Sportbuch 12/2017: Der dreckige Rest

Das Jahr ist gerade zu Ende gegangen, wenn ihr diesen Post lest. Ich sitze hier am 31.12.2017 und schreibe meinen letzten Sportbuch-Beitrag. 2 Jahre lang habe ich je 12 Sportbücher vorgestellt. Es war einerseits Motivation für mich, mehr zu lesen. Andererseits suche ich selbst immer nach Anregungen und hoffte, dem ein oder anderen eine Hilfe gewesen zu sein. Zum neuen Jahr geht es mit dem Sportbuch hier allerdings zu Ende. Der Blog bekommt ein neues Gesicht und eine neue thematische Ausrichtung und da passen die Buchvorstellungen in dieser Form nicht mehr. Alles neue bedeutet für etwas altes ein Ende. Und so stand ich gerade vor dem Stapel gelesener Sportbücher und wollte mir ein letztes für den Dezember heraussuchen, das ich euch vorstelle. Scheiß drauf, habe ich mir dann gedacht: Ich zeige Sie euch einfach alle. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen eine schöne Anregung dabei.  

 

Pascal Claude – Knapp daneben

Ich habe die zweite Kolumnensammlung von Pascal Claude schon viel früher vorgestellt. Dies ist der erste Band. Meine Meinung zu Pascal Claude ist unverändert. Er ist einer derjenigen, der sich scharfsinnig mit dem Fußball und der Fußballkultur auseinandersetzt. Wo das Wort Fußballkultur von vielen im Marketing missbraucht wird, kann man von Pascal Claude lernen, worum es wirklich geht. Auch für den ersten Band gibt es eine klare Leseempfehlung, denn das Werk altert sehr gut und ist immer noch aktuell. 

Philipp Lahm – Der feine Unterschied

Ich habe das Buch vor Jahren gebraucht an einem Stand vor der Buchmesse in Frankfurt gekauft. Es enthüllt den Menschen Philipp Lahm in seiner ganzen Angepasstheit. Philipp Lahm ist ein Arbeitnehmer, wie in sich viele Unternehmen wünschen. Meine Ansprüche an einen Kapitän sind andere. Manchmal muss man dem Teufel ins Auge blicken. Wer dafür nicht bereit ist, sollte einen Umweg um dieses Buch machen.

Geoff Hurst – 1966 and all that

 Ich habe mich immer noch zu wenig mit englischem Fußball beschäftigt. Die Autobiografie von Geoff Hurst ist eines der wenigen Bücher, die ich über englische Fußballer gelesen habe. Derweil ist Geoff Hurst einer der ganz Großen in der englischen Fußballgeschichte. Er war es, der Deutschland 1966 im Finale der WM alleine versenkt hat. Die Biografie weiß mit Details zu begeistern und man bekommt einen spannenden Einblick in die Karriere von Geoff Hurst weit über die WM hinaus. Eine klare Empfehlung von mir. 

Michael Pöppl – Der springende Punkt ist der Ball

 Das Buch habe ich an einem Grabbeltisch abgegriffen. Mei, es hatte mit Fußball zu tun und ich konnte nicht vorbeigehen. Das Vorwort ist von Falko Götz. Wer erinnert sich an den noch? Aber dennoch hat Michael Pöppl mit seinem Buch eine sehr lesbare Darstellung der deutschen Fußballhistorie abgeliefert, dich ich Einsteigern in die Marterie sofort empfehlen würde. Mit den Details kann man sich dann ja danach mit weiteren Büchern immer noch beschäftigen. 

Hundt, März u.a. – Superstars der NFL 

Eigentlich lese ich über die NFL meist englischsprachige Bücher aus den USA. Nun hatte ich mir vor Jahren von meiner Frau zu Weihnachten ein Footballbuch gewünscht, ohne dies näher zu spezifizieren und dieses bekommen. Die Autoren haben mit viel Detailliebe die Biografien ihrer Lieblingsspieler aufgeschrieben. 10 Stück sind es an der Zahl und die Auswahl ist irgendwie beliebig. Ein Spieler wie Lawrence Taylor fehlt zum Beispiel, wohingegen es Brian Urlacher oder Art Monk in das Buch geschafft haben. Darüber hinaus gehen die kurzen Abrisse natürlich nicht allzu sehr ins Detail. So für zwischendurch kann man das Buch trotzdem lesen. Ich würde allerdings andere Bücher zum Einstieg und auch zur Vertiefung empfehlen. 

