Flag Football Herrennationalmannschaft am Ende? Ein Weckruf!

Es ist schon etwas länger her, dass ich mich mit dem Zustand der deutschen Flag Football Nationalmannschaften beschäftigt habe. Gerne beginne ich diesen Beitrag mit einer kleinen Lobhudelei. Was die Trainer der Flag Football Frauennationalmannschaft Chris Kämpfe und Max Groß auf die Beine gestellt haben, ist toll. Sie waren mit ihrer Mannschaft nicht nur bei der WM in Italien, sondern haben sich auch gegen die starke Konkurrenz gut geschlagen. Der sechste Platz ist weltweit ein sehr respektables Ergebnis. Bei den Frauen stehen auch schon die ersten Termine für das nächste Jahr und ich glaube die Entwicklung ist hier noch nicht zu Ende. Flag Football Spielerinnen die Lust haben, Teil der Mannschaft zu werden, sollten unbedingt am Try Out im Frühjahr teilnehmen. Ich glaube man braucht sich hier auch nicht zu verstecken und kann für 2015 das Ziel einer EM-Medaille ausgeben. Die deutschen Flag Football Damen sind im Kommen!

Bei den Männern sieht es da schon ganz anders aus. Hier scheint eine Entwicklung  am Ende zu sein. Es gibt einfach keine Flag Football Herrennationalmannschaft im Moment. Die Weltmeisterschaft fand letztes Jahr in Italien statt. So eine kurze Strecke zu einer WM musste man seit langem nicht zurücklegen. Es war trotzdem kein Team vor Ort und hat teilgenommen. Zuvor war die WM für Israel angekündigt, bevor sie – bedingt durch die politischen Entwicklungen – verlegt wurde. Auch hier ist die Distanz deutlich geringer als nach Kanada oder USA und es war kein Team gemeldet.17 Teams aus der ganzen Welt sind nach Italien gereist, aber die Deutschen haben es nicht über den Brenner geschafft. Ich mag diesen Sport zu sehr, und ich weiß mit wie viel Leidenschaft er von vielen betrieben wird, als dass mir bei dieser Tatsache nicht das Kotzen kommt.

Nun bin ich einfach nur ein interessierter Zeitgenosse (von denen es bezogen auf die Sportart Flag Football zu wenige gibt) und habe mich gefragt, wie das sein kann. Ja, ich habe selbst lange Flag Football gespielt, aber persönliche Gründe und eine Knie-OP haben jetzt erstmal zur Pause geführt. Es gibt mehr als genug Spieler in diesem Land, die nichts lieber tun würden, als für Deutschland zu spielen (und ich war einer davon). Dabei ist mir bewusst, dass die Spieler enorme Kosten selbst zu tragen haben. Es fahren trotzdem jedes Jahr deutsche Teams (und keine Nationalmannschaften) sogar bis nach Israel, um an offenen Tunieren teilzunehmen. Die Walldorf Wanderers waren erst zuletzt in Den Haag. Der Enthusiasmus ist hier bei vielen sehr groß. An den Spielern kann es also nicht liegen.

Da bleibt ja dann nur noch die Organisation der Männernationalmannschaften, die man zur Verantwortung ziehen kann. Diese obliegt in erster Instanz dem AFVD. Der AFVD hat nun (wie sich im letzten Jahrzehnt gezeigt hat) mehrere Möglichkeiten, wie er in Bezug auf die Männernationalmannschaften vorgehen kann. Mir geht es nun gar nicht um die sportliche Perspektive der unterschiedlichen Lösungen, sondern alleinig darum, dass wir wieder ein Team entsenden, welches am Turnier teilnimmt. Der AFVD kann als erste Möglichkeit einfach den deutschen Meister zu den Weltmeisterschaften entsenden (wie er es mit den Kelkheim Lizzards über viele Jahre gemacht hat). Der deutsche Meister in diesem Jahr waren vor der WM die Walldorf Wanderers. Ich glaube die Jungs hätten nichts lieber gemacht, als als Team Deutschland an der WM teilzunehmen. Eine zuverlässige Teilnahme hat so über Jahre funktioniert und durch die gefestigen Strukturen bei den Top Teams in Deutschland, würde diese Möglichkeit auch über Jahre dazu führen, dass ein deutsches Herrennationalteam international an Turnieren teilnimmt.

