FC Augsburg 2014/15: Was bleibt zu tun?

Der FC Augsburg steht nach 27 Spieltagen auf Platz 6 der Tabelle und ist mittendrin im Rennen um die Europa League Plätze. Während sich andere Vereine im DFB-Pokal vergnügen, haben wir uns in dieser Saison nur auf einen Wettbewerb konzentriert. 39 Punkte stehen auf der Habenseite und beim 0:0 gegen Schalke 04 haben unsere Jungs ein weiteres Mal einen der großen Vereine der Liga geärgert. Für mich war das neben dem Klassenerhalt eines der großen Ziele für diese Saison. Für die Schalker stand die Champions League Qualifikation auf dem Spiel und nach dem Unentschieden gegen uns ist der Zug wohl abgefahren. Zumindest nach vorne hat sich das Tabellenbild in den letzten Wochen etwas sortiert. Der FC Augsburg reagierte auf die erfolgreiche Entwicklung in diesem Jahr  und verlängerte die Verträge mit Markus Weinzierl und Stefan Reuter bis 2019 bzw. 2020. Zu diesem Zeitpunkt der Saison stellt sich nun die Frage: Was bleibt in den nächsten sieben Spieltagen zu tun?

Auf den ersten Blick scheint die Qualifikation für die Europa League einfach zu verlockend. Diese steht für mich trotzdem nicht im Mittelpunkt. Nachdem die Klasse gesichert ist, werden in der jetzigen Saisonphase die Weichen für die nächste Saison gestellt und der Kader genau analysiert. An welchen Stellen müssen wir nachbessern? Wo besteht Handlungsbedarf? Die nächsten Spiele werden auch zeigen, auf welche Spieler wir in der neuen Saison bauen können und wo sich die Wege eventuell trennen sollten. Die Kaderplanung hat für mich Vorrang vor der Europa League Qualifikation. Ich will sehen, ob manche Spieler uns wirklich weiterhelfen können. Im Zweifel werden wir hierdurch ein paar Spiele verlieren. Der Klassenerhalt im nächsten Jahr ist mir aber wichtiger als europäisch zu spielen. Wenn alles gut läuft, werden die Spieler ihre Chance nutzen und es reicht gerade deswegen für Europa. Im negativen Fall reicht es auch so nicht und wir gewinnen wichtige Erkenntnisse für die Kaderplanung und damit für den Klassenerhalt in der nächsten Saison. In jedem Fall ist die Zeit reif, dass wir uns anschauen, welches Potential in so manchem Spieler schlummert. Wen meine ich damit? Seid auf Überraschungen gefasst:

Marwin Hitz

Marwin Hitz ist unser Stammtorhüter in dieser Saison, auch wenn er verletzungsbedingt von Alex Manninger für einige Spiele vertreten wurde. Von den Stammtorhütern in der Bundesliga hat er im Moment in dieser Saison den zweitschlechtesten Notenschnitt bei kicker. Ist er dauerhaft gut genug für die erste Bundesliga? Kann er auch mal einen Unhaltbaren halten? Wir würden uns das jetzt nicht fragen, wenn sein Vertrag nicht 2016 auslaufen würde. So können wir allerdings nur noch im Sommer eine Ablöse erzielen. Nachdem wir es uns in Augsburg nicht erlauben können, Spieler ablösefrei ziehen zu lassen (siehe die Transfers von Vogt und Ostrzolek im letzten Sommer), müssen wir Hitz nun entweder im Sommer verkaufen oder seinen Vertrag längerfristig ausdehnen und damit finanzielle Mittel an ihn binden. Sind wir bereit zu einer Vertragsverlängerung oder gibt es ein größeres Torwarttalent auf dem Markt? Ich hoffe Marwin zeigt uns in den nächsten Spielen, das er in diese Liga gehört und verlängert dann für 3 Jahre.

Jeong-Ho Hong

Callsen-Bracker und Klavan sind normalerweise in der Innenverteidigung bei uns gesetzt. Klavan hat für mich internationales Format und ist eine Säule unserer Mannschaft. Ich gebe zu, dass ich großer Fan des Esten bin. Das Duo funktioniert normalerweise sehr gut zusammen. Nun hat sich Callsen-Bracker verletzt und ist auch insgesamt nicht mehr der Jüngste. Hong hat schon des öfteren sein Potential aufblitzen lassen und ist erst 25 Jahre alt. Nun bekommt er wohl bis zum Saisonende die Chance, die Weichen für einen Stammplatz in der neuen Saison zu stellen. Sollte er nicht überzeugen, müssen wir uns wohl im Sommer nach einem jungen, talentierten Innenverteidiger umsehen, da auch Janker schon über 30 Jahre alt ist und damit keine zukunftsfähige Lösung darstellt. Ob wir defensiv weiter stabil stehen, wird im Saisonabschluss entscheidend sein.

