In the Heart of Football: East Rutherford

Unser letzter Stop auf einer außergewöhnlichen Footballreise im letzten September war die Heimstätte der New Yorker Football Teams in East Rutherford, New Jersey. Wir hatten Karten für das begehrteste Spiel der Giants in der letzten Saison ergattert, das Spiel gegen die Denver Broncos. Das Spiel war deswegen so begehrt, weil mit Eli und Payton Manning das bekannteste Brüderpaar der NFL wohl zum letzten Mal in einem Regular Season Game gegeneinander spielte. So früh in der Saison war zudem noch nicht klar, wie stark die einzelnen Mannschaften über die Saison hinweg sein würden und es wurde ein Spiel zweier (sehr) guter Footballmannschaften erwartet.

20130915_155806_TITELFür mich war es insgesamt ein besonderer Tag, nicht nur wegen dem anstehenden Spiel. Die großen Stars der beiden Teams waren eher nebensächlich für mich. Ich hatte mich auf die Giants Spieler gefreut, deren Geschichte mich in den letzten Jahren bewegt hat. Einer dieser Spieler ist Special Teams Ass Mark Herzlich. Während seiner Zeit am Boston College wurde bei dem Linebacker eine seltene Art von Knochenkrebs diagnostiziert. Er kämpfte ums Überleben und schaffte es sogar zurück aufs Footballfeld. Während des Drafts wollte ihn kein Team haben, da er athletisch nicht wieder seine alte Form erreicht hatte. Kurz nach dem Draft boten ihm die Giants, deren Head Coach Tom Coughlin früher Cheftrainer am Boston College war, einen Vertrag und eine Chance an. Diese nutzte Mark und gewann direkt in seiner ersten Saison mit den Giants den Super Bowl. Mark Herzlich hat nun drei Jahre in der NFL gespielt. Solche Spieler wie ihn auf dem Feld zu sehen war das Highlight meines Tages. Seine bewegende Geschichte könnt ihr euch hier nochmal von ihm selbst erzählen lassen:

httpv://www.youtube.com/watch?v=gok1j_-1-W8

Insgesamt ging das Spiel für die Giants nicht wie gewünscht aus, denn Peyton besiegte Eli und die Giants ein weiteres Mal. Aber an diesem Tag zählten für mich die einzelnen Geschichten mehr als das Spiel selbst. Und die Eindrücke waren toll.

Die deutschen NFL-Spieler vor der Preseason 2014

So langsam geht es wieder los und Anfang August startet die NFL-Preseason. Ungefähr einen Monat später geht dann das wirkliche Spektakel wieder los  und 32 Mannschaften versuchen erneut die Lombardi Trophy zu gewinnen. Dabei mittendrin sind fünf deutsche Spieler, die erneut versuchen Akzente in der NFL zu setzen. Kurz vor Beginn der Preseason lohnt daher ein Blick auf die jeweilige Situation der Jungs bei ihren Clubs, um einzuschätzen, wie hoch denn ihre Einsatzchancen sind. Los gehts:

Sebastian Vollmer (30 Jahre, RT, #76 New England Patriots)

Vollmer wurde 2009 von den New England Patriots in der zweiten Runde gedraftet und hat vor einem  Jahr einen neuen Vertrag unterschrieben. Dieser Vertragsabschluss zeigt, dass sein Team auf Grund seiner konstanten Leistungen langfristig mit ihm plant. Vollmer hatte sich dann in der letzten Saison schwer am Knöchel verletzt, musste operiert werden, meldete sich aber schon im Frühjahrstraining wieder zurück. Sollte er gesund bleiben, wird er auch in 2014 wieder ein konstanter Teil der Offensive Line in New England sein und mit seiner Mannschaft in gewohntem Maß Erfolg haben. Die Patriots sind beruhigt, dass ein Leistungsträger wieder an Bord ist.

Markus Kuhn (28 Jahre, DT, #78 New York Giants)

Markus Kuhn ist bei weitem nicht so etabliert in der NFL wie Sebastian Vollmer. Kuhn steht nun vor seinem dritten Jahr in der Liga. Im ersten Jahr hat er als doch recht spät gedrafteter Spieler (7. Runde) direkt viele Spielanteile erhalten und auch ein Spiel gestartet. 2013 wurde auch er dann durch eine hartnäckige Verletzung zurückgeworfen und kam erst spät in der Saison wieder in Form. Nun haben die Giants auf seiner Position mit Linval Joseph einen hochkarätigen Abgang zu verschmerzen, was aber für Markus Kuhn die Möglichkeit bietet, mehr ins Rampenlicht zu rücken. Ob er das Zeug zum Starter in der NFL hat, wird sich in dieser Saison zeigen.

