Von der zweiten Liga bis in die Europa League: Legenden des FC Augsburg

Dieser Blogpost ist Teil einer Augsburger Blogparade. In der Saison 2015/16 tritt der FC Augsburg in der Europa League an und der große Erfolg bietet für mich eine passende Möglichkeit, um einen Blick zurück zu werfen. Weit sind wir gekommen. Als ich 2006 meine Dauerkarte für der zweite Liga gekauft habe, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass wir das so schnell alles erleben. Damals waren wir noch froh, wenn der FC Bayern zu einem Freundschaftsspiel (bezahlt von Lotto Bayern) in die Rosenau gekommen ist. In dieser letzten, überragenden Saison haben wir die Bayern in ihrem eigenen Stadion geschlagen (und mittlerweile aus den letzten 4 Partien 6 Punkte mitgenommen).

Von der Aufstiegsmannschaft in die zweite Liga ist schon seit längerem kein Spieler mehr an Bord. Fußball wird immer wieder als schnelllebiges Geschäft beschrieben und oft gibt es wirtschaftliche Gründe, die Entscheidungen erzwingen bzw. befördern. Beim FC Augsburg gibt es trotzdem einige Spieler, die dem Verein treu geblieben sind und den Verlockungen anderer Angebote widerstanden haben. Spieler, die sich auch in höheren Ligen unentbehrlich gemacht haben. Augsburg ist eine schöne Stadt (das hört man aus Spielermündern immer wieder) und sowohl regelmäßige Einsatzzeiten als auch ein gutes Mannschaftsklima sind wohl sehr gute Gründe für einen langen Verbleib, auch wenn das Gehalt anderswo vielleicht höher wäre. Entsprechend fanden sich zum Ende der letzten, historisch erfolgreichsten Saison des Vereins immer noch fünf Spieler im Kader, die noch für den FC Augsburg in der zweiten Liga gespielt haben. Danke für eure Treue und eure Leistungen in mittlerweile mind. 5 Jahren Vereinszugehörigkeit. Ihr habt einen Platz in den Geschichtsbüchern des Vereins sicher. Liebe Leser, bitte behaltet die folgenden Spieler immer in guter Erinnerung:

Jan-Ingwer Callsen-Bracker

Zu Jahresbeginn 2011 kam Inge von Borussia Mönchengladbach zum FCA und ist seitdem ein Turm in der Brandung für uns in der Innenverteidigung. 138 Spiele hat er mittlerweile für unseren Verein bestritten und dabei 12 Tore erzielt. Mir am besten im Gedächtnis geblieben ist sein Elfmeter in der ersten Bundesligasaison in Mainz, der für uns das Siegtor zum ersten Bundesligasieg war. Immer wieder unterschätzt aber doch kaum zu ersetzen, wie auch die jetzige Entwicklung zeigt. Ein Innenverteidiger der mit großem Einsatz und großer Konstanz spielt.

Dominik Reinhardt

Im Sommer 2009 kam Dominik Reinhardt vom 1.FC Nürnberg zum FC Augsburg.  Eigentlich ist er gelernter Rechtsverteidiger. In seiner ersten Saison für den FCA bestritt er 30 Partien auf dieser Position bevor er sich im Rückspiel der Relegation gegen den 1.FC Nürnberg schwer verletzte. Seitdem kämpfte er immer wieder mit Verletzungsproblemen und kam auch in der letzten Saison nur zu drei Kadernominierungen ohne Einsatz. Unter Markus Weinzierl vollzog Dominik Reinhardt einen Positionswechsel zum Innenverteidiger, aber auf Grund seiner anhaltenden Verletzungsprobleme ist der Weg beim FC Augsburg in diesem Sommer zu Ende gegeangen (Vertrag lief aus). Danke für deinen Einsatz, Dominik.

Paul Verhaegh

Paul kam im Sommer 2010 von Vitesse Arnheim zum FCA und ist seitdem unser Rechtsverteidiger. 152 Partien hat er für den FCA bestritten und sich dabei zu einem Rechtsverteidiger mit internationalem Format entwickelt, der auch für die holländische Nationalmannschaft spielen durfte. Seit dem Abgang von Uwe Möhrle in der Saison 2011/12 ist er der Kapitän der Mannschaft und einer unser Anführer. Dazu ist er der Ice Man, unser sicherer Elfmeterschütze mit dem Killerinstinkt. Hoffentlich noch lange eine der Stützen unseres Teams.

