Sportbuch 12/2017: Der dreckige Rest

Das Jahr ist gerade zu Ende gegangen, wenn ihr diesen Post lest. Ich sitze hier am 31.12.2017 und schreibe meinen letzten Sportbuch-Beitrag. 2 Jahre lang habe ich je 12 Sportbücher vorgestellt. Es war einerseits Motivation für mich, mehr zu lesen. Andererseits suche ich selbst immer nach Anregungen und hoffte, dem ein oder anderen eine Hilfe gewesen zu sein. Zum neuen Jahr geht es mit dem Sportbuch hier allerdings zu Ende. Der Blog bekommt ein neues Gesicht und eine neue thematische Ausrichtung und da passen die Buchvorstellungen in dieser Form nicht mehr. Alles neue bedeutet für etwas altes ein Ende. Und so stand ich gerade vor dem Stapel gelesener Sportbücher und wollte mir ein letztes für den Dezember heraussuchen, das ich euch vorstelle. Scheiß drauf, habe ich mir dann gedacht: Ich zeige Sie euch einfach alle. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen eine schöne Anregung dabei.  

 

Pascal Claude – Knapp daneben

Ich habe die zweite Kolumnensammlung von Pascal Claude schon viel früher vorgestellt. Dies ist der erste Band. Meine Meinung zu Pascal Claude ist unverändert. Er ist einer derjenigen, der sich scharfsinnig mit dem Fußball und der Fußballkultur auseinandersetzt. Wo das Wort Fußballkultur von vielen im Marketing missbraucht wird, kann man von Pascal Claude lernen, worum es wirklich geht. Auch für den ersten Band gibt es eine klare Leseempfehlung, denn das Werk altert sehr gut und ist immer noch aktuell. 

Philipp Lahm – Der feine Unterschied

Ich habe das Buch vor Jahren gebraucht an einem Stand vor der Buchmesse in Frankfurt gekauft. Es enthüllt den Menschen Philipp Lahm in seiner ganzen Angepasstheit. Philipp Lahm ist ein Arbeitnehmer, wie in sich viele Unternehmen wünschen. Meine Ansprüche an einen Kapitän sind andere. Manchmal muss man dem Teufel ins Auge blicken. Wer dafür nicht bereit ist, sollte einen Umweg um dieses Buch machen.

Geoff Hurst – 1966 and all that

 Ich habe mich immer noch zu wenig mit englischem Fußball beschäftigt. Die Autobiografie von Geoff Hurst ist eines der wenigen Bücher, die ich über englische Fußballer gelesen habe. Derweil ist Geoff Hurst einer der ganz Großen in der englischen Fußballgeschichte. Er war es, der Deutschland 1966 im Finale der WM alleine versenkt hat. Die Biografie weiß mit Details zu begeistern und man bekommt einen spannenden Einblick in die Karriere von Geoff Hurst weit über die WM hinaus. Eine klare Empfehlung von mir. 

Michael Pöppl – Der springende Punkt ist der Ball

 Das Buch habe ich an einem Grabbeltisch abgegriffen. Mei, es hatte mit Fußball zu tun und ich konnte nicht vorbeigehen. Das Vorwort ist von Falko Götz. Wer erinnert sich an den noch? Aber dennoch hat Michael Pöppl mit seinem Buch eine sehr lesbare Darstellung der deutschen Fußballhistorie abgeliefert, dich ich Einsteigern in die Marterie sofort empfehlen würde. Mit den Details kann man sich dann ja danach mit weiteren Büchern immer noch beschäftigen. 

Hundt, März u.a. – Superstars der NFL 

Eigentlich lese ich über die NFL meist englischsprachige Bücher aus den USA. Nun hatte ich mir vor Jahren von meiner Frau zu Weihnachten ein Footballbuch gewünscht, ohne dies näher zu spezifizieren und dieses bekommen. Die Autoren haben mit viel Detailliebe die Biografien ihrer Lieblingsspieler aufgeschrieben. 10 Stück sind es an der Zahl und die Auswahl ist irgendwie beliebig. Ein Spieler wie Lawrence Taylor fehlt zum Beispiel, wohingegen es Brian Urlacher oder Art Monk in das Buch geschafft haben. Darüber hinaus gehen die kurzen Abrisse natürlich nicht allzu sehr ins Detail. So für zwischendurch kann man das Buch trotzdem lesen. Ich würde allerdings andere Bücher zum Einstieg und auch zur Vertiefung empfehlen. 