Björn Werner (23 Jahre, OLB, #92 Indianapolis Colts)

Björn Werner ist von den drei Jungs am kürzesten in der Liga und steht nun kurz vor seiner zweiten Saison. Dabei hat Werner wohl von allen drei Spielern das größte Potential und wurde deshalb von den Colts letztes Jahr schon in der ersten Runde gedraftet. Im College war er einer der besten Defense Spieler seines Jahrgangs. Werner hatte dann allerdings letzte Saison Umstellungsschwierigkeiten, nachdem er im College vor allem als 4-3 Defensive End eingesetzt wurde, die Colts ihn aber zum 3-4 Outside Linebacker mit anderen Aufgaben umschulten. So schien das Spiel in der besten Footballliga der Welt letztes Jahr manchmal noch zu schnell für ihn. Dieses Jahr brauchen die Colts einen Entwicklungssprung von Werner, da ihr bester Spieler auf dieser Position für vier Partien gesperrt wurde. Werner hat nach einem Jahr der Umstellung somit die Möglichkeit zu zeigen, was er wirklich kann.

Kasim Edebali (24 Jahre, OLB, #91 New Orleans Saints)

Noch in der letzten Saison spielte Kasim Edebali College Football für das Boston College und war dort in seinem letzten Jahr Teamcaptain und Leistungsträger. Sowohl von den Coaches als auch den Medien wurde er nach der Saison in die Auswahlteams seiner Conference gewählt. Vor dem Draft in diesem Jahr traute man Kasim Edebali daher zu, dass er zwischen Runde 5 und 7 gewählt würde. Leider musste er auf den entscheidenden Anruf vergeblich warten. Nach dem Draft hatte er dann ein Try Out für die New Orleans Saints und wurde mit einem Undrafted Free Agent Vertrag ausgestattet. Ob es dazu reicht, dass er am Ende im finalen 53er Kader der Saints Kader ist fraglich. Die Analysten von ESPN sind skeptisch, aber die Preseason ist ja noch lang.

Curtis Feigt (24 Jahre, OT, bis vor einer Woche #62 Cincinnati Bengals)

Auch Curtis Feigt kommt frisch vom College und spielte letzte Saison noch für die West Virginia Mountaineers und war dort der Starting Right Tackle. Curtis Feigt ist zwar in Amerika geboren aber in Berlin aufgewachsen und entsprechend taucht nun bei den Cincinatti Bengals Berlin als seine Heimatstadt auf. Er spielte bei den Berlin Thunderbirds Football und wäre nach Björn Werner der zweite Berliner in der NFL. Curtis Feigt wurde auch nicht gedraftet, aber dann von den Bengals eingeladen. Vor einer Woche wurde Feigt von den Bengals gewaivt. Es wird sich zeigen, ob er eine weitere Chance in der NFL bekommt.

Insgesamt scheint die Lage damit für alle deutschen Spieler in der NFL hoffnungsvoll vor der neuen Saison. Einzig die beiden Rookies müssen um ihre Zukunft bangen. Aber in der Preseason werde ich bei den Spielen mit deutscher Beteiligung nun genauer hinschauen und hoffe, dass viele der Spieler sich am Ende in einem NFL-Kader wiederfinden.

In the Heart of Football: Foxboro

Die Free Agency ist ja die Zeit, in der man sich wieder etwas mehr mit der NFL beschäftigt. Der richtige Zeitpunkt für einen weiteren Bericht von unserer USA-Footballreise in 2013. Das vierte Ziel unseres Footballtrips  lag in Foxboro, der Heimstätte der New England Patriots. Am Donnerstag der zweiten NFL-Woche in 2013 trafen hier die Patriots auf die New York Jets und das Gilette Stadion war eine beeindruckende Kulisse für das Spektakel.

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Die zwei Mannschaften sind immer noch Division-Rivalen und spielen zweimal im Jahr gegeneinander, wobei die Partien meist hart umkämpft sind. Das war auch diesmal der Fall. Dabei hat es im Laufe der Partie stark angefangen zu regnen und dadurch hatten beide Mannschaften Probleme den Ball zu bewegen. Bei den Patriots zeigte sich zusätzlich, dass das Receiving Corps zum Vorjahr stark verändert wurde und Rookies wie Aaron Dobson, Kenbrell Thompkins und Josh Boyce noch Zeit brauchen, bevor sie konsistent ihre Leistung abrufen. Für die Jets sorgte Geno Smith mit einigen Rookie-Fehlern für Turnover. Insgesamt ein wahrlich unbeeindruckendes Spektakel.