Shawn Parker

Parker kam im Sommer von Mainz 05 und ich habe ihn als potentiellen Ersatz für Hahn und damit auf der rechten Außenbahn gesehen. Mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Tor sollte er auf der offensiven Außenbahn in unserem System auch gut aufgehoben sein. Die Hinrunde verpasste er fast komplett durch eine Verletzung am Knie, aber auch seit der Winterpause kam er nur zu vier Kurzeinsätzen. Ist er eine Alternative für die rechte Außenbahn? Selbst sieht er sich wohl als Stürmer, kommt aber an Ji, Caiuby, Bobadilla und Matavz nicht vorbei. Ist er überhaupt bereit und motiviert nicht nur im Zentrum zu spielen? Hat er die Klasse für die erste Liga? Wir sollten es in dieser Phase ausprobieren. Wenn es nicht reicht, können wir ihn zur neuen Saison immer noch verleihen, damit er in der Ferne den nächsten Schritt macht. Dann müssen wir aber selbst auf dem Transfermarkt nochmal aktiv werden, um nach einer anderen Alternative für die offensive Außenbahn zu suchen.

Tim Matavz

Schon in der letzten Saison hatten wir große Probleme, dass unsere Stürmer kaum Tore geschossen haben. Das hält nun leider in dieser Saison an. Die Bilanz ist bisher sogar noch erschreckender. Wir haben insgesamt in letzter Zeit große Probleme das Tor zu treffen. Nun war Tim Matavz der teuerste Transfer des letzten Sommers und lange verletzt. Jetzt wenn er wieder fit ist, soll er uns doch bitte zeigen, was er im Abschluss so kann und warum wir ihn geholt haben. Wenn wir ihn als Missverständnis verabschieden wird er wie Milik irgendwo anders treffen. Bitte Tim, schieß uns in die Europa League! Ich will nicht im Sommer schon wieder auf Stümersuche gehen müssen, wo deine Highlightvideos doch deutliche Knipserqualitäten zeigen. Alternativ kann an dieser Stelle auch Sascha Mölders nach seiner Verletzungan zu seiner Form zurückfinden. Dann sind bei ihm die Wechselgerüchte für die Sommerpause schnell gestorben.

Wer hat eingeschlagen?

Es ist Winterpause und das noch über drei Wochen. Zeit genug also, um die Transfers des letzten Sommers nach einem halben Jahr nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. An Hand der gezeigten Leistungen in der Vorrunde lässt sich erkennen, welcher Sommertransfer uns bisher beim FC Augsburg geholfen hat. Dazu werde ich kurz einschätzen, wie ich die zukünftige Entwicklung der Spieler beim FC Augsburg sehe. Los geht’s:

1. Topverflichtung:  Abdul Rahman Baba (20 Jahre, Linksverteidiger)

Baba hat alle 17 Partien für den FC Augsburg in der Hinserie bestritten, davon 16 von Anfang an. Nr. 17 ruhte er sich nach Länderspielstrapazen erstmal auf der Bank aus, sonst hätte er auch diese Partie mit Sicherheit begonnen. Durch den Abgang von Ostrzolek zum HSV hatte der FCA auf der Position des Linksverteidigers einen Leistungsträger verloren. Baba ist mit nur 20 Jahren jetzt schon weiter als Ostrzolek zum gleichen Zeitpunkt nach seiner Verpflichtung. Er hat in der Hinrunde 4 Tore vorbereitet und seine Offensivqualitäten mehrfach unter Beweis gestellt. Vor allem in der Defensive hat er noch Steigerungspotential. Hoffen wir, dass er die Steigerung beim FCA macht, denn schon jetzt melden sich die ersten Interessenten. Solange er in Augsburg spielt, werden wir mit dem Toptransfer des Sommers viel Spaß haben.

2. Eine sinnvolle Ergänzung: Markus Feulner (32 Jahre, zentraler Mittelfeldspieler)

Der Einstand von Markus Feulner beim FC Augsburg verlief etwas holprig, denn er verletzte sich in der Vorbereitung an der Schulter und konnte fast nur zuschauen anstatt mit seinen neuen Kollegen zu trainieren. Trotzdem war er zum Saisonstart wieder fit, zeigte aber eher mäßige Leistungen. Beim Aufwärmen vor der Partie gegen Bremen, folgte eine Verletzung am Knie, die ihn zu einer erneuten Pause zwang. Diese nutzte Dominik Kohr, um sich seinen Stammplatz zu sichern. Gegen Ende der Vorrunde holte er sich seinen Stammplatz aber zurück und zeigte mit seinem Tor gegen Mönchengladbach, dass er immer noch etwas von der Torgefährlichkeit hat, die ihn vor allem zu seinen Mainzer Tagen so auszeichnete. Markus Feulner scheint eine sinnvolle und erfahrene Ergänzung der Mannschaft von Markus Weinzierl zu sein, an der wir uns hoffentlich noch lange erfreuen. Sein etwas fortgeschrittenes Alter lässt aber wohl nur noch wenige Europapokaljahre zu.

