Sportbuch 06/2017: Wider dem Missbrauch von rechts

Kaum eine Thematik gewinnt leider in letzter Zeit wieder solche Aktualität, wie der Missbrauch des Fußballs durch Nazis. Nicht unlängst kam es bei Energie Cottbus zu sehr unschönen Szenen. Daher ist es aus meiner Sicht ein guter Moment ein Buch von Ronny Blaschke erneut in Erinnerung zu rufen, welches ich selbst erst vor einigen Wochen gelesen habe.

Angriff von Rechtsaußen: Wie Neonazis den Fußball missbrauchen ist ein sehr gut und ausführlich recherchiertes Werk, welches sich an einzelnen Fallbeispielen daran abarbeitet, wie und warum Nazis den Fußball unterwandern. Es gilt dabei für uns alle, die Augen offen zu halten, genau hinzuschauen und das Problem schon in der Wurzel zu bekämpfen. Wie man bei einigen Vereinen leidvoll erkennen musste, ist es schwer den Arschlöchern wieder Herr zu werden, wenn sie sich denn mal in den Vereinen oder der organisierten Fanszene festgesetzt haben. 

Ronny Blaschkes Ansatz als Autor des Buchs geht allerdings über das Aufdecken von Nazistrukturen hinaus. Er stellt darüber hinaus fremde Kulturen vor und lässt auch den damaligen Verbandspräsidenten Theo Zwanziger zu Wort kommen. Insgesamt schafft er es somit, einen Rundumblick zu dieser brisanten Thematik zu bieten, der dem Leser einen guten Einstieg und eine solide erste Basis verschafft. In der Detailtiefe werden allerdings auch eingefleischte Fans und Fußballfachpersonal weitere Details mitnehmen können, die die eigene Perspektive bereichern. Insgesamt ist dieses Buch aus 2011 auch heute noch als das Standardwerk zu diesem Thema zu bezeichnen und ich kann die Lektüre nur empfehlen. 

Sportbuch 05/2017: Viel wahres und bereicherndes über den Fußball

Lange hatte ich die Lektüre dieses Buchs vor mir hergeschoben. Ich hatte Angst das die Materie sehr sperrig ist und sich zu sehr in der Theorie verirrt. Derweil hat Gunter Gebauer mit Das Leben in 90 Minuten: Eine Philosophie des Fußballs ein wirklich schönes Buch geschrieben. dass viele Dinge, die ich mit Fußball persönlich in Verbindung bringe, erklärt und einordnet. 

 

Klar geht es dabei auch mal theoretisch zu, wenn Gunter Gebauer die zwei Themen Fußball und Philosophie zu einem Mash-Up zusammenbringt. Abgehoben ist das Ganze allerdings keineswegs, sondern unterhaltsam und sehr lesenswert. Generell gibt es bzgl. des Fußballs wenige Werke, die sich nicht anekdotenhaft oder bezogen auf ein Einzelschicksal mit dem Thema auseinandersetzen. Gebauers Werk ist dabei genau so fundamental wie Tobias Eschers Ausführungen zur Taktik und deren historischer Entwicklung

Gebauer ordnet unter anderem Begriffe wie Mystik und Spiritualität in Bezug auf Fußball ein und tut das so gut, dass ich meiner Frau Passagen während der Lektüre vorgelesen habe. Meine Frau interessiert sich nicht für Fußball. Aber die Passagen sind so außergewöhnlich, dass ich den Versuch ihre diese Aussagen näher zu bringen nicht unversucht lassen wollte. Und wer die Faszination und Bedeutung des Fußballs nicht begreifen mag oder nachvollziehen kann, dem sei dieses Werk ans Herz gelegt. Es erklärt vieles deutlich besser, als ein emotionaler Fan wie ich das jemals könnte. Von mir gibt es dafür eine klare Leseempfehlung! 

Sportbuch 04/2017: Über Reisen und die Suche nach sich selbst

„Morgen geht der Flieger. Diesen Text will ich schreiben, bevor ich seit einiger Zeit mal wieder in die Ferne entschwinde. Ich will mir noch kurze einen Vorsprung erarbeiten. Seit nunmehr 15 Monaten schreibe ich regelmäßig über Sportbücher und auch im April will ich wieder pünktlich sein. Mein Koffer ist voll mit Büchern und auch im Urlaub werde ich das ein oder andere Sportbuch lesen. Aber nach dem Urlaub habe ich vielleicht erstmal keine Lust darüber zu schreiben. Urlaub und Abstand bedeutet für mich auch, Ziele neu zu setzen und zu überprüfen, was wesentlich ist. Hierfür wird es eindeutig Zeit. Ich bin ausgelaugt und müde und der Urlaub kommt gerade zum rechten Zeitpunkt.“ 

Das ist nun schon wieder einige Zeit her. Der Urlaub ist vorbei und der Text lag nun lange genug im Entwurfordner. 

