungen des Partners ändern kann, was unweigerlich zum Beziehungsaus führt. Nichtsdestotrotz ist diese olle Kamelle musikalisch schön verpackt. Auch „Nights & Weekends“ erzählt keine neue Geschichte, bringt aber das Verknalltsein sympathisch und leicht psychedelisch angehaucht rüber. Ein Traum aus vielen rosa Wolken in Indie-Musik gepackt. Während dieser Songs nimmt das Album eine langsame positive Wendung. „Hold my Home“ ist für mich dann der erste schwächere Song auf dem Album, den ich nicht direkt einordnen kann. Er scheint mir belanglos und dazu recht monoton arrangiert. Was verpasse ich?

Wie der „Flower Drum Song“ losgeht gefällt mir schon sehr gut. Der Song hat ein tolles Intro und der Basseinsatz ist wohlplatziert. Daneben hat der Song für mich eine essentielle Aussage, in dem er dem Hamsterrad des „Trophy Life“ widerspricht. Druck ist in vielen Situationen selbstgeschaffen und kann abgelegt werden, indem man den „Flower Drum Song“ singt. Mein Favorit auf dem Album und ein absoluter Knaller! „Harold Bloom“ ist der Name des vorletzten Songs des Albums und zeitgleich eine Referenz an den gleichnamigen Literaturkritiker (ja, ich musste googeln), der wahrscheinlich ein Begründer der modernen Ranglisten war. Der langsame Titel will vermitteln, zufrieden mit der eigenen Leistung zu sein, auch wenn man vielleicht nicht der beste seines Fachs ist. Der Song gibt damit in seiner Richtung die Abkehr vom Wettbewerbsgedanken vor, die mir selbst schwerfällt. „Hear My Baby Call“ als Abschlusssong trifft mich dann wieder tief im Herzen, weil es die Liebe von Eltern zum eigenen Kind beschreibt. Wundervoll und bedingungslos. Damit endet die Platte versöhnlich und geleitet mich wohl in den Tag.

„Hold my Home“ ist ein teilweise düsteres aber sehr poetisches Album. Ich kann das Album nicht immer hören, vor allem wenn ich weiß, welche Geschichten die Songs erzählen. Ich bin ein positiv denkender Mensch und das Album ist doch vor allem zu Beginn recht dunkel. Erst auf der zweiten Hälfte hellt die Stimmung auf und vermittelt die ein oder andere positive Nachricht. Es ist eine sehr gelungene Abwechslung zu so manchem oberflächlichem Popsong aus dem Radio und gefällt mir auch musikalisch sehr gut. Für die richtigen Momente kann ich es daher nur empfehlen.