Nun hat sich der AFVD vor einiger Zeit entschlossen, die Männernationalmannschaft als Auswahlmannschaft zu organiseren und eine sportliche Leitung eingesetzt. In den letzten Jahren waren die sportlichen Ergebnisse nicht überragend, aber im Nachgang kann man ja schon froh sein, dass überhaupt eine Mannschaft an den Turnieren teilgenommen hat. Ich weiß nicht, wer im Moment die sportliche Leitung der Herrennationalmannschaft inne hat, aber anscheinend hat hier einiges im letzten Jahr nicht funktioniert. Die letzte Meldung bzgl. der Herrennationalmannschaft auf der Seite www.flagfootball.de des AFVD ist noch aus Schweden von der Europameisterschaft 2013. Es ist für mich nicht ersichtlich, ob es momentan Coaches gibt, ob es einen Teammanager gibt und entsprechend haben in 2014 auch keine Try Outs oder Trainingslager für die Herrennationalmannschaft stattgefunden.   Personen, die im letzten Jahr die Verantwortung getragen haben, müssen in die Pflicht genommen bzw. von ihren Aufgaben entbunden werden, damit eine Wende eingeleitet werden kann. Es gibt nicht nur viele Spieler, die die Sportart Flag Football mit großem Engagement betreiben, sondern in den einzelnen Mannschaften Personen, die geeignet und wahrscheinlich auch bereit wären, Verantwortung in dieser Hinsicht zu übernehmen. Die Situation im Moment ist damit keineswegs alternativ- oder aussichtslos. Wenn man die Herrennationalmannschaft aus Verbandssicht weiter als Auswahlmannschaft organisieren will, dann muss man jetzt die organisatorischen Weichen stellen und die entsprechenden Posten besetzen. Sonst ist 2015 ein weiteres verlorenes Jahr.

Am meisten leid tut mir diese Entwicklung dabei für die Spieler, die von ihrem Verband um die Möglichkeit gebracht werden, international anzutreten. Ich bin gegen viele von ihnen angetreten und mit einigen habe ich zusammengespielt. Ich würde mir wünschen, dass der AFVD eine Lösung findet, die Herren Flag Football Nationalmannschaft organisatorisch so aufzustellen, dass ein Team am nächsten Turnier teilnimmt. Auch die männlichen Flag Football Spieler sind Teil dieses Verbands. Aber solange ich weiter nur von den Damen lese und höre, glaube ich nicht an eine Wende.

Über Schlüsselspieler, denen Jogi Löw einen Schubs gegeben hat

Seit Juli 2006 ist Jogi Löw als Bundestrainer für die Nationalmannschaft verantwortlich. Seitdem hat er in vier Turnieren immer das Halbfinale oder Finale erreicht ohne jedoch einen Titel zu gewinnen. Und so kam nun vor der WM in Brasilien die Diskussion auf, ob Deutschland mit Jogi überhaupt jemals einen Titel gewinnen könnte. Wenn man sich seine Amtszeit bisher in Ruhe betrachtet, dann sollte man diese Diskussion schnell wieder beenden.

Jogi Löw schafft es immer wieder, dass die deutsche Nationalmannschaft schönen Fussball spielt und dabei sogar noch recht erfolgreich ist. Zudem hat er eine Nase dafür deutsche Talente zu entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Nationen (z.B. England) reifen deutsche Spieler auch wegen der Nationalmannschaft zu großen Spielerpersönlichkeiten und nicht trotzdem. Es gibt wohl niemanden der behaupten würde, dass Gerrard, Rooney oder Lampard (in meinen Augen alle drei absolute Ausnahmespieler) ihre besten Spiele in der Nationalmannschaft gemacht hätten. Jogi Löw dahingegen schafft es immer wieder, dass einige der deutschen Spieler in der Nationalmannschaft ihren Leistungszenit erreichen. Die wichtigsten Spieler, bei denen Löw die Entwicklung entscheidend befördert hat (und die auch unter ihm debütiert haben), sind:

  • Manuel Neuer: Debütierte nur ein Jahr vor der WM 2010 unter Löw. Wurde nach der Verletzung von Rene Adler 2010 Stammkeeper und entwickelte sich auch Dank Löw zu einem Weltklassespieler. Die Nr. 1 in der Nationalmannschaft hat hier sicher nicht geschadet und Löw hat auch in Schwächephasen und trotz Neuers manchmal risikoreichem Spiel immer zu ihm gehalten. Auch wegen Löw Welttorhüter.
  • Jerome Boateng: Auch Jerome Boateng wird immens durch den Bundestrainer gefödert. Beim FC Bayern München war er in den letzten Jahren nicht immer eine feste Größe. Er wirkt manchmal hölzern in seinen Aktionen und lässt sich an einem schlechten Tag auch mal von seinem Gegenspieler ausspielen. Jogi Löw vertraut Boateng aber so sehr, dass er ihn sogar gestandenen Rechtsverteidigern vozieht, wenn innen gerade kein Platz ist. Über die internationale Erfahrung mittlerweile sowohl bei Bayern als auch in der Nationalmannschaft extrem wertvoll.
  • Sami Khedira: Sami Khedira debütierte noch nach Manuel Neuer in 2009 und hat mittlerweile in der Nationalmannschaft den Status eines absoluten Führungsspielers. Auch er wechselte wie Mesut Özil nach der WM 2010 zu Real Madrid und konnte sich dort nach einer gewissen Eingewöhnungsphase durchsetzen. Für Sami Khedira hat Löw 2014 eine Ausnahme gemacht und ihn trotz fehlender Spielpraxis für die WM nominiert. Löw’s Aggresive Leader und auch für Real Madrid mittlerweile ein wertvoller Rückhalt.
  • Mesut Özil: Löw hat Özil das erste Mal nominiert, als er noch für Werder Bremen spielte. Auch dank einer tollen WM 2010 bekam Özil die Möglichkeit zum Wechsel nach Madrid, wo er sich auf absolutem Weltklasseniveau etablierte. Nach einer etwas schwächeren Saison bei Arsenal baut Löw in der Nationalmannschaft weiter auf Özil und versucht ihn zu alter Stärke zurückzuführen. Die sensible Offensivkraft wird es ihm hoffentlich mit einer erneuten Leistungsexplosion danken.
  • Thomas Müller: Beim FC Bayern München spielt Müller neben Ausnahmekönnern wie Arjen Robben oder Franck Ribery. In der Nationalmannschaft gibt es zwar auch viel offensives Talent, aber dort zeigt sich immer wieder, welch ein außerordentlicher Spieler Müller ist. Jogi holte Müller früh zur Nationalmannschaft und machte ihn auch durch das Vertrauen bei der WM 2010 zu dem, der er heute ist: Deutschland’s vielseitigster und kaltschnäutzigster Offensivwaffe.

Bei anderen Spielern wie Mats Hummels, Mario Götze oder Toni Kroos ist die lenkende Hand nicht in dieser Form erkennbar und die Spieler haben bisher auf Vereinsebene mehr überzeugt als in der Nationalmannschaft. Sie haben nun bei dieser WM die Chance sich in den Vordergrund zu spielen. Bei Andre Schürrle ist es für ein abschließendes Urteil wohl noch zu früh, auch wenn der Bundestrainer ihn stark fördert und eine hohe Meinung von ihm hat. Allerdings konnte er sich in seinen Vereinen bis dato nicht wirklich durchsetzen bzw. zum Leistungsträger werden. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Miro Klose bilden eine gesunde Achse von Führungsspielern, die Jogi Löw von Jürgen Klinsmann übernommen hat. Weitere Spieler wie Stefan Kießling, Gonzalo Castro oder unlängst Marcel Schmelzer haben darunter gelitten, dass sie sich in der Nationalmannschaft nicht durchsetzen konnten bzw. nicht in Löws System passten.

Was allerdings in diesem Zusammenhang deutlich werden sollte, ist, dass der Bundestrainer sich eine eigene Meinung hinsichtlich seiner Spieler bildet und nicht nur an manchen Stellen evtl. im Weg steht (momentane Debatte zu Großkreutz) sondern auch sehr gezielt positiv einwirkt. Die Nationalmannschaft hat unter ihm auf Spielerebene noch an Attraktivität gewonnen, denn die Jungs wissen sehr wohl, dass Löw der Karriere einen Schubs geben kann. Vor Klinsmann gab es das in der Nationalmannschaft selten und gepaart mit der taktischen Analysefähigkeit im Zweifel noch nie. Auch wenn Jogi Löw in Brasilien nicht gewinnen sollte, so hat er doch durch die Entwicklung der einzelnen Spieler eine Basis für die kommenden Jahre gelegt und kann hoffentlich später die Lorbeeren ernten. Mir ist nicht Bange hinsichtlich der Entwicklung der Nationalmannschaft und hoffe Jogi Löw treibt die Entwicklung noch weiter voran.