3. Hohe Erwartungen nicht erfüllt: Tim Matavz (25 Jahre, Stürmer)

Über 3 Millionen Euro hat der FC Augsburg für Matavz an den PSV Eindhoven überwiesen. Damit ist der Slowene immer noch der Rekordtransfer der FCA Geschichte und kam mit hohen Erwartungen. Die Vorrunde lief allerdings nicht wie erhofft für Matavz. Er spielte nur in 10 Begegnungen und auch nur viermal von Beginn an. Seine beiden Treffer waren beides Jokertore schon zu Saisonbeginn. Als es dann schon nicht so gut lief, kam auch noch Pech dazu und Matavz verletzte sich vor dem 14. Spieltag. Seine Torgefährlichkeit ist aus seiner Zeit bei PSV Eindhoven unbestritten, allerdings muss er noch zeigen, dass er sich ins Augsburger System effektiv einfügen kann. Hier sind die Stürmer vor allem auch im Spiel gegen den Ball gefordert. Hoffen wir, dass er zeigen kann, warum der FCA so viel Geld für ihn ausgegeben hat. Ich habe die Hoffnung bei ihm aber bei weitem noch nicht aufgegeben.

4. Notnagel im Sturmgewühl: Nicola Djurdjic (28 Jahre, Stürmer)

Die Statistik sieht für Nicola Djurdjic gar nicht mal so übel aus. Elf Partien in der Vorrunde, sechs davon von Beginn an. Allerdings kamen einige der Partien erst, nachdem der FCA zum Ende der Hinrunde hin große Verletzungsprobleme im Sturm hatte. Wenn Djurdjic dann die Chance von Beginn an bekommen hat, so hat er sie nicht genutzt. In drei der Startelfeinsätze wurde er vom Kicker mit der Note 5 benotet. Das Dilemma liegt wohl in Djurdjics Wunschposition hinter den Spitzen. Hier zeigt Halil Altintop  Woche um Woche beeindruckende Leistungen und ist eine Stütze der Mannschaft, an der Djurdjic auch auf absehbare Zeit, nicht vorbeikommen wird. Nach der Verpflichtung von Ji nun in der Winterpause, werden auch seine Einsätze im Sturm seltener werden. Ich kann mir momentan keine große Zukunft von Djurdjic beim FC Augsburg vorstellen, lasse mich natürlich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

5. Noch nicht angekommen in der ersten Liga: Caiuby (26 Jahre, offensiver Mittelfeldspieler)

Schon vor einem Jahr wurde Caiuby immer wieder mit dem FC Augsburg in Verbindung gebracht. Im Sommer klappte es nun und er wechselte aus Ingolstadt an den Lech. In der Vorrunde stand er 11 Mal für den FC Augsburg auf dem Platz, allerdings nur drei mal von Beginn an. Seine beste Partie hatte er direkt vor der Winterpause gegen Borussia Mönchengladbach. Insgesamt scheint er Probleme mit dem Sprung von der zweiten in die erste Liga gehabt zu haben. Manchmal wirkt er nicht dynamisch genug und ich bin mir nicht sicher, ob er sich auf diesem Level durchsetzen kann. Hinter Tobi Werner, Raul Bobadilla und Alexander Esswein ist er auf der offensiven Außenposition meist nur die Nr. 4 gewesen. Dabei war Shawn Parker zusätzlich fast die gesamte Hinrunde verletzt. Ich hoffe Caiuby macht noch einen Sprung und setzt Akzente, bin allerdings skeptisch ob es reichen wird. Caiuby, überzeuge mich bitte vom Gegenteil.

6. Pechvogel der Vorrunde: Shawn Parker (21 Jahre, offensiver Mittelfeldspieler)

Mit Shawn Parker hat der FC Augsburg einen ehemaligen U21-Nationalspieler aus Mainz verpflichtet. Allerdings kam Parker aus Verletzungsgründen bis auf in den ersten beiden Saisonspielen gar nicht zum Zug. Seitdem pausiert er mit einer Knieverletzung. Ich hoffe, Parker erholt sich schnell und zeigt, warum der FCA ihn geholt hat. Eine Beurteilung seiner Leistungen ist zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht möglich, aber ich hoffe, dass er dem FCA mehr Möglichkeiten auf den offensiven Außenbahnen verschafft und die Mannschaft in der Rückrunde verstärkt.

Insgesamt sechs Spieler hat der FCA in der Sommerpause verpflichtet und wollte vor allem die Offensive deutlich verstärken . Nur ein Spieler ist in der Hinrunde richtig eingeschlagen und es ist der einzige Defensivspieler. Dies liegt auch daran, dass der FC Augsburg über eine Mannschaft verfügt, die recht eingespielt ist und nur wenige Stammkräfte aus der letzten Saison ersetzen musste. Das Gerüst des Teams steht und ist nun schon seit einiger Zeit sehr erfolgreich. Allerdings hatten auch viele der Neuzugänge mit Verletzungen zu kämpfen und so ist von Tim Matavz und Shawn Parker in Zukunft noch mehr zu erwarten. Wenn die beiden wirklich durchstarten können, dann war die Sommertransferperiode wirklich erfolgreich. Bis dahin sind die Transferaktivitäten eher als durchwachsen zu bezeichnen. Ich bin gespannt, zu welchem Urteil wir am Ende der Saison kommen. Zusätzliche Impulse der Neuverpflichtungen könnten den FCA  in den Europapokal führen.