Daniel Baier

Nach seiner Leihe in der Saison 2008/09 kehrte Daniel Baier nochmal zum VfL Wolfsburg zurück, bevor er im Januar 2010 vom FCA fest verpflichtet wurde. Gekommen als offensiver Mittelfeldspieler hat er ab 2012 unter Markus Weinzierl seine wahre Bestimmung als Kopf der Mannschaft im defensiven Mittelfeld gefunden. Wenn der Dani nur ein wenig torgefährlicher wäre (5 Treffer in 209 Partien in Augsburg), dann wäre er uns schon längst weggekauft worden und wahrscheinlich nicht nur Weltmeister meines Herzens. So ist er über die letzten Jahre der konstanteste Mittelfeldspieler der Bundesliga und Kritikerliebling (hier die Liebeserkläung von Spielverlagerung.de). Ein Erfolgsgarant.

Tobias Werner

Tobi Werner kam im Sommer 2008 von Carl Zeiss Jena zum FCA und musste in seinem letzten Pflichtspiel für Jena in Augsburg noch miterleben, wie wir um den Klassenerhalt in der zweiten Liga kämpften. Wegen offensichtlicher Interessenskonflikte (sein Wechsel stand schon vor dem Spiel fest) verfolgte er die Partie nur von der Bank, und das war wahrscheinlich unser Glück. Seitdem gibt es wohl keinen Spieler in unserem Kader, der sich so extrem positiv weiterentwickelt hat wie er. Noch in der zweiten Liga war er nicht vollumfänglich Stammspieler wohingegen er in der ersten Liga mittlerweile eine Säule des Teams ist. In 196 Partien für den FCA hat er 38 Tore geschossen und 38 Tore vorbereitet. Er ist unser Rekordtorschütze in der ersten Bundesliga. Niemand kann das Europapokallied so schön singen wie er. Wer weiß, was der Kerl noch anstellt? Vielleicht den ersten Doppelpack auf europäischer Ebene für den FCA.

Der FC Augsburg und die „aktuelle Flüchtlings-Diskussion“

Der FC Augsburg wird am Sonntag im Spiel gegen Hannover 96 an einer Willkommensaktion für Flüchtlinge einer großen deutschen Boulevardzeitung teilnehmen. Bei der Aktion verzichtet Hermes auf seinen erworbenen Werbeplatz auf den Trikotärmeln, um dort Platz für eine Willkommensbotschaft zu machen. Das Problem an der Aktion ist, dass neben der Willkommensbotschaft das Logo ebendieser großen Boulevardzeitung auf dem Ärmel der Trikots prangen wird und so der gute Zweck zu einer Werbeaktion für diese Zeitung verkommt. Mit Sinn und Unsinn und den Hintergründen dieser Aktion haben sich u.a. Andreas Bock in der 11 Freunde und der Wochenendrebell schon detailliert auseinandergesetzt und ich will hier gar nicht weiter ins Detail gehen.

Die Teilnahme an der Aktion ist freiwillig, wie durch die Stellungnahme vom neuen FC St. Pauli Manager Andreas Rettig deutlich wird. Neben dem FC. St. Pauli haben sich der MSV Duisburg, 1. FC Nürnberg, Union Berlin, SC Freiburg, VfL Bochum und 1. FC Kaiserslautern dazu entschlossen, die Aktion nicht zu unterstützen. Andreas Rettig wird in der Kickermeldung weiterhin zitiert mit dem Satz: „Wir leisten ganz praktische und direkte Hilfe dort, wo sie gebraucht wird.“ Viele Vereine sind schon aktiv geworden, um den Flüchtlingen nicht nur mit Botschaften ein herzliches Willkommen in Deutschland zu ermöglichen. Das ist der Moment, in dem ich als Fan des FC Augsburg im Moment beschämt zu Boden schauen muss.