Wie unsere Jungs zurückgeben

Letztes Wochenende habe ich in der Süddeutschen Zeitung den Artikel von Anna Günther mit dem Titel „Ein Mann will nach oben“ gelesen. In dem Artikel geht es um Bruder Konrad, der sich als Eremit von der Welt abgewandt hat, um an einem Wallfahrtsort in der Natur zu leben. Bruder Konrad war in seinem früheren Leben Bayern-Fan, hat aber seit Jahren kein Bayern-Spiel mehr gesehen. Der Grund für Ihn: „Es ist skandalös, wie viel die verdienen. Dabei gibt es so viel Elend in der Welt,“ Ich bin mir sicher, dass Bruder Konrad an seinem Wallfartsort effektiv gegen das Elend in der Welt vorgeht, aber auch viele Fußballer lassen sich nicht lumpen und haben haben durch die große Öffentlichkeit viele Möglichkeiten auf Mißstände aufmerksam zu machen.

Kurz vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft bei der WM in Brasilien habe ich mir den aktuellen Kader angeschaut und bin begeistert in welchem Ausmaß die Jungs soziale Verantwortung übernehmen, ohne dass Sie hierzu verpflichtet wären und obwohl sie alle viele Steuern bezahlen. Vier Spieler stechen im aktuellen Kader besonders hervor, denn sie haben ihre eigenen Stiftungen gegründet:

  • Philipp Lahm Stiftung: Förderung benachteiligter Jugendlicher in den Bereichen Sport und Bildung in Deutschland und Südafrika
  • Per Mertesacker Stiftung: Förderung von sozial benachteiligten Kindern über den Sport in der Region Hannover
  • Neuer Kids Foundation: Unterstützung notleidender Kinder und Jugendlicher in Deutschland mit Schwerpunkt Ruhrgebiet
  • Lukas Podolski Stiftung: Förderung des Sports, der Jugendhilfe, der Bildung, der Völkerverständigung sowie zur Unterstützung hilfsbedürftiger Personen

Auch andere aktive Nationalspieler engagieren sich. Roman Weidenfeller ist für die RoterKeil Stiftung aktiv. Jerome Boateng ist Botschafter für die Deutschlandstiftung Integration, Schirmherr und Mitgründer von Mitternachtssport e.V. und Pate der Stiftung Unesco. Kevin Großkreutz ist Botschafter der Solidarfonds Stiftung NRW. Thomas Müller ist Botschafter der Young Wings der Nicolaidis Stiftung. Julian Draxler trägt seinen Teil zur Christoph Metzelder Stiftung bei. Mario Götze engagiert sich für die Bundesliga Stiftung und ist Botschafter für Plan Deutschland. Andre Schürrle trägt sein Scherflein bei der Egidius Braun Stiftung bei genau wie Bastian Schweinsteiger bei der Per Mertesacker Stiftung, Miro Klose engagiert sich für das Ronald McDonald Haus in Homburg.

Die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es wurde wie erwähnt nur der 23er Kader für die WM in Brasilien betrachtet. Insgesamt doch recht eindrucksvoll, was die Jungs in ihren jungen Jahren schon anpacken. An Christoph Metzelder sieht man, dass das Engagement nicht mit der Karriere enden muss. Herzlichen Dank an alle Spieler für ihr ehrenamtliches Engagement. Ich würde sie auch ohne dieses Engagement anfeuern, aber das macht die Jungs nochmal sympathischer. Na Bruder Konrad, immer noch keine Lust mitzujubeln?

