Beim FC Augsburg geht’s rund

Der Saisonstart des FC Augsburg hat bisher noch nicht wieder zu Begeisterungsstürmen geführt, mit 12 Punkten vor dem Auswärtsspiel auf Schalke konnten sich unsere Jungs zumindest im Mittelfeld der Tabelle platzieren. Noch läuft es nicht wie in der Vorsaison und es bleibt abzuwarten, wie die sportliche Entwicklung der Mannschaft voranschreitet. Im Hintergrund hat sich allerdings schon in der Sommerpause einiges getan, was für die Zukunft doch recht positiv stimmt. An einigen Stellen gibt es allerdings auch Verbesserungsbedarf oder kleine Rückschritte.

Schon vor einiger Zeit habe ich mich mit dem Ausrüstervertrag mit Nike beschäftigt. Dabei ist mir auch aufgefallen, dass das Fanartikelangebot nicht überragend ist. Daran hat sich leider bis jetzt nichts geändert. Als ich im Stadion war, habe ich mir die Hoodies in echt angeschaut und die sind innendrin nicht kuschelig. Ich war entäuscht. Und ich musste an das Angebot anderer Vereine denken:

Ein von @cfc_bvb gepostetes Foto am

So was in der Art wie diesen Hoody von BVB-Trainer Jürgen Klopp hätte ich gerne für den FC Augsburg. Das ist doch nicht zu viel verlangt. In Augsburg hatten wir die besten Hoodies noch in der Regionalliga. Alles seitdem sind Rückschritte. Gut, dafür stehen wir zumindest in der Tabelle kurzfristig vor Dortmund. Wenn das so bleibt, bin ich auch zufrieden.

Einige weitere Entwicklungen will ich kurz zusammenfassen:

Nachwuchsleistungszentrum

Der FC Augsburg investierte im Sommer nicht nur in den aktuellen Kader, sondern eröffnete auch sein neues Nachwuchsleistungszentrum. Im Juli war es soweit und durch das Leistungszentrum schaffen es vielleicht nun mehr Augsburger Talente in den Bundesligakader. Schön auch zu sehen, dass zur Eröffnung Andreas Rettig den Weg nach Augsburg gefunden hat. Er hat immerhin einige wichtige zukunftsweisende Weichen in Augsburg gestellt. Dafür gebührt ihm immer noch großer Dank.

Trennung von Viagogo

Die Zusammenarbeit des FC Augsburg mit Viagogo war im Umkreis des Vereins lange ein umstrittenes Thema. Die Preise für Tickets beim Wiederverkauf auf der Plattform steigen teilweise deutlich an und der Verein legalisierte auf diesem Weg erstmals den Wiederverkauf seiner Karten. Nach mehreren Jahren der Dispute hat der FC Augsburg die offiziele Zusammenarbeit mit Viagogo beendet. In der Darstellung der Augsburger Allgemeinen wird dabei allerdings deutlich, dass die Beendigung der Zusammenarbeit nicht auf die Faninitiative zurückgeht, sondern der FC Augsburg wohl selbst mit dem Geschäftsgebahren von Viagogo nicht mehr einverstanden war. Der Verein hat mit seiner Einsicht einfach etwas länger als die Fans gebraucht. In einem nächsten Schritt wäre es schön, wenn der FC Augsburg restriktiv gegen den Ticketschwarzhandel vorgehen würde, damit mit den Tickets nur der Verein und nicht Einzelne verdienen.

Reduzierte Tageskarten verschwinden

Nach den Trikots hat sich auch bei der Preisstruktur der Tageskarten etwas getan. An Preiserhöhungen hat man sich ja schon gewöhnt, aber dieses Mal ist zusätzlich auch etwas anderes passiert. Es gibt keine reduzierten Tageskarten mehr. Glaubt ihr nicht? Schaut selbst. Vielleicht denken jetzt einige von euch: Was solls. Mich ärgerts. Reduzierte Tageskarten haben bisher Rentner, Arbeitslose, Studenten, Schüler, Mitglieder, etc. bekommen. Eine soziale Geste des Vereins, diesen Personengruppen eine Ermäßigung zu gewähren. Die Begründung des Vereins, warum diese nun abgeschafft wurden, liegt im Mißbrauch mit den Karten. Es werden also Renter, Arbeitslose, etc. gestraft, da Personen, die nicht ermäßigungsberechtigt waren, Zugang mit einer ermäßigten Karte erlangen wollten. Wie hätte man den Mißbrauch eindämmen können? Mit geschultem Personal und vermehrten Kontrollen. Ich habe eine ermäßigte Dauerkarte und werde seltenst bzgl. der Emäßigung kontrolliert. Aber bevor der Verein hier verbessert hätte, streicht er die Ermäßigung bei den Tageskarten lieber ganz. Er holt sich so auch zusätzliche Einnahmen von Arbeitslosen, Rentnern, etc. Muss man nun wirklich nicht verstehen. Ich finde solche Entwicklungen sehr schade, da Fußball ein Erlebnis für alle Schichten der Gesellschaft sein sollte und das durch solche Maßnahmen zumindest ein Stück weit verloren geht.