Eamon Dunphy – Only a Game? 

Dieses Buch wurde in seiner Erstfassung im Jahre 1976 veröffentlicht. Es beschreibt v.a. Zweitligafußball in England in den 70er Jahren. Dunphy hat zu dieser Zeit selbst gespielt und seine Erfahrungen aufgeschrieben. Wer eine Zeitreise unternehmen und sich gedanklich in diese Welt entführen lassen will, dem mag ich dieses Buch gerne ans Herz legen. Es gibt viel von dem wieder, was den Fußball auch heute noch ausmacht. Und ja, es sind die einfachen Dinge. 

Und auf einmal waren es fünf

Die NFL befindet sich momentan in der Offseason und es ist doch noch einige Zeit bis die neue Saison wieder startet. Ein guter Zeitpunkt kurz nach dem Draft, um zu schauen, wie es den deutschen Spielern in der NFL ergangen ist, wie die Situation bei ihren jeweiligen Teams aussieht und welche Chancen sich bieten:

Sebastian Vollmer (30 Jahre, RT, #76 New England Patriots): Der Superbowl-Champ

Sebastian Vollmer ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit den Patriots hat er in der letzten Saison den Superbowl gewonnen. Als Right Tackle war er eine wichtige Komponente der Patriots-Offense um Tom Brady und hat knapp 89 Prozent der Offensive Snaps seines Teams gespielt. Das wird sich auch in der nächsten Saison nicht ändern. Vollmer hat noch zwei Jahre Vertrag bei den Patriots bevor er wieder Free Agent wird und wahrscheinlich auch langsam ans Karriereende denkt. Die Patriots werden auch in der folgenden Saison wieder eines der Top-Teams in der AFC sein. Es spricht also nichts gegen eine weitere Top-Saison von Vollmer im Herbst seiner Karriere.

Markus Kuhn (28 Jahre, DT, #78 New York Giants): Bereit für eine größere Rolle in 2015?

Nach einem verletzungsgeplagten Jahr in der Vorsaison hat Markus Kuhn in 2014 persönliche Karrierebestwerte in jeder statistischen Kategorie aufgestellt. Neben seinem ersten Sack durfte er auch einen Fumble-Return-TD feiern, den ersten TD eines deutschen Spielers in der NFL. Daneben stehen 19 Tackles in 14 Spielen auf der Habenseite. Insgesamt hat Markus Kuhn 23,5% der Defensive Snaps der Giants gespielt und war damit Ergänzungsspieler. Im 4-3 Defensive Scheme der Giants ist allerdings für die neue Saison nur Linval Joseph als Starter gesetzt. Mike Patterson hat bisher keinen neuen Vertrag unterschrieben und auch Cullen Jenkins ist altersbedingt auf dem absteigenden Ast. Es wurde spekuliert, dass die Giants im Draft recht früh einen DT wählen würden, aber dem war nicht so und  Markus Kuhnbieten sich somit im nächsten Jahr viele Einsatzchancen. Es ist zudem Kuhns letztes Jahr seines Rookie 4-Jahres-Vetrags und er wird nach der Saison Free Agent. Ein entscheidendes Jahr für Kuhn, in dem er zeigen muss, dass er auch nach 2015 in die NFL gehört.

Björn Werner (24 Jahre, OLB, #92 Indianapolis Colts):  Kann er die Erwartungen im dritten Jahr erfüllen?

Die Erwartungen an Björn Werner waren  hoch. Er wurde in 2013 in der ersten Runde gedraftet, um für die Colts vor allem als Pass Rusher für zusätzlichen Druck auf den gegnerischen Quarterback zu sorgen. Vor der letzten Saison riss sich Robert Mathis die Achillissehne und Werner wurde noch mehr in die Pflicht genommen. Insgesamt spielte er in seinem zweiten Jahr über 75% der Defensive Snaps seines Teams und war Stammspieler. Trotzdem schaffte er in diesem Jahr nur 4 Sacks und enttäuschte die Erwartungen. Angeblich wurde er durch Knie- und Schulterverletzungen am Ende der Saison geschwächt. Seine 50 Tackles und seine Run-Defense waren zwar solide, werden seinem hohen Draftpick aber nicht gerecht. So steht Björn Werner vor der Saison 2015 am Scheideweg: Wird er sich noch zu einem guten NFL Pass Rusher entwickeln oder ist er nur ein solider OLB gegen den Run? In seinem jungen Alter braucht er evtl. einfach ein bisschen länger, um sein Potential abzurufen. Vielleicht wird er aber auch noch zum Trade Chip in der Offseason. Wenn er in 2015 wieder enttäuscht, gehe ich davon aus, dass die Colts versuchen werden ihn in der nächsten Offseason zu traden, um so zumindest noch einen geringen Gegenwert für ihn zu erhalten. Bei einem guten Angebot ist er aber vielleicht auch schon in dieser Offseason auf dem Weg zu einem anderen Team.