Der Geschäftsführer des FC Augsburg Peter Bircks wird zur Aktion mit den Worten zitiert: „Diese gemeinsame Aktion rundet das individuelle Hilfs-Engagement der einzelnen Klubs wunderbar ab.“ Ich bin auf der Homepage des Vereins auf die Suche gegangen nach individuellem Hilfs-Engagement, aber ich habe keins gefunden. Ich habe in der Presseabteilung des Vereins nachgefragt, habe aber keine Informationen diesbezüglich erhalten. Zur obigen Aktion gibt es genau ein Zitat und das auf der Seite der Boulevardzeitung. Ansonsten gibt es zum Thema Flüchtlinge bisher keinerlei mir bekannte Aussage vom Verein. Da kommt es doch gerade Recht, dass es jetzt diese ligaweite Aktion gibt, denn „mit diesem Logo auf dem Ärmel setzt die gesamte Liga ein klares Zeichen in der aktuellen Flüchtlings-Diskussion“ (Peter Bircks). Im gesamten Europa League Stress, in dem wir Fanfahrten nach Bilbao mit sechsstelligen Beträgen subventionieren und uns dafür feiern, in Zeiten, in denen wir regelmäßig vor Spielen mit großem Hurra Vertragsverlängerungen verkünden, die den entsprechenden Spielern eine deutliche Gehaltserhöhung einbringen, mit dem Druck die Baba-Millionen zu reinvestieren und dem Ärger über falsche Elfmeterentscheidungen, über die wir uns lang und breit auslassen, da bleibt einfach kein Platz für dieses Thema. Mit der Aktion am Sonntag haben wir das dann auch abgehakt. Ist das alles, FC Augsburg?

Ich würde mir von meinem Verein wünschen, dass er sich in dieser Frage abseits der Aktion am Sonntag klar positioniert und darüber hinaus praktische und direkte Hilfe leistet. Die Haltung meines Vereins in solchen wichtigen Fragen ist für mich persönlich wichtiger als sportliche Ergebnisse. Herr Rettig bezieht nun in seiner Funktion beim FC St. Pauli Stellung und Walther Seinsch war neben seiner Funktion als Präsident des FC Augsburg u.a. mit seiner Stiftung Gegen Vergessen Für Demokratie unermüdlich sozial aktiv. Klaus Hofmann und die anderen Verantwortlichen sind nun an der Reihe sich diesem Thema zeitnah zu stellen und sich nicht nur aufs Sportliche zu konzentrieren. Wir Fans sind gefordert den Verein daran zu erinnern, dass er hier eine Vorbildfunktion zu übernehmen hat. Immer wieder wurde von der FCA-Familie gesprochen. Diese ist nun gefordert, die Arme zu öffnen, #RefugeesWelcome zu sagen und zu helfen. Denn so machen Familien das.

Fight for 33

Lange war nun Ruhe hier auf diesem Blog, aber heute habe ich kurzfristig entschieden, dass diese Ruhe enden muss. Wir sind umgezogen, und der Bildschirm meines Rechners steht anstatt auf einem Schreibtisch auf einem alten Nähtisch. Ja, ich bin Sascha Mölders Fan. Ja, ich bin traurig, dass Sascha nicht für die Europa League Gruppenphase nominiert wurde. Nachdem ich nun einige Stunden über diese Entscheidung der sportlichen Führung des FC Augsburg gegrübelt habe, will ich euch meine Schlussfolgerungen nicht vorenthalten. Und dabei ist für niemanden der Zeitpunkt gekommen, den Kopf in den Sand zu stecken.

Wenn ich allerdings so einige Kommentare von FCA Fans lese, dann will ich kurz vorher ein paar Erinnerungen wecken. Dieser Tage scheinen einige Fans des FC Augsburg vergessen zu haben, welche Leistungen Sascha Mölders für unseren Verein erbracht hat. Aus meiner Sicht gibt es keinen Spieler, der die bisherigen Bundesligajahre so symbolisiert wie Sascha. Das erste Jahr wird immer das beste Jahr bleiben. Es war schwierig, aber doch so besonders. Eine einjährige Premiere. Mit seinen Toren war Sascha ein wichtiger Garant für den Klassenerhalt. In den letzten beiden Jahren hat man sich so langsam an die Bundesliga gewöhnt, aber auch Sascha hat immer wieder für sensationelle Highlights gesorgt. Er ist Arschtorschütze, Bayernkiller und Pokalheld. Dazwischen gab es immer wieder Pech und für Sascha vor allem einige Verletzungen. Mit seinem Tor in Gladbach hat Sascha den Europa League Einzug besiegelt. Das alles hat er immer unter größtem Einsatz und größter Aufopferung gemacht. Unvergessen ist, wie er nach Andre Hahns Nationalmannschaftsnominierung .- selbst verletzt – zur Unterstützung nach Stuttgart gefahren ist. Sascha Mölders wird immer einen Platz in der Geschichte dieses Vereins und seiner bisher besten sportlichen Phase verdient haben. #keineSau sollte Sascha je vergessen.