Daniel Baier: Der Dirigent des Augsburger Erfolgs

Fussball ist ein Mannschaftssport, aber ohne manche Einzelspieler wäre der Erfolg so mancher Teams nicht möglich. Vor dem letzten Spieltag steht der FC Augsburg auf dem achten Tabellenplatz und wird durch den letzten Spieltag auch nicht mehr von diesem Platz abfallen. Vor der Saison wurde der FC Augsburg von Fussballdeutschland als Abstiegskandidat gehandelt. Entsprechend ist diese Saison der größte sportliche Erfolg der Vereinsgeschichte. Ein wichtiger Teil (und ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten: der wichtigste) dieser tollen Mannschaft war in diesem Jahr eindeutig Daniel Baier und ich warne vor, denn das was nun folgt ist eine Lobhudelei. Baier wird heute sein 100stes Bundesligaspiel für den FC Augsburg absolvieren. Dabei gilt es zu beachten, dass der FC Augsburg nach dieser Saison nur 102 Bundesliga als Verein im Gesamten vorweisen kann. Baier hat daher in den letzten 3 Jahren nur 2 Spiele verpasst und diese auch nur auf Grund von Gelbsperren. In diesem Jahr fehlt im bisher keine einzige Minute. Und dabei hat er durchgehend überzeugende Leistungen abgeliefert. In der Kicker-Tabelle der Mittelfeldspieler liegt er vor dem letzten Spieltag auf Platz 5 hinter Arjen Robben, Marco Reus, Franck Ribery und Toni Kroos. Jogi Löw hat ihn wahrscheinlich vor allem deswegen nicht für Brasilien berücksichtigt, weil er im Mai 30 Jahre alt wird und der Bundestrainer lieber eine Mannschaft für die Zukunft aufbaut, als jetzt zu gewinnen. Sogar in der bundesweiten Fachpresse hat er einige Fürsprecher gefunden. 11Freunde schrieb im Liveticker zur Nominierung der Nationalmannschaft für Brasilien:

12:29 Uhr

Wir legen uns fest: Wenn Daniel Baier nicht für die WM nominiert wird, haben wir den Glauben an den Fußballgott verloren. #bereitfürbaier

Der Fußballgott hatte wohl kurz Pause. An dieser Stelle, wollen wir kurz innehalten, um zu betrachten, was Baiers Spiel in dieser Saison ausgemacht hat. Er ist der Lenker hinter dem Angriff der Augsburger und spielt entweder alleine oder mit einem Partner auf der sog. Sechser-Position. Im ersten Schritt ist er in der Rückwärtsbewegung unnachgiebig und sehr zweikampfstark (58% gewonnene Zweikämpfe). Mit dem Ball am Fuss ist er unfassbar sicher und überzeugt mit einer Passquote von 79%. Er setzt dann die Offensivspieler ein, ob dies nun Werner oder Hahn auf den Außenbahnen oder Altintop bzw. die Stürmer im Zentrum sind. In dieser Saison beispielhaft war wohl der Angriff zum Tor gegen die Bayern, als er dem unerfahrenen Mitchell Weiser den Ball abnimmt und dann selbst die Vorlage für Mölders in die Schnittstelle der Viererkette spielt. Und wenn er so spielt wie dieses Jahr, dann kann man sehr gut darüber hinwegsehen, dass Baier selbst vor dem Tor durch eigene Abschlüsse ungefährlich ist, denn seine Pässe leiteten viele gefährliche Angriffe ein.

In seinem Spiel kommt er dabei fast ohne Fouls aus. Vor dem letzten Spieltag hatte er gerade 31 Fouls gespielt, was im Schnitt nicht mal ein Foul pro Spiel ist. Zudem droht im seit dem 28. Spieltag die fünfte gelbe Karte, die er allerdings nie gesehen hat. Baier weiß daher sehr genau, mit welchem Körpereinsatz er die einzelnen Situationen anzugehen hat und spielt entsprechend intelligent.