Kasim Edebali (25 Jahre, OLB, #91 New Orleans Saints): Bereit für den Durchbruch in 2015?

Undrafted und doch in der NFL gelandet. Kasim Edebali war die positive deutsche Überraschung in der letzten Saison. Es war klar, dass er eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchen würde, aber seine Statistiken belegen den guten Eindruck der ersten Saison. In nur knapp 17% der Defensive Snaps der Saints erreichte er 23 Tackles, 2 Sacks und einen Forced Fumble. Rob Ryan scheint einen effektiven Weg gefunden zu haben, um Edebali einzusetzen. Die Saints sind ein Team im Umbruch und werden in 2015 vermehrt auf junge Talente setzen. Dadurch bietet sich die Chance für Kasim Edebali zu deutlich mehr Einsatzzeit zu kommen. Wenn er dann genauso effektiv bleibt wie im letzten Jahr, kann er in 2015 einen großen Sprung machen. Der deutsche Sackmaster in der NFL in 2015? Ich würde auf Kasim Edebali tippen!

Mark Nzeocha (25 Jahre, OLB, #49 Dallas Cowboys): Die Überraschung in Runde 7

Bis zum letzten Tag des diesjährigen Drafts musste er warten, bevor die Dallas Cowboys ihn mit dem 236. Pick in der letzten Runde auswählten. Nach einem Kreuzbandriss konnte er bei der Combine nicht zeigen, wie athletisch er ist, verblüffte dann aber bei Wyomings Pro Day mit eindrucksvollen Zahlen. Trotzdem wird es für Mark Nzeocha schwer, den Sprung in den 53er Kader der Dallas Cowboys für die Saison zu schaffen. Die Cowboys haben schon viele gute Linebacker im Kader und so wird es für Mark Nzeocha wohl zuerst darum gehen, sich in den Special Teams festzubeißen, um später vielleicht als Dime Linebacker eine Chance zu bekommen. Über seinen ersten Einsatz in der NFL würde ich mich wirklich freuen, auch wenn es für die Cowboys ist.

Wie geht’s den deutschen Jungs in der NFL?

Mehr als drei Viertel der NFL-Saison sind gespielt und es ist Zeit mal wieder zu schauen, wie sich unsere vier deutschen Jungs so machen. Das Gute zuerst: Alle vier sind gesund und recht aktiv. Hier die Details für alle vier:

Sebastian Vollmer (30 Jahre, RT, #76 New England Patriots): Die Konstante der Offensive Line der Patriots

Sebastian Vollmer spielt immer noch bei einem der besten Teams der NFL. Nach einer Verletzung in der Vorsaisn ist er erneut eine wichtige Stütze der Offensive Line der Pats auf der Position des Right Tackle. Einen Positionswechsel, über den in der Preseason spekuliert wurde, gab es für ihn nicht.  In den ersten 11 Spielen hat er über 90 Prozent der Snaps der Offense für sein Team gespielt und war dabei auch von der Leistung die Konstante der Offensive Line in New England, die zu Beginn der Saison nach der richtigen Formation suchte. Nun ist die richtige Formation wohl vorest gefunden und die Patriots haben insgesamt Fahrt aufgenommen. Vollmers Weg wird dieses Jahr wieder in die Playoffs führen und die Pats sind ein Super Bowl Kandidat. Wird mit Vollmer dieses Jahr ein Deutscher die Lombardi Trophy in die Höhe stemmen?

Markus Kuhn (28 Jahre, DT, #78 New York Giants): Back-Up DT in der Rotation der Giants

Persönlicher Erfolg ist relativ, aber Markus Kuhn spielt gerade seine bisher erfolgreichste NFL-Saison. Nach einer Verletzung in der Preseason ist er wieder fit geworden und hat sich in die Backup-Rotation der Defensive Line der New York Giants eingefügt. Er hat mittlerweile 13 Tackles (soviele wie bisher noch nie in einer Saison) und war schon in 11 Spielen aktiv. Dabei hat er über 20% der Defense Snaps der Giants gespielt. Letzte Woche gelang ihm dabei ein wahres Highlight: der erste Touchdown eines deutschen Spielers in der NFL. Nach einem Fumble von Zack Mettenberger nahm er den Ball auf und trug ihn in die gegnerische Endzone.