 

Ein ehemaliger Profifußballer hat genau über diese Erfahrung des Reisens ein Buch geschrieben. In Nachspielzeit von Timo Heinze reist der Autor im Sommer nach seiner Profikarriere nach Bali, um auch zu sich selbst zu finden. Das Buch hat dabei zwei Handlungsstränge: die Erfahrungen während genau dieser Reise und seine Karriere als Fußballer. In der breiten Öffentlichkeit würde man Timo Heinzes Karriere wohl als unvollendet bezeichnen. Nach Jahren in der Bayern Jugend, Einsätzen in Jugendnationalmannschaften und einem Einsatz bei Oliver Kahns Abschiedsspiel hat es nicht zu mehr gereicht als 3. Liga und das auch nur kurz. Es ist dabei bewundernswert, wie offen Timo Heinze auch über die psychischen Anforderungen an einen Profifußballer und an die entsprechenden Belastungen spricht. Nachdem Timo Heinze selbst mit Sebastian Deistler trainiert hat und auch Jahre nach dem Selbstmord von Robert Enke ist diese Offenheit besonders wichtig, da immer noch nicht selbstverständlich. 

Man merkt bei der Lektüre, dass Timo Heinze seine Karriereentwicklung noch nicht komplett verarbeitet hat und selbst mit sich noch nicht im Reinen ist. Auch das ist erfrischend. Er lässt das Unperfekte bewusst zu. Und nach seinen Erfahrungen in der Fußballwelt und seiner Reise nach Bali wünscht man sich, dass er mittlerweile seinen Weg gefunden hat. Seinen bisherigen Weg hat er kurzweilig und mit einigen Insides zum großen Fußballzirkus dargelegt und so für ein Buch gesorgt, was man schon mal zwischenrein lesen kann. Ein Klassiker und Must Read ist es allerdings nicht. Dafür hat Timo Heinze in der Welt des Fußballs nicht gesehen und sind schon zu viele Menschen nach Bali gereist. Aber mein Interesse hat seine Geschichte bei mir definitiv geweckt. Was wohl aus ihm geworden ist? Ich hoffe, es geht ihm gut. 

Sportbuch 03/2017: Über Basketballs größten Coach

Lange, lange ging es in dieser Reihe wieder um Fußballbücher. Es ist der Sport, der mich mittlerweile am meisten beschäftigt. Trotzdem schaue ich ab und an über den Tellerrand und lese auch Bücher, die sich mit anderen Sportarten beschäftigen. Eines dieser Werke, welches relativ lange ungelesen im Regal lag, ist ein autobiografisches Buch, dass vom bisher erfolgreichsten Basketball Coach der NBA-Gechichte geschrieben wurde. Sacred Hoops von Phil Jackson beschäftigt sich vor allem mit seiner Zeit bei den Chicago Bulls, wo er wohl eines der besten Teams überhaupt trainierte. 

 

Sneak Peak auf Sportbuch 03/2017. Es wird wohl diesmal kein Fußballbuch.

Ein von Andreas Riedl (@andyriedl) gepostetes Foto am

Dabei geht er natürlich in diesem Buch auch auf die Beziehung zu seinen Spielern und den Umgang mit Michael Jordan, Scottie Pippen und Dennis Rodman ein. Aber alleine diese Darstellung hat es nicht geschafft, dass mich dieses Buch auch über eine gewisse Zeit nach der Lektüre immer noch beschäftigt hat. Im Mittelpunkt steht sein Hauptgedanke, dass durch Ruhe und Meditation eine bessere Leistung erzielt werden kann. Dabei rückt er die Leistung des Teams vor die Befindlichkeiten des Einzelnen. Wie er es geschafft hat, mit diesen Ideen einen solchen Erfolg zu erzielen, ist beeindruckend. Bei den Bulls ist auf diese Weise ein eingeschworenes Team entstanden, dass Meilensteine gesetzt hat. 