Die sportliche Leitung hat in diesen Tagen entschieden Sascha Mölders nicht für die Europa League zu nominieren. Er hat somit keine Chance mehr, in der Gruppenphase eingesetzt zu werden. Nachnominierungen sind erst zum Achtelfinale hin möglich. Mir fällt es persönlich sehr schwer, diese Entscheidung nachzuvollziehen. Sascha ist wohl neben Tim Matavz der einzige Vollblutstürmer im Kader, der nur in der Sturmspitze eingesetzt werden kann. Sein Problem ist, dass Spieler wie Caiuby oder Bobadilla auch dort vorne spielen können. Aber wieviele Alternativen brauchen wir für die anderen offensiven Positionen? Links kann neben Werner auch Caiuby oder Trochowski spielen. Zentral können Altintop, Ji und Koo ran. Oder ist Koo eher auf der Position eingeplant, für die wir Kohr und Feulner mitnehmen? Ach, Feulner könnte zur Not auch hinten links spielen. Aber auch da nehmen wir schon zwei andere Spieler mit. Mir scheint, als ob die Kadernominierung eine Entscheidung war, die dazu diente, sich die größtmögliche Flexibilität zu erhalten. Ich hoffe und gehe schwer davon aus, dass Sascha Mölders nicht der 22. beste Spieler in dieser Mannschaft ist. Aber wenn wir am Ende einen Vollblutstümer brauchen, dann kann sich diese Entscheidung wohl rächen. Hoffen wir es nicht.

Eine Schlussfolgerung dieser Misere ist, dass wir endlich Spielern aus der eigenen Jugend eine Chance geben müssen. Mit Tim Rieder und Ioannis Gelios haben es nur zwei Spieler in den Europa League Kader geschafft, die beim FC Augsburg ausgebildet wurden, obwohl wir vier Plätze zur Verfügung hatten. Das bedeutet, dass wir zukünftig Spielern aus der eigenen Jugend mehr Einsatzminuten verschaffen müssen. In der letzten Saison saßen oftmals – begründet durch die vielen Verletzungen – in der Bundesliga Jugendspieler auf der Bank. In der Rückrunde wurde allerdings keiner davon je eingesetzt. So kommt es nun, dass z.B. ein Christoph Janker (nichts gegen ihn persönlich), als vierter Innenverteidiger und möglicher Rechtsverteidigerersatz nominiert wurde, obwohl ich stark bezweifele, dass er je zum Einsatz kommt. Dies ist eine Rolle wie gemalt für einen Spieler aus der eigenen Jugend. An dieser Stelle würde ich mir von Markus Weinzierl wünschen, dass er die Jungs aus der Jugend einfach mal reinwirft. Wie sollen sie es auf dem Niveau sonst lernen? Denn hätten wir nur einen adequaten selbstausgebildeten Spieler für eine Reservistenrolle mehr mitnehmen können, dann hätte es für Sascha wohl gereicht.

Was bedeutet das nun für uns als Fans? Gibt es Grund enttäuscht zu sein? Ich bin  traurig und mir tut es wirklich leid für Sascha Mölders. Am liebsten würde ich heute neben ihm sitzen, ihm einen Arm um die Schultern legen und ihn aufmuntern. In den Partien der Europa League geht es aber nun um noch mehr. Ich will es international angehaucht die Mission „Fight for 33“ nennen, denn Sascha hat so oft für uns gekämpft und jetzt müssen wir für Sascha kämpfen. Nur wenn wir es ins Achtelfinale schaffen hat Sascha diese Saison noch eine Chance Europa League zu spielen, indem er später nachnomminiert wird. Außerdem werden sich unsere Jungs gegen Bilbao, Alkmaar und Belgrad hoffentlich auch für ihn den Arsch so richtig aufreißen. Vielleicht hängt ja auch jemand seine Nummer am Zaun in den Stadien auf, um an seinen Beitrag zu erinnern und seine Präsenz fühlbar zu machen. Wie gesagt: Noch ist die Zeit nicht gekommen, um den Kopf in den Sand zu stecken.