Nachdem sowohl Jenkins als auch Patterson schon recht alt sind, scheint nur Hankins als DT für die Zukunft bei den Giants gesetzt. Kuhns Vertrag endet nach dieser Saison und ich bin gespannt, ob und wie seine NFL-Zukunft aussieht.

Björn Werner (24 Jahre, OLB, #92 Indianapolis Colts):  Inkonsistent im zweiten Jahr

Vor der Saison sah es so aus, als ob Björn Werner durch die Suspendierung von Robert Mathis für vier Spiele im Fokus stehen sollte. Dann riss Robert Mathis die Achillissehne. So steht Björn Werner nun die gesamte Saison im Scheinwerferlicht und muss zeigen, dass er den First Round Pick wert ist, denn die Colts für ihn investiert haben. Auch er wird diese Saison seine statistischen Werte aus seiner Rookiesaison alle übertreffen. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob er seinen Groove gefunden hätte. Allerdings hat er seine Form wohl nun wieder verloren und ist als Pass Rusher kaum mehr eine Gefahr. Nur als Run Defender zeigt er konsistente Leistungen. Ich bin gespannt, wie sich seine Leistungen weiterhin entwickeln und wo der Weg der jungen Colts Truppe hinführt.

Kasim Edebali (25 Jahre, OLB, #91 New Orleans Saints): Wenig Spielzeit, aber bleibender Eindruck

Es war eine Überraschung, dass Edebali es in den finalen Roster der Saints schaffte. In der NFL zeigt er nun gute Leistungen und nutzt seine Backup-Snaps intensiv. Bisher spielt er knapp über 15% der Defensive Snaps der Saints und hat schon 17 Tackles, 2 Sacks und einen Forced Fumble gesammelt. Für einen Spieler, der vor der Saison als ein Projekt angesehen wurde und sein Potential noch nicht voll ausschöpft, sind diese Leistungen vielversprechend. Ich bin gespannt, was die Saison für die Saints und Edebali noch bereithält, aber eine Leistungssprung im nächsten Jahr nach einer weiteren Offseason in der NFL scheint nicht unrealistisch.

Frank Buschmann und der Super Bowl

Mit Frank Buschmann bin ich schon in meiner Jugend in Kontakt gekommen, als ich heimlich nachts NBA-Spiele geschaut habe und Buschmann damals der Kommentator beim DSF war. Die Begeisterung von Buschmann für den Sport hat mir schon immer gefallen. Buschmann ist sportverrückt und auf Umwegen dazu gekommen in den letzten Jahren auch den Superbowl bei Sat1 zu kommentieren. In seinem Buch „Am Ende kackt die Ente“ berichtet er über die Erfahrung und ich habe das Buch mit Spannung gelesen. Viele Football Fans werden es nie schaffen, beim wichtigsten Spiel des Jahres dabei zu sein und entsprechend will ich euch kurz an Buschmanns Erfahrungen teilhaben lassen.

Buschmann ist ein sehr emotionaler Kommentator und hat sowohl langjährige Erfahrung mit Basketball- als auch Fußballübertragungen. Eigentlich mag ich gerne, wenn er kommentiert, aber von American Football hat er nicht sehr viel Ahnung. Anstatt vom Sport zu berichten, schreibt er dann in seinem Buch hauptsächlich darüber, dass das Hotel in Indianapolis weit außerhalb der Stadt lag und sein Co-Kommentator Probleme mit dem FBI hatte. Fehlt nur noch, dass er jeden einzelnen Rekord nennt, den der Superbowl jedes Jahr bricht. Man hätte doch zum Beispiel anführen können, dass auf kein Sportereignis soviel gewettet wird, wie auf den Superbowl. Die Quoten für den nächsten Superbowl könnt ihr auf der Seite http://www2.williamhill.com/at/sportwetten finden.