Eamon Dunphy – Only a Game? 

Dieses Buch wurde in seiner Erstfassung im Jahre 1976 veröffentlicht. Es beschreibt v.a. Zweitligafußball in England in den 70er Jahren. Dunphy hat zu dieser Zeit selbst gespielt und seine Erfahrungen aufgeschrieben. Wer eine Zeitreise unternehmen und sich gedanklich in diese Welt entführen lassen will, dem mag ich dieses Buch gerne ans Herz legen. Es gibt viel von dem wieder, was den Fußball auch heute noch ausmacht. Und ja, es sind die einfachen Dinge. 

Pascal Claude wünscht „Viele Grüße aus dem Stadion“

Es ist Winterpause und damit die richtige Zeit, um mal etwas über den eigenen Horizont hinauszuschauen. An dieser Stelle sei garantiert: Wer das aktuelle Buch von Pascal Claude liest, hat mehr Freude als man es jeweils haben kann, wenn man Transferticker oder Berichte aus Trainingslagern liest. Pascal Claude ist Fußballblogger. Daneben hat Pascal Claude für die WOZ in der Schweiz Kolumnen geschrieben. Einige dieser unveröffentlichten Kolumnen sind unlängst in einem Buch erschienen. Was lässt sich ganz kurz über dieses Buch festhalten? Es ist zu kurz. Es ist das beste Fußballbuch, dass ich dieses Jahr bisher gelesen habe. Vielleicht auch länger. Es ist eines meiner Lieblingsfußballbücher. Ich habe mir den Vorgänger zu Weihnachten schenken lassen.

Viel zu gut und daher viel zu schnell zu Ende. #PascalClaude #Viele Grüße ausdemStadion #Fussballbuch

Ein von Andreas Riedl (@andyriedl) gepostetes Foto am

Ich gebe zu, dass ich keine großen Erwartungen hatte, als ich Pascal Claude’s Kolumnen gelesen habe. Danach ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich die spannende Darstellung von nicht ganz offensichtlcihen Zusammenhängen erwartet hatte, als ich kurz vorher „Deutschlandreise“ von Roger Willemsen gelesen hatte. Roger Willemsens Buch hat mich schwer enttäuscht. Pascal Claudes Buch war viel besser. Er verbindet das Thema Fußball mit vielen Facetten des gesellschaftlichen Lebens. Es geht z.B. um nationalistische Gedanken in der Schweiz oder bei der Schweizer Nationalmannschaft, die unterschiedliche Bedeutung von Fußball für die Menschen in unterschiedlichen Ländern und die Darstellung von Fans in der Öffentlichkeit. Die Reihe der Themen ist lang und abwechslungsreich und keiner der Gedanken wirkt banal. Es wird immer wieder klar, dass Pascal Claude sich gerne in Stadien aufhält, eine Bratwurst isst und ein kühles Helles trinkt und darüber auch noch nachdenkt. Er hat erkannt, dass Fußball eines der großen Querschnittsthemen unserer Zeit ist und kann Entwicklungen in die richtigen Zusammenhänge einordnen. Es gibt wohl nur wenige Menschen, die, obwohl sie eine so große Nähe zum Thema haben, dieses dennoch so differenziert betrachten können und die Hintergründe durchschauen. Das Ganze klingt vielleicht kompliziert, aber Pascal Claude schreibt einfach und fesselnd. Und darin liegt spätestens die große Kunst.

Ich habe die Stunden mit dem Buch sehr genoßen und würde es sofort für den Preis „Fußballbuch des Jahres 2015“ nominieren. Und dann zum Sieg wählen, mit einem dreckigen 1:0 bei strömenden Regen, 2 Minuten vor Schluß. Pascal Claude würde es gefallen, solange der Grill neben dem Spielfeld mit Holzkohle betrieben würde.