Neue Musik 03/2017: Deutscher Rap lebt

Es ist mal wieder viel los. Viele Dinge passieren. Ich habe viel Musik gehört. Künstler, die mir vorher so noch nicht bekannt waren. Viel deutscher Rap in seinen unterschiedlichen Facetten. Und während mich Sido nachhaltig beschäftigt, den ich nun aber niemandem mehr ausführlich vorstellen muss, gibt es viele Newcomer oder Durchstarter, die hörenswert sind und bei mir die Gehörgänge blockierten. Sido hat wieder einen aufregenden Newcomer am Start. Easy Living ist Estikays Botschaft. Er fokussiert sich auf die positiven Momente im Leben, von denen es bei ihm gerade viele gibt. Wenn ich ihn höre, nehme ich mir selbst vor, mehr das Gute im Leben zu sehen: 

MC Sadri teilt mit Estikay den Einfluss von Samy Deluxe, der bei Estikay im Intro auftaucht. Sadris Album wurde von Samy komplett produziert. Die Musik ist diffuser und die Nachrichten komplexer. Es hat mich trotzdem gefesselt, ich habe es allerdings noch nicht komplett entschlüsselt. Sadri ist eher etwas für die Abende in der Dämmerung. 

Richtig düster, kritisch, ernsthaft und verkopft wird es spätestens bei Disarstar. Frühreif und weise für sein Alter kommt dieser Klugscheißer rüber. Hier hat sich jemand vorgenommen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es ist ihm gelungen. 

Sookee passt auch vieles nicht, sie verpackt es aber mit mehr Humor. Man wippt mit für die Ehe für alle und freut sich, wie intelligent ihre Botschaften sind. Manche Tracks werden dauerhaft bei mir hängen bleiben: 

Beschweren, darf man sich nicht, dass deutscher Hip Hop an Anspruch verloren hätte. Es enstehen wieder viele aufregende Platten. Mal schauen, wo die nächste Überraschung lauert. Jemand Tipps?

Album Review: 50 Cent – Animal Ambition

Bei 50 Cent denke ich zuerst immer an seine großen Hits „Candy Shop“ und „P.I.M.P“. 2003 gelang ihm damit der große Durchbruch, nachdem er von Eminem und Dr. Dre gefördert und produziert wurde. Zuletzt ist es um den Musiker 50 Cent etwas ruhiger geworden, während Curtis James Jackson III (so 50 Cents bürgerlicher Name) seine Schauspielkarriere vorantrieb. Vor kurzem erschien allerdings ein neues Studioalbum und zu jedem Titel der Platte wurde online ein Video veröffentlicht, wie das auch zuletzt Beyonce schon gemacht hat.

50 Cents Taktik ist bei mir aufgegangen. Schon vor der Veröffentlichung des Albums habe ich mir einige der Videos reingezogen und habe mich auf die Albumveröffentlichung doch sehr gefreut. Das liegt auch am Sound der Platte. 50 Cent hat sich musikalisch von Eminem und Dr. Dre getrennt und macht nun sein eigenes Ding. Dr. Dre hat zwar noch einzelne Songs produziert, aber Shady Records ist nicht mehr 50 Cents musikalische Heimat. Die Songs und sein Style sind im Vergleich zu früheren Platten vielleicht noch relaxter und bei den Feature-Gästen fehlen die ganz großen Namen. Schon „Hold On“ hat einen sehr gechillten Beat und verführt zum Kopfnicken. Der zweite Track „Don’t worry ‚bout it“ holt dann den Hammer in Form eines sehr elektronischen Monsterbeats aus der Schublade. Das Tempo bleibt aber eher gediegen, bewusstes Mitnicken kann jetzt nicht mehr verhindert werden:

Auch der Titelsong „Animal Amibition“  brennt sich als nächstes mit seinem Chorus ins Hirn. „Pilot“ danach hat zwar wieder einen fetten Beat, aber die Lyrics nerven im Verlauf des Songs. Hier wäre etwas weniger monoton doch besser gewesen. Im Anschluss kann mich auch „Smoke“ nicht überzeugen. Vor allem das Feature von Trey Songz haut mich nicht um. Bei „Everytime I come around“ ist es dann genau anders herum und das Feature von Kidd Kidd ist das Beste am Song. Aber das Album hat spätestens mit diesem Song seine Talsohle durchschritten, denn „Irregular Heartbeat“ genau danach ist mein Favorite auf dem ganzen Album. Was ein Brett. Wäre bei mir auf jeder Pre-Game Einstimmungsplaylist.

„Hustler“ und auch „Twisted“ danach schließen wieder an die überzeugenden ersten Stücke auf der Platte an. Und mit „Winners Circle“ packt 50 Cent ein sehr hymnisches Stück fast ganz ans Ende der Platte bevor das Erlebnis mit „Chase the Paper“ ein Ende hat. Das finale Stück der Platte fungiert dabei so ein bisschen als Rausschmeißer und kann micht nicht mehr überzeugen. Danach reicht es auch erst mal wieder.

Insgesamt präsentiert uns 50 Cent mit „Animal Ambition“ aber ein gutes Hip Hop Album das man gerne ab und an hören wird. Manche Stücke sind richtige Bretter, aber dazwischen wird es auch mal dünner. Von den Textmotiven betont 50 Cent mal wieder, das er trotz aller Hindernisse alles schaffen kann („Hustler“, „Don’t worry ‚bout it“), sich die Leute warm anziehen sollten („Irregular Heartbeat“) und er ein Gewinner ist („Winners Circle“). Aber nur wegen der Texte hat man wohl noch nie 50 Cent gehört. Eher weil es einfach gut klingt und einen so mancher Track immer noch umhaut („Irregular Heartbeat“ !!!). Das gelingt ihm immer noch. Repeat!