Zu seiner Art den Superbowl zu kommentieren, meint er dann auch:

„Und da muss man die Mischung finden, auf die Freaks im Zweifel verzichten.“

Freak ist man wahrscheinlich dann, wenn man die Regeln des Spiels kennt. Na danke. Trotzdem wollte er das Spiel ähnlich den Amerikanern kommentieren. In Deutschland hagelte es von den Freaks entsprechend deutliche Kritik. Nach dem Spiel schaute er sich daher die Aufzeichnung erneut an und verglich seine Kommentierung von wichtigen Spielszenen mit der Beschreibung aus der Zeitschrift USA Today, weil er den Verriss aus deutschen Football-Fachkreisen nicht nachvollziehen konnte. Auch danach glaubte er, nicht viel falsch gemacht zu haben. Alleine die Einschätzung, dass beim Football nur Szenen wichtig sind, die direkt zu Punkten führen, zeigt in seinem Buch das mangelnde Verständnis des Spiels. Football ist ein Sport bei dem es auch viel um Feldposition geht. Entsprechend kann ein Spielzug Auswirkungen haben, die sich erst viel später zeigen. Aber wir Freaks wissen das ja und den Rest interessiert das eh nicht, oder? Sein Urteil nach erneuter Manöverkritik war dann recht eindeutig:

„Also, so schlecht kann es nicht gewesen sein, was wir über den Äther rausgehauen hatten… Ich nahm mir vor, fürs nächste Jahr einiges zu ändern.“

Was er ändern will, wird leider im Buch nicht spezifiziert. Durch den Stromausfall im nächsten Jahr führten äußere Umstände zu einem sehr speziellen Superbowl. Entsprechend lobt Buschmann die Leistung des Teams von Sat1 und die Jungs haben für die Kommentierung eines Stromausfalls eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis 2013 eingeheimst. Die Kommentierung der sportlichen Leistung tratt in den Hintergrund und wird im Buch entsprechend vernachlässigt. Aber eigentlich gibt es nur eine Erklärung: Frank Buschmann war für den Stromausfall in New Orleans verantwortlich. Sat1 war super vorbereitet und nutzte die Gunst der Stunde „nichts“ zu kommentieren. Mit dem Sport und den Regeln, die sowieso keiner kennt, musste man sich dann nicht mehr auseinandersetzen.

So wird es wahrscheinlich nicht gewesen sein und Buschmann wird weiter eine polarisierende Figur bleiben. Das Kapitel seines Buchs zum Superbowl ist leider schwach geraten, denn Buschmann verteidigt hier hauptsächlich die Leistung der Sat1 Crew anstatt wirklich interessante Anekdoten zu erzählen oder von der Begnung mit Sportlern zu berichten. Dabei haben wir ja Jungs in der NFL, die man an der Stelle mal erwähnen hätte können. Der Rest des Buchs ist im Gegensatz dazu mit mehr Spaß verbunden. Wer nun (doch recht unterhaltsame) Geschichten aus dem Leben eines Sportkommentators lesen will, der sollte mal einen Blick in das Buch werfen. Das Buch wird hier im Blog demnächst nochmal Thema sein, wenn ich euch eine weitere interessante Passage vorstellen werde, die sich mit Fußballbundesligaübertragungen beschäftigt.

Sensationell: Vier Deutsche in der NFL

Heute geht’s endlich wieder los: Die neue NFL-Saison steht in den Startlöchern. Schon zu Beginn der Preseason habe ich mich mit den Deutschen in der NFL beschäftigt. Alle Teams haben mittlerweile ihren 53er Kader für die Regular Season benannt und sensationllerweise haben es alle vier Deutschen, die zum Zeitpunkt meines letzten Artikels in einem Training Camp aktiv waren, in den Kader des entsprechenden Teams geschafft. Damit ihr wisst, bei welchen Teams ihr genauer hinsehen solltet, hier ein paar kurze Aussagen zu den einzelnen Spielern:

Sebastian Vollmer (30 Jahre, RT, #76 New England Patriots): Positionswechsel für den Routinier?

Sebastian Vollmer scheint wieder gesund zu sein und wurde in der Preseason langsam an das Team herangeführt. In den letzten Jahren wurde er vorwiegend als Right Tackle eingesetzt. Eigentlich sollte man vermuten, dass dies auch in diesem Jahr wieder seine Position sein würde. Nun haben die Patriots vor kurzem mit Logan Mankins ihren Pro Bowl Left Guard getradet und es wird spekuliert, wie die entstandene Lücke geschlossen werden kann. Dabei versucht Bill Belichick wohl seine fünf besten Offensive Lineman aufs Feld zu stellen, was für Vollmer zu einem Positionswechsel führen könnte. Es wird spekuliert (u.a. hier und hier), dass er die großen Schuhe von Logan Mankins füllen und auf Left Guard wechseln soll. Ich bin gespannt, wie das Ganze sich in der Anfangsphase der Saison entwickeln wird. Was Vollmer selbst dazu sagt, findet ihr hier.