Der FC Augsburg und Viagogo – eiskalte Gefühle!

Der FC Augsburg ist wie manch anderer Bundesligist eine Partnerschaft mit Viagogo eingegangen. Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile gibt es handfeste Fanproteste gegen die Zusammenarbeit. Und das obwohl der FC Augsburg an jeder Front versucht die Vorteile der Kooperation herauszustellen. Er hat mehrere Interviews und Berichte auf der Homepage veröffentlicht um den Fans die Zusammenarbeit schmackhaft zu machen (u.a. Interview mit Peter Bircks und der Anreiz eines kostenlosen FCA-Knackers für die Registrierung einer Dauerkarte). Dabei soll an dieser Stelle auch herausgestellt, welche Vorteile die Partnerschaft für den FC Augsburg und seine Fans hat:

  • Ungenutzte Spieltagstickets und Dauerkarten können auf dem Zweitmarkt verkauft werden
  • Einnahmen, die u.a. für die Nachwuchsförderung genutzt werden können

Das sind alles ehrenwerte Gründe für eine Zusammenarbeit. Aber die Partnerschaft mit Viagogo kommt leider mit Nachteilen, die gegenüber den Vorteilen überwiegen:

  • Tickets können mit einem Aufschlag von 100% über dem regulären Verkaufspreis verkauft werden
  • Viagogo bekommt ein Ticketkontigent (inkl. Stehplatztickets) zur Verfügung gestellt. Diese Karten sind somit nicht im freien Verkauf verfügbar.
  • Auswärtsfans können Heimtickets kaufen, da keine Kontrolle über Postleitzahlen

Was durch Viagogo also vom Grundsatz her passiert, ist das ein Ticket-Schwarzmarkt legalisiert wird. Und ekligerweise steckt sich der FC Augsburg einen Teil des Geldes auch noch in die eigene Tasche, mit dem Vorwand, dass dadurch der Nachwuchs gefördert wird. Es ist nicht so, dass die Augsburger nicht bereit wären, den Nachwuchs zu fördern und selbst einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge bie ihrem Verein zugestimmt haben. Aber einen Ticket-Schwarzmarkt zu legalisieren geht einfach zu weit. Viele Fans von unterschiedlichen Vereinen haben dies mittlerweile erkannt und der Hamburger SV hat die Zusammenarbeit mit Viagogo deswegen auch schon wieder beendet. Mitglieder von anderen Vereinen protestieren offen dagegen (mehr dazu z.B. hier).

Der FC Augsburg hat in dieser Situation zudem gezeigt, wie man Kritik am Besten nicht umgeht. So hat Robert Götz von der Augsburger Allgemeinen in einem Blogeintrag die Situation thematisiert (siehe hier). Daraufhin hat Peter Bircks einen Brief an die Augsburger Allgemeine geschrieben (hier). Dieser Brief führte sogar dazu, dass die Süddeutsche Zeitung und andere überregionale Medien auf die Situation aufmerksam wurden (z.B. hier). Dies lag nicht mehr am Ursprungsproblem (der Zusammenarbeit zwischen Viagogo und dem FC Augsburg), sondern der Kritik von Peter Bircks an der Berichterstattung von Robert Götz und führte dazu, dass der FC Augsburg sich in einer Stellungnahme zu der Situation nochmals äußern musste, um die eigene Einstellung zu Pressefreiheit klarzustellen (hier). Insgesamt alles sehr unglücklich.

Aber was ist die Lösung des Problems? Aus meiner Sicht gibt es für den Verein keine andere Lösung, als die Zusammenarbeit mit Viagogo proaktiv zu beenden. Dies bedeutet, den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen und dabei den Vorteil zu haben, die Beendigung des Vertragsverhältnisses mitgestalten zu können. Mittlerweile gibt es eine Online-Petition gegen die Zusammenarbeit und es werden Unterschriften für eine außerordentliche Mitgliederversammlung gesammelt (hier). Ein Erfolg dieser Initiativen wäre für die Vereinsführung äußerst negativ. Mit einem proaktiven Vorgehen würde man der Fanbasis zeigen, dass dem Verein wirklich an ihr gelegen ist und die Fanbasis könnte sich auf den wichtigen Support der Mannschaft konzentrieren.

Wie könnte man trotzdem das Problem des Wiederverkaufs von ungenutzen Dauerkarten und Spieltagstickets lösen? Ein Blick über den Tellerrand zeigt doch eine Möglichkeit: Warum tuen sich die Vereine nicht zusammen und gestalten gemeinsam eine Ticketplattform (wie sie z.B. die NFL schon hat)?  Man könnte dieses Thema an die DFL delegieren und so die Investionen für jeden einzelnen Verein gering halten. Die Beziehungen des FC Augsburg in die DFL-Zentrale nach Frankfurt sollten gut genug sein, um das Thema zu addressieren…