Die Besinnung auf die innere Ruhe und die Konzentration auf die wichtigen Dinge, ist ein unterschätzter Aspekt. Oftmals geht es im Alltag darum, so zu tun, als ob man sich kümmere. Die Handlung selbst rückt in den Hintergrund. Phil Jackson stellt dazu eine Art Gegenentwurf vor, von dem sich auch Menschen inspirieren lassen können, die sich sonst wenig mit Sport beschäftigen. Damit ist Phil Jackson ein Buch gelungen, dass auf mich einen größeren Einfluss ausübte, als viele Bücher, die eigentlich genau diesen Einfluss als Ziel haben (Management-Ratgeber wie Ancelottis Buch, etc.). Von mir gibt es dafür eine klare Leseempfehlung. 

Sportbuch 02/2017: Warum Robert Enke so wichtig ist

Diese Reihe legt ja keinen Wert auf Tagesaktualität. Ronald Rengs Buch über Robert Enke Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben lag hier einige Jahre im Regal. Irgendwie fehlte mir die Muße mich auf dieses Buch einzulassen. Ich hatte Vorurteile. Ich spreche auch regelmäßig mit anderen Menschen über den aktuellen Lesestoff und die Reaktionen waren oft eher ablehnend so nach dem Motto: Warum liest Du in deiner Freizeit so etwas trauriges. Versteht mich nicht falsch, das Buch enthält todtraurige Passagen. Aber zuerst ist es ein wunderbares Buch über einen Menschen, den ich gerne kennengelernt hätte. 

 

Ein Sneak Peak auf das Sportbuch 2017. Februar oder März kommt dann der Langtext. #Sportbuch2017 #Fussballbuch

Ein von Andreas Riedl (@andyriedl) gepostetes Foto am

 

Ronald Reng ist ein tolles Buch gelungen, dass eventuell die beste Sportlerbiografie meiner Kenntnis ist. Das Buch profitiert enorm vom persönlichen Kontakt des Autors mit dem Sportler, der wirklich eine persönliche Beziehung darstellte und nicht nur oberflächlich war. Reng gelingt es diesen persönlichen Kontakt ins Buch einfließen zu lassen. Zudem ist er wohl einer der begabtesten Sportautoren der Gegenwart und schafft es die Fakten und Vorgänge rund um das Leben und die Karriere von Robert Enke mit seinem journalistischen Blick einzuordnen und in einen Gesamtkontext zu setzen. 

Neben dem Leben von Robert Enke bekommt man einen tollen Einblick in die Vorgänge bei Benfica Lissabon, Barca, Borussia Mönchengladbach und Hannover 96. Insgesamt hat Ronald Reng einen enormen Blick für das Fußballgeschäft an sich. Robert Enke steht dabei immer im Vordergrund. Die Karriere eines der besten deutschen Torhüter der letzten 20 Jahre, der sich v.a. auf einer persönlichen Ebene immer positiv von den Kahns und Lehmanns abgehoben hat. Das genau diese überaus sympathische Person an der Krankheit Depression zerbrochen und gescheitert ist, weil eventuell auch der öffentliche Druck einen offenen Umgang mit psychischen Krankheiten nicht zulässt, ist immer noch überaus tragisch. Derweil sollte uns allen das Buch helfen, die Krankheit Depression als genau das anzuerkennen: eine Krankheit. 

Immer noch leben in Deutschland wohl viele Menschen mit dem Geheimnis einer psychischen Krankheit und trauen sich nicht, diese gegenüber Freunden und Familie zu offenbaren. Dagegen sollten wir gemeinsam weiter vorgehen. Die Robert Enke Stiftung geht hier voran und unterstützt Projekte, die sich auf die  Aufklärung und Erforschung von Depression konzentrieren. Diese Arbeit ist immer noch von enormer Wichtigkeit.

Jedem Fan sollte dabei die eigene Rolle im Stadion bewusst sein. Wie mit Fußballspielern umgegangen wird, ist nicht mit sozialem Verhalten erklärbar. Assoziale Beschimpfungen können in Stadien auch heute noch regelmäßig beobachtet werden. Lasst uns alle dazu beitragen, dass diese in Stadien aussterben. Sprecht sie offen an und toleriert sie auch bei anderen nicht. Unterstützt euer Team und eure Spieler. Das nächste Bier geht dann auf mich, egal von welchem Verein ihr ein Fan seid.