Markus Kuhn (28 Jahre, DT, #78 New York Giants): Von der Jugend etwas zurückgedrängt

Zu Anfang des Trainingcamps schien Kuhn wieder komplett fit zu sein und wurde von den Giants Coaches auf des öfteren gelobt. Die Giants haben auf seiner Position mit Linval Joseph während der Free Agency in der Offseason einen Starter verloren. Hierdurch wurden die Karten auf seiner Position neu gemischt. Allerdings hatte er dann während der Preseason mit einer kleineren Ellenbogen- und einer Knöchelverletzung zu kämpfen. Den vakanten Starterposten sicherte sich wohl vorerst Jonathan Hankins und auch der diesjährige Drittrunden-Pick Jay Bromley hinterließ bei den Coaches einen positiven Eindruck und überholte Markus auf dem Depth Chart. Somit musste Markus am Ende um seinen Platz im 53ers Roster der Giants bangen. Er sicherte sich diesen auch durch gutes Special Teams Play. Die Aussichten auf viel Splelzeit nun zu Beginn der Saison sind allerdings getrübt. Dies kann sich im Football durch Verletzungen ja aber schnell ändern.

Björn Werner (23 Jahre, OLB, #92 Indianapolis Colts): Vier Spiele im Fokus

Nach einer eher enttäuschenden Rookiesaison hat Björn Werner zu Beginn des neuen Jahrs alle Möglichkeiten, um zu zeigen, was in ihm steckt. Der Star Outside Linebacker der Colts, Robert Mathis, ist für die ersten vier Spiele wegen eines Dopingvergehens gesperrt. Mathis ist der beste Passrusher der Colts. Die Hoffnung ist nun, dass Werner zeigen kann, warum die Colts ihn in der ersten Runde des letztjährigen Drafts ausgewählt haben. Er soll seine Pass Rush Fähigkeiten während den ersten vier Spielen an Stelle von Mathis unter Beweis stellen. Es bestehen allerdings immer noch Zweifel, ob er als Outside Linebacker ein guter Fit ist und auch die Leistungen der letzten Saison un dieser Preseason geben keinen eindeutigen Aufschluss. Ich freue mich angespannt auf die ersten Spiele der neuen Saison, um Werner hoffentlich im Rampenlicht zu sehen und würde mich freuen, wenn er den gegnerischen Quarterbacks gehörige Kopfschmerzen bereitet.

Kasim Edebali (24 Jahre, OLB, #91 New Orleans Saints): Surprise, Surprise

Während der Preseason habe ich regelmäßig die Projected Rosters von Analysten für die Teams der deutschen Spieler beobachtet. Kasim Edebali war dort bei den Saints sehr lange nicht zu finden. Obwohl die Saints unter Sean Payton eine positive Historie mit Undrafted Free Agents haben (u.a. Pierre Thomas ist ein solcher), ist es doch sehr schwer durch das fehlende Investment des Clubs bis unter die letzten 53 zu kommen. Ca. zwei Wochen vor Ende der Preseason hat Kasim sich dann einen Starterplatz in einem der Special Teams erkämpft. Im letzten Preseason-Spiel bekam er viel Einsatzzeit sowohl in der Defense als auch in allen Special Teams. Schlussendlich hat er es sensationell in den 53er Kader geschafft. Ich bin gespannt, wie er sich nun während den nächsten Monaten entwickelt. Sollte er wirklich Einsatzzeit in der Regular Season bekommen, wäre das toll und ein weiterer Lichtblick für den deutschen Football. Ich drücke die Daumen! Aber schon alleine, dass er es in den 53-Kader geschafft hat, ist eine tolle Überraschung.

Zum Abschluss will ich euch ein tolles Bild nicht vorenthalten, dass Kasim Edebali während der Preseason gepostet hat, als er gegen die Colts mit Björn Werner spielte. Darauf ist er zusammen mit Werner zu sehen. Zwei Deutsche auf einem NFL-Feld: Immer noch ein seltener, aber doch sehr erfreulicher Moment und das wird diese Saison hoffentlich öfters vorkommen. Ich wünsche allen vieren, dass sie gesund bleiben und mit ihrer Leistung überzeugen können.