Insgesamt ist er als Persönlichkeit sicher auch ein Grund dafür, dass in Augsburg das Mannschaftsklima so gut ist. Als Leistungsträger geht er vor allem auf dem Platz immer voran, fällt aber abseits des Rasens nie durch laute Worte oder vorlaute Statements auf. Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen weißt er darauf hin, dass er selbst nicht den Vergleich mit Spielern scheut, die nicht beim FC Bayern München spielen. Seine Statistiken und sein Einfluß auf das Spiel in Augsburg und die Ergebnisse in dieser Saison bestätigen das eindrucksvoll. Man würde sich wünschen, dass andere Personen mehr für ihn Werbung gemacht hätten. In der Ukraine war er 2012 als Fan in der Kurve und hat mit Bastian Schweinsteiger das Trikot getauscht und es wäre doch wunderbar, wenn Deutschland auch von einem solchen Sympathieträger auf dem Platz vertreten würde. Daniel Baier hätte es sich durch seine Leistungen wohl verdient. Aber für Daniel Baier geht auch so die Welt nicht unter. Das zweite Kind ist im Anmarsch und der Geburtstag steht im Urlaub vor der Tür. Dazu wird er seinen Bruder, der für die Darmstädter Lilien spielt, in der Zweitligarelegation anfeuern. In diesen Tagen hat Daniel Baier der Augsburger Allgemeinen eines seiner seltenen Interviews gegeben und darin angedeutet, dass er sich vorstellen kann, seine Karriere in Augsburg zu beenden. Mich würde das freuen. Und danach lieber Daniel gibst Du bitte in Augsburg an Jugendspieler genau das weiter, was dich diese Saison so stark gemacht hat. Danke für die überragende Saison und auf eine lange gemeinsame Zukunft!

 

Flag Football Nationalmannschaften 2014 revisited

Am 05. Januar 2014 habe ich hier über die Situation der Flag Football Nationalmannschaften in Deutschland geschrieben. Daraufhin habe ich einige Reaktionen erhalten. Grundsätzlich haben mich die Reaktionen in meinen Gedanken besätigt. Über einige Kommentare habe ich mich dabei besonders gefreut bzw. haben mich noch im Nachhinein zum weiteren Nachdenken angeregt. Die Coaches der Frauen Flag Football Nationalmannschaft haben sich unabhängig voneinander bei mir gemeldet, um mir ihren Ansatz zu erklären. Danke dafür! Auf die Erläuterungen will ich nicht näher eingehen, aber wer Fragen zur Arbeit der Frauen Flag Football Nationalmannschaft hat, kann sich bei Chris Kämpfe und Max Groß selbst melden und bekommt dort ausführliche Antworten. Ich habe mich vor Ort beim Try Out in Kelkheim zumindest einen halben Tag lang von ihrer Arbeitsweise überzeugt.

Aus der Reaktion eines guten Freunds von mir ging hervor, dass der Beitrag vom 05. Januar keine Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass er damit zumindest teilweise Recht hat. Nachdem mittlerweile über ein Monat vergangen ist, will ich nun die Gelegenheit nutzen drei konstruktive Verbesserungsvorschläge in den Raum zu werfen, die evtl. dazu dienen können die Arbeit in diesem Zusammenhang zu verbessern. Mal schauen, was daraus wird.

Verpflichtung zur Transparenz

Bei den Flag Football Nationalmannschaften handelt es sich um offizielle Verbandsmannschaften. Als Sportler kann ich mir keine größere Ehre vorstellen, als für mein Land anzutreten. Ich glaube aber auch, dass eine solche Aufgabe insgesamt mit Verpflichtungen verbunden ist. An Hand der Kommentare zu meinem Blogbeitrag lässt sich erkennen, dass die Anzahl der Leute, die Interesse am Geschehen betreffend der Nationalmannschaften haben gar nicht so gering ist. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Mitglieder von Vereinen, die im AFVD organisiert sind. Dem steht gegenüber, dass der AFVD kaum Öffentlichkeitsarbeit bzgl. der Nationalmannschaften betreibt. Ja, es gibt diese Website, aber dort sind in 2013 gerade einmal 11 Beiträge veröffentlicht worden (und dabei gilt eine Try-Out Ankündigung als ein einzelner Beitrag). Auf der AFVD-Seite www.flagfootball.de sieht das Ganze nicht besser aus. Nachdem die Websites insgesamt zur Verfügung stehen, kommt die Frage auf, warum diese nicht mehr genutzt werden. Viele Fragen ließen sich durch eine offenere Kommunikation beantworten und eine bessere Nutzung der vorhandenen Kommunikationswege könnte zudem dazu führen, dass die Nationalmannschaften einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Jeder Coach einer Verbandsmanschaft sollte dazu bereit sein, den Interessierten seine Vorgehensweise und Arbeit zu erklären und evtl. seine Resultate auch zu verteidigen. Aber ich als Fan würde mich ja schon riesig über ein paar Highlightvideos freuen. Hier sollte sich der Verband nachhaltiger engagieren, denn Flag Football bildet mittlerweile in vielen Vereinen einen integralen Bestandteil.