Was sollte Sascha nun machen? Im Sturmzentrum hat in dieser Saison bisher noch niemand durchgängig überzeugt. Tim Matavz durfte im Pokal von Anfang an ran und in Ingolstadt in der zweiten Hälfte. Warum weiß nur der Trainer. Boba hat sich gegen Berlin eine doofe gelb-rote Karte abgeholt und ist rechts evtl. wertvoller. Caiuby hat gegen Frankfurt ganz gut gespielt (aber auch eine Riesenchance ausgelassen), muss nun endlich mal konsistent seine Leistung bringen. Alle diese Spieler werden nun auch die Doppelbelastung spüren. Dahingegen hat uns Sascha im Pokal in die zweite Runde geschossen. Wir haben neben der Europaleague noch mind. 15 Pflichtspiele bis zum Winter. Sascha, ich wünsche mir, dass Du im Training Druck machst und nicht locker lässt, dass Dir bewusst ist, wie großartig es ist, Bundesliga zu spielen. Es kommen Auswärtsspiele in München, Gladbach und Dortmund. Es kommen wichtige Heimspiele. Die Kulisse wird oft eindrucksvoller sein, als bei den Europa League Spielen. Wir werden dich feiern. Und wenn deine Chance kommt, dann drücke ich dir beide Daumen. Mach es wie gegen Neuer. Mach es, wie man es an der Hafenstraße lernt.

Was ist, wenn es nicht klappt? Wenn wir aus der Europa League doch ausscheiden, dann verbuchen wir es als Abenteuer. Und wenn Sascha Mölders doch nicht mehr zu relevanten Spielanteilen kommt, dann ist es am Verein, ihm alle Möglichkeiten offen zu halten und keine Steine in den Weg zu legen. In diesem Fall bedeutet das wohl, ihm vielleicht auch schon im Winter den Weg zu einem (ambitionierten) Zweitligisten nicht zu verstellen und sich auf eine angemessene Abfindung zu einigen, die den Gehaltsunterschied während der Restvertragslaufzeit ausgleicht. Sascha Mölders hat zu viel für unseren Verein geleistet, als das wir ihn zwingen sollten zwischen Spaß am Spiel und Geld zu wählen. Im Hinblick auf Gesundheit und Familie kann ich nämlich jeden verstehen, der sich fürs Geld entscheidet, da die Profikarriere schnell vorbei sein kann. Ich würde auch bei einem Wechsel ein Fan bleiben, weil ich weiß, dass Du immer alles gegeben hast.

Zum Ende eine Herausforderung an Markus Weinzierl: Es gibt da einen Spieler in deinem Kader, der unter deinem Vorgänger zweistellig getroffen hat. Siehst Du das Potential? Kitzle ihn, frage dich, wie Du ihm helfen kannst und gib ihm eine ehrliche Chance. Mehr erwarte ich nicht.

Ok, der Moment des innehaltens ist vorbei. Lasst uns an die Arbeit gehen. Ein paar mehr Tore als in den letzten Wochen täten uns allen gut. Wie das geht wissen wir doch alle:

P.S.: Wer Ivonne Mölders dafür kritisiert, dass sie mit ihrem Mann öffentlich mitfühlt, der sollte ihre Aussage nochmal genau lesen und sich hinterfragen. Ich wäre stolz auf meine Frau.