Dahingegen hat ein Mann schon in Woche 2 gezeigt, wohin die Reise in dieser Saison gehen sollte, nachdem Wes Welker zu den Denver Broncos abgewandert war. 13 seiner 105 Receptions (4. in der NFL über die gesamte Regular Season 2013) fing Julian Edelman in diesem Spiel. Wenn man sich die Receptions genau anschaut, dann ist klar, dass er auf Grund der kurzen Routen viel einstecken muss und trotzdem einige Bälle in höchster Bedrängnis fängt. Diese Eigenschaft in Kombination mit seinen ausgezeichneten Return-Fähigkeiten machen ihn in dieser Offseason sicher zu einem der interessanteren WR-Freeagents, weil sich einige Teams die Frage stellen müssen, ob sie seine Fähigkeiten auch nutzen können. Seine Catches waren in diesem Spiel eines der wenigen Highlights. Die Key Plays hat der Boston Globe in diesem Video erklärt:

httpv://www.youtube.com/watch?v=gQfUVIXFNNQ

Edelman bleibt in der Free Agency bisher noch ohne Vertrag und es bleibt abzuwarten, wohin es ihn verschlägt und ob er eine zweite verletzungsfreie Saison spielen kann. Insgesamt bleibt mir von diesem Spiel in Erinnerung, dass man in Foxboro kein Bier auf der Straße, aber auf jeder Straßenseite drinken darf. Danke, dass dies an Spieltagen auch genau kontrolliert wird im Land der Freiheit. Man könnte fast sagen, die Bier-Challenge wurde dort erfunden, denn man muss gezwungenermaßen exen bevor man die Straße überquert. Danke dafür! Zudem flüchten die Patriots-Fans wohl vor Regen, auch wenn ein Spiel bei weitem noch nicht entschieden ist. Die Reihen auf der Tribüne haben sich durch die paar kümmerlichen Tropfen an diesem Tag arg gelichtet. In Foxboro ist man halt wählerisch, wir waren es an diesem Abend nicht und hätten uns daher über einen Jets-Sieg sehr gefreut. Die Jets gewannen dafür das Rückspiel – immerhin etwas – und auch wir hatten noch zwei weitere Spiele auf die wir uns freuen konnten, nachdem wir wieder trocken waren. Aber vorher noch einige Eindrücke aus dem Gilette Stadium:

In the Heart of Football: Washington

Die dritte Station auf unserer USA-Reise im Herbst  war ein Zwischenstop beim Monday Night Game zwischen den Washington Redskins und den Philadelphia Eagles. Das FedEx Field ist mit seinem Fassungsvermögen  eines der größten Footballstadien in der NFL. Wie bei allen Spielen haben wir uns hier auch wieder die Zeit genommen vor dem Spiel über den Parkplatz zu schlendern und die Tailgater zu beobachten. Danach sind wir schon relativ früh ins Stadion weitergezogen, da wir bei diesem Spiel tolle Plätze im Unterrang hatten und so den Spielern sehr gut beim Warm Up zuschauen konnten. Insgesamt hatten wir einen tollen Herbstabend in diesem traditionsreichem Stadion.

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Aus sportlicher Sicht war das Spiel vor allem spannend, da es das erste Spiel von Chip Kelly als Headcoach der Philadelphia Eagles und damit in der NFL war. Chip Kelly hatte schon als College Head Coach in Oregon ein Offense System installiert, das sich vor allem dadurch auszeichnet, dass der Ball sehr schnell bewegt wird. Es vergeht sehr wenig Zeit zwischen den einzelnen Spielzügen und die Defense des Gegners hat damit kaum eine Möglichkeit Personal zu wechseln oder Anpassungen vorzunehmen. Zudem sind die Formationen teilweise sehr unorthodox und auch das macht es einer Defense schwer zu erkennen, welches Ziel die Offense verfolgt. Auch wenn er in der ersten Partie seiner NFL Karriere noch die Turnover-Maschine Michael Vick dem jungen Nick Foles vorzog, so war eine Grundrichtung schon erkennbar. Die Redskins hatten arg zu kämpfen und waren von Anfang nur wegen glücklicher Umstände überhaupt im Spiel. RG III war noch nicht bereit nach seiner schweren Knieverletzung und Coach Shanahan hätte sich einen Gefallen getan, zumindest in den ersten Wochen der Saison auf den fitten Kirk Cousins zu setzen. Aber der Augenschmauß des Spiels war Chip Kelly’s Offense. Diese hat der Defense der Redskins zeitweise einfach keine Zeit zum Luftholen gegeben. Aber seht in der Zusammenfassung selbst:

httpv://www.youtube.com/watch?v=MyXXJul5UaU

Wer nun neugierig geworden ist, der kann u.a. hier mehr über Chip Kelly’s Uptempo Offense lesen. Das Stadion der Redskins ist auf jeden Fall einen Besucht wert. Auch bei diesem ausverkauften Spiel ist uns ein weiteres Mal bewusst geworden, welchen Stellenwert American Football in den USA hat. Zum Abschluss daher noch einige Eindrücke in und um das Stadion:

 

 

In the Heart of Football: St. Louis

Vor einigen Wochen habe ich vom Besuch eines Spiels der Missouri University berichtet (hier). Natürlich haben wir in den USA auf unserer Footballreise mehr als ein Spiel besucht. Das zweite Spiel der Reise fand auch im Bundesstaat Missouri statt. Es handelte sich um das erste Heimspiel der St. Louis Rams in 2013 gegen die Arizona Cardinals. Und so fanden wir uns an diesem Sonntagnachmittag im September im Edward Jones Dome ein. Wir waren über das Dome-Spiel nicht unglücklich, nachdem wir am Vortag in Columbia bei deutlich über 30 Grad im Stadion ganz schön geschwitzt haben. Aber über die Energie, die es benötigt, um eine Halle wie den Edward Jones Dome um viele Grad zu kühlen, sollte man dann besser nicht nachdenken.

Vor dem Spiel haben wir uns natürlich ordentlich verpflegt und ich kann berichten, dass die Nachos im Edward Jones ihr Geld wirklich wert waren. Die Portion war riesig und man konnte die Toppings nach Wahl selbst auswählen:

100_1285_TITELDas Spiel an sich war dabei sehenswert. Natürlich hakte es bei beiden Teams noch im Ablauf, aber das ist wohl ganz normal in Woche 1 der Saison. Zudem wurde es im Dome viel lauter als am Vortag im offenen Stadion in Columbia. Unglaublich wie viel Lärm die Fans während dem Spiel machten. Jared Cook hatte dabei für die Rams einen sensationellen Tag mit sieben Receptions für 141 Yards und 2 Touchdowns. Jared Cook’s Tag hätte dabei allerdings noch besser sein können, wenn nicht der Honey Badger zum ersten Mal in der NFL aufgetaucht wäre. Tyrann Mathieu hat dabei direkt in seinem ersten Spiel ein Riesen-Ausrufezeichen gesetzt, welch Potential in ihm steckt. Einen solchen Forced Fumble werden wir so schnell nicht mehr sehen. Seht selbst:

httpv://www.youtube.com/watch?v=IXBg0_C2mqk

Die Cardinals werden in Zukunft hoffentlich noch viel Spaß an dem Jungen haben, sobald er wieder fit ist und wenn er auf dem rechten Weg bleibt. Aber speziell die Cardinals werden das Spiel trotzdem wohl in schlechter Erinnerung behalten. Die Rams gewannen mit 27:24 durch ein Walk-Off Fieldgoal von Greg Zuerlein. Dabei hätte Arizona gute Chancen gehabt zumindest in die Overtime zu kommen, denn der Kicker der Cardinals hat ein machbares Fieldgoal versemmelt. Dabei hatte er im Dome beste Bedingungen. An Hand dieses Spiels wird deutlich welche Bedeutung schon die Begegnungen zu Saisonbeginn haben. Auch eine knappe Niederlage in Spiel 1 kann am Ende der Saison dazu führen, dass man die Play-Offs nicht erreicht. Am Ende der Saison hätten die Cardinals dieses Spiel sicher gerne zurück gehabt, denn ein Sieg hier hätte Ihnen am Saisonende viel geholfen und vielleicht den Play-Off-Einzug ermöglicht. Lektionen daraus: 1. Jedes (Special Teams) Play kann spielentscheidend sein. Deshalb jedes Play 100%. 2. Ein Sieg am Anfang der Saison ist genauso viel wert wie ein Sieg am Ende. Wer am Anfang Körner spart, wird es am Ende eventuell bereuen. Deshalb jedes Spiel 100%.