Zeitplanung

Nach Betrachtung des Zeitplans des letzten Jahres wird (für mich) schnell klar, warum bei den Männern die sportlichen Ergebnisse unbefriedigend waren. Erst im April des letzten Jahres wurden die Trainer der Herren-Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit in ihrem Amt bestätigt. Für die Herrenmannschaft fand dann am letzten Juni-Wochenende ein Try Out statt. Vor der EM waren dann nur insgesamt drei Trainingslagerwochenenden angesetzt. Nun mag einer schnell googlen und dann sagen, dass die Österreicher oder Dänen eventuell auch nur drei Camps vor dem EM abgehalten haben (ich weiß es nicht und habe mir auch nicht die Mühe gemacht), aber dieser Vergleich würde nicht funktionieren. In anderen Ländern wird in einem bestehenden Liga-System Flag Football auf hohem Niveau gespielt. In Deutschland gab es Nationalspieler, die außerhalb von Try-Out und Trainingslagern vielleicht noch ein weiteres Mal Flag Football in diesem Jahr gespielt hatten. Es ist doch klar, dass diese Spieler deutlich mehr Training benötigen, um auf dem gleichen Niveau wie andere Mannschaften spielen zu können, die evtl. einen funktionierenden Liga-Betrieb nutzen können oder in der bestehenden Formation seit Jahren zusammen spielen. Wie ein hohes Niveau erreicht werden soll, wenn ich meine Saison künstlich auf die Zeit zwischen Juli und September verkürze ist mir schleierhaft.

Bei den Damen ergab sich im letzten Jahr ein deutlich besseres Bild. Hier wurde schon im März mit der Spielersuche begonnen und die Trainingstermine verteilten sich viel besser über das Jahr. Allerdings könnte man auch hier darüber nachdenken das Jahr noch besser zu nutzen. Ich könnte mir vorstellen, dass man Try-Outs schon im Herbst nach den internationalen Turnieren abhält. Auch schon aktive Nationalspieler kann man hier nochmal zum Leistungstest bitten. Im Februar kann dann direkt mit den ersten Trainingslagern durchgestartet werden. In diesem Fall könnte auch die Arbeit der Spieler und Spielerinnen im Winter besser beurteilt werden. Deutschland ist ein großflächiges Land und bei internationalen Turnieren messen wir uns mit Ländern wie Israel, die durch die Größe ihres Landes die Möglichkeit haben, einmal in der Woche zusammen zu trainieren. Hier besteht die absolute Notwendigkeit das Jahr in seiner Gesamtheit auszunutzen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Spielerauswahl

Ein Knackpunkt, der immer wieder aufkommt, ist die Spieler(innen)-Auswahl. Die Flag Football Nationalmannschaften sind Auswahlmannschaften, was es den Trainern erlaubt, sich die besten Spieler(innen) auszusuchen, die bereit sind für Deutschland zu spielen. Aber an Hand welcher Kriterien wähle ich Spieler nun aus? Als Trainer in diesem Bereich würde ich erwarten, dass die Nationalmannschaft eine gewisse Priorität genießt. Weiterhin würde ich erwarten, dass die Spieler(innen) in gewissem Maße regelmäßig Flag Football spielen. Folgende Kriterien könnte ich mir daher hier vorstellen:

  • Teilnahme an mind. 5 Flag Football Turniertagen in den 12 Monaten vor dem internationalen Turnier
  • Teilnahme an 80% der Trainingslager (wie schon vorher angedeutet, sollte es hiervon im Jahresverlauf mehr geben)

Darüber hinaus könnten sich die Coaches dann in einem zweiten Schritt die Spieler aussuchen, die ihren sportlichen Vorstellungen am ehesten entsprechen.

Ich hoffe mit meinen Anmerkungen evtl. den ein oder anderen Denkanstoß gegeben zu haben und bin gespannt was das Jahr 2014 weiterhin für die Nationalmannschaften bringen wird. Bei den Damen ging es ja schon vielversprechend los. Aber was ist bei den Herren? Wir werden es wohl alle im Laufe des Jahres herausfinden.