Freude: Weinzierl bleibt, weil er bleiben will

Was für eine turbulente Woche. Am Anfang der Woche haben wir in der aktuellen Ausgabe von Auf die Zirbelnuss bei meinsportradio.de noch über die großartige letzte Saison gesprochen und die Highlights erneut Revue passieren lassen. Sogar Rolf Störmann, den Stadionsprecher des FC Augsburg, konnten wir überzeugen bei der Sendung mitzuwirken und es hat wirklich Spaß gemacht. Ich hatte mir zudem schon vorgenommen, einen Blogpost darüber zu schreiben, warum Markus Weinzierl bei der Wahl zum Trainer des Jahres eigentlich auf dem ersten Platz hätte landen müssen (Haben wir nicht zweimal gegen Gladbach gewonnen? Haben wir nicht immer noch den zweitkleinsten Etat? Und wer hätte gedacht, dass nach Platz 8 noch eine Steigerung möglich ist?). Kurzum, ich war eigentlich darauf eingestellt, eine weitere Woche der Selbstbeweihräucherung zu begehen, denn in der Transferperiode dauert es ja immer ein bisschen, bis sich die Kader der großen Verein sortiert haben und der FC Augsburg wirtschaftlich vernünftig handeln kann.

Kurz nachdem wir mit der Aufnahme fertig waren, kam Spiegel Online daher und hat mit der Meldung Schalke will Weinzierl den Stein ins Rollen gebracht. Im Nachhinein bleibt festzustellen, dass die Spiegel-Meldung den Sachstand zu diesem Zeitpunkt sehr gut zusammengefasst hat (Fragen bzgl. der Vertragslaufzeit bei Schalke mal ausgenommen). Schalke hatte schon vor längerem Kontakt mit Weinzierl bzw. dessen Berater Roman Grill aufgenommen und Weinzierl hat den Verein darüber informiert. Zudem hatte Weinzierl ein unterschriftsreifes Angebot vorliegen und musste sich entscheiden, ob er zu Schalke wechseln wollte. Der Königsblog hat später zusammengestellt, wie die Meldung dann von weiteren Medien aufgegriffen und teilweise verfälscht wurde (so hat die B***-Zeitung behauptet, dass Markus Weinzierl zu Schalke wechseln will). Am Mittwoch hat der Verein reagiert und verkündet, dass Markus Weinzierl Schalke abgesagt hat. Markus Weinzierl hat später Spiegel Online ein Interview gegeben, welches am Freitag veröffentlicht wurde, und erklärt, dass er sich emotional für einen Verbleib beim FCA entschieden hat.

Wichtigste Erkenntnis der Woche: Markus Weinzierl bleibt beim FCA. Aber was hat uns diese Diskussion gelehrt? 

  1. Markus Weinzierl denkt über die Entwicklungsmöglichkeiten des FCA intensiv nach und will sich weiterhin verbessern. Auch Platz 5 macht ihn nicht satt. Er reflektiert seine Arbeit und geht davon aus, dass er in Augsburg weiterhin erfolgreich arbeiten kann. Mir gefällt das. Es schleicht sich keine Zufriedenheit oder gar Bequemlichkeit die schnell gefährlich werden könnte. Beste Voraussetzungen sollte man denken für die neue Saison.
  2. Markus Weinzierl nimmt das Interesse anderer Vereine bewusst war und hört sich Angebote an. Er will sich auch persönlich weiterentwickeln und versucht auf dem Verhandlungswege seinen eigenen Marktwert zu ermitteln. Für mich ein absolut legitimer Vorgang. Man sollte ihm nicht zur Last legen, dass er natürlich den Trainermarkt insgesamt beobachtet und versucht sich einzuordnen.
  3. Markus Weinzierl hat Schalke abgesagt. Es hat nicht der FC Augsburg durch die Forderung nach einer hohen Ablösesumme dem ganzen einen Riegel vorgeschoben (so zumindest die offzielle Kommunikation, die in diesem Punkt allerdings konsistent ist). Entsprechend will Markus Weinzierl weiterhin lieber den FC Augsburg trainieren als Schalke 04. Eine Momentaufnahme, aber für den FC Augsburg eine sehr positive.
  4. Es gibt zwar keine sog. Ausstiegsklausel (Wechsel bei fester Ablösesumme möglich), aber wohl ein ähnliches Konstrukt, was bei einem Angebot eines Topvereins vom FC Augsburg Verhandlungsbereitschaft erfordert. So kann der Verein weiterhin behaupten, dass keine Ausstiegsklausel vorliegt, Markus Weinzierl weiß aber, dass er bei einem Angebot eines Topvereins unter gewissen Bedingungen trotzdem die Freigabe erhält. Ansonsten wäre eine Vertragsverlängerung im April wohl überhaupt nicht möglich gewesen und auch das Interesse der Schalker jetzt nicht so hochgekocht, wenn der Verein dem ganzen einfach einen Riegel vorschiebt, in dem er die Freigabe verweigert.
  5. Unter dem Motto „Reisende soll man nicht aufhalten“ stellt sich sowieso die Frage, ob eine Zusammenarbeit zwischen Weinzierl und dem FC Augsburg auch dann noch Sinn macht, wenn er sich selbst schon bei einem größeren Verein sieht und beim FC Augsburg kein Entwicklungspotential mehr erkennt. Im Zweifel ist es dann für beide Seiten sinnvoll, die Zusammenarbeit zu beenden. Wenn der FC Augsburg dann in dieser Situation noch eine Ablöse einstreichen kann, umso besser.

