Album Review: Guano Apes – Offline

Mit manchen Bands verbindet man etwas besonderes. So geht es mir mit den Guano Apes. Die Band hat mich mit ihren ersten Alben durch die Jugend begleitet und war eine der wenigen deutschen Gruppen, die vom Sound her mit amerikanischen Bands wie Limp Bizkit oder Linkin Park mithalten konnte. Jede Jugendband, die damals Songs auf Partys coverte, hatte die Hits von den Guano Apes drauf. Auch heute sind viele der Songs immer noch Hits, die ich gerne höre und bei denen die Laune sofort steigt. Oder geht es euch bei “Lords of the Boards” oder “Open your eyes” anders?

Aber dann nutzte sich die Band aneinander ab und löste sich Ende 2006 auf. Die intensive Zeit zuvor forderte ihren Tribut. Dies hielt aber nicht lange an und nach einer gemeinsamen Tour in 2009 beschloss die Band weiter gemeinsam Musik zu machen. Das Album “Bel Air” war in 2011 das Resultat. Nun folgte vor einigen Wochen mit “Offline” das zweite Album nach der Wiedervereinigung. Die Musik der vier Musiker aus Niedersachsen klingt auf der Platte nicht mehr wie in den 90ern. Aber wie auch die Menschen hinter der Musik sich verändert haben, so hat sich die Musik auch weiterentwickelt. Die Platte startet dabei direkt mit zwei sehr hymnischen Songs. Sowohl “Like Somebody” als auch “Close to the sun” sind vor allem in den Refrains sehr melodisch. Beide Songs kann ich mir live sehr gut vorstellen und “Close to the sun” hat sich bei mir nach einigen Tage zu einem Ohrwurm gemausert.

Bei “Hey last beautiful” zieht einen dann gleich das Gitarren-Intro in seinen Bann, bevor Sandra Nasic mit ihrer einzigartigen Stimmfarbe den Song zu etwas besonderem macht. Vor allem Nasic überzeugt insgesamt mit ihrer Stimme auf dem Album und “Numen” ist dafür nur ein weiterer Beleg. Dazu sind die Texte positiv und muntern einen auf. In “Cried all out” heißt es: “Carry on, we have cried all out, not anymore, the cure must be an endless song”. “It’s not over” gibt einem mit: “Take the black paint it bright”. Mit diesen Songs nimmt das Album nach den eher schnelleren Songs zu Beginn der Platte eine Wendung hin in ruhigere Gefilde bevor es für den Schlussspurt wieder Fahrt aufnimmt. Danach fällt die Platte mit “Water Wars”, “Fake” und “Jiggle” etwas ab, da mir die Songs teilweise zu eintönig komponiert sind. Auch den Rap-Part bei “Jiggle” kann man wohl gutfinden, aber mir gefällt er nicht. Mit “The Long Way Home” wird das Werk relativ ruhig abgerundet und findet zu einem harmonischem Ende.

Insgesamt ist den Guano Apes eine solide Platte gelungen, die mir auf Autofahrten im Sommer bei offenem Fenster die Reisezeit versüßen wird. Das Werk ist ein Album im klassischem Sinne, denn es lässt sich ein roter Faden erkennen und die Reihenfolge der Lieder ist gut durchdacht. Wo die Guano Apes früher deutlich härter waren (und waren sie das nicht alle), kann man heute vielleicht sogar funkige Einflüsse raushören. Teilweise klingt das Ganze wie die frühen No Doubt und das ist nichts schlechtes. Mir hat’s bisher schon viel Spaß gemacht und ich fordere: Weiter so!

P.S.: Auch das Cover begeistert mich immer wieder!

Album Review: Garland Jeffreys – Truth Serum

Momentan läuft ja wieder The Voice of Germany. Jeden Donnerstag und Freitag kann man sich davon überzeugen, wie viele talentierte Sängerinnen und Sänger es in Deutschland gibt. Und obwohl The Voice of Germany in dieser Hinsicht wahrscheinlich die beste Casting Show im deutschen Fernsehen ist, fehlt der Show etwas, um sie zu einer kompletten Musik-Show zu machen. Die Künstler treten an und covern ausschließlich bereits erschienene Songs. Eigenes Songmaterial ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

In diesem Zusammenhang vergisst man gerne, welch außergewöhnliche Leistung es ist Songs selbst zu schreiben. Ich bin kürzlich über ein Album eines Vollblutmusikers gestolpert, der großartige Songs schreibt, allerdings trotzdem eher unbekannt ist. Sein Name ist Garland Jeffreys und das jüngste Album von ihm heißt “Truth Serum”. Jeffreys ist seit den 70er als Solomusiker unterwegs und hat auch zuletzt mit “Truth Serum” wieder ein sehr vielseitiges Album veröffentlicht. Die Songs bewegen sich vom Musikstil her zwischen Blues, Soul, Reggae und Rock. Hier eine Kostprobe:

Einzelne Songs sind wirklich Perlen, lassen den Kopf nicken und die Füße automatisch mitwippen. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich das Album insgesamt nicht ganz rund finde. Mir ist der Stilmix zu arg und ich kann mich nicht mit allen Songs anfreunden. Allerdings finde ich es erfrischend nach den ganzen Casting-Coversongs mal wieder etwas originelles zu hören. Garland Jeffreys lebt Musik und das ist auf dem Album zu hören. Jeffreys hat Seele und hat es geschafft diese in die Songs des Albums zu destillieren. Abseits des Radio-Pops eine klare Hörempfehlung!