Kurz zusammengefasst: Markus Weinzierl bleibt Trainer beim FC Augsburg, weil er es selbst will. Alles andere hätte für die Stimmung beim FC Augsburg gefährlich werden können. Markus Weinzierl hat aber wohl allerdings auf Grund seines Vertrags die Möglichkeit bei einem Angebot eines Topvereins zu wechseln, was die Vertragslaufzeit bis 2019 und den Erfolg der Vertragsverlängerung etwas in den Schatten stellt. Wann ein Angebot kommt, welches ihn überzeugt, bleibt abzuwarten. Aber für die Saison zumindest scheint weiterhin Konstanz auf dem Posten des Erfolgstrainers zu herrschen. Nachdem das Geschäft Fußball insgesamt sehr schnelllebig ist, bleibt die Freude über den Verleib zum jetzigen Zeitpunkt. Was in einem Jahr ist, werden wir dann sehen. Insofern ist die Überschrift dieses Blogposts überhaupt nicht ironisch zu verstehen und der FC Augsburg ist auf den Kernpositionen weiterhin großartig aufgestellt.

Das Loch in der Mitte beim FC Augsburg

Die Bundesligasaison ist vor knapp zwei Wochen zu Ende gegangen und die Vereine befinden sich in der Sommerpause. Noch mehr als drei Wochen müssen vergehen bis zumindest das Training für den FC Augsburg wieder losgeht. In dieser Zeit des Jahres fallen die Entscheidungen über Neuverpflichtugen für die neue Saison und nachdem keine Spiele anstehen, kann auch ich die Zeit nutzen, um mich mit möglichen Kaderveränderungen zu beschäftigen. Irgendwie schaffe ich es auch in dieser Zeit des Jahres nicht, mit dem FC Augsburg nicht mitzufiebern und wenn es auch nur darum geht, ob sich ein umworbener Spieler für uns entscheidet.

Die Anzahl der Neuverpflichtungen hängt stark davon ab, welche Spieler den Verein verlassen. In den letzten Tagen ist bzgl. zweier von uns ausgeliehener Spieler eine Entscheidung über deren nächste Zukunft getroffen worden. Sowohl Dominik Kohr als auch Pierre-Emile Hojbjerg werden zu ihren Stammvereinen zurückkehren (zu Hojbjerg und Kohr). Bayer 04 Leverkusen hat wohl gut hingeschaut und die vielversprechende Entwicklung bei Kohr erkannt und dazu im defensiven Mittelfeld nach den Abgängen von Simon Rolfes und Stefan Reinartz akuten Bedarf. Zudem ist Kohr taktisch flexibel einsetzbar, wie er in der letzten Saison bei uns gezeigt hat. Eine Weiterverpflichtung nach der Leihe, wie es auch mein Wunsch gewesen wäre, scheint damit vorerst vom Tisch. Hojbjerg kehrt – wie vereinbart – nach nur einem halben Jahr, in dem er uns durch seine spielerischen Impulse und wichtigen Tore geholfen hat in die Europa League einzuziehen, zu den Bayern zurück. Bei den Bayern ist im Mittelfeld bisher kein Abgang bekannt und so bin ich gespannt, ob er denn nächste Saison bei den Bayern auch Einsatzmöglichkeiten erhält. Ob sich beide in ihrer sportlichen Heimat mittelfristig durchsetzen können bleibt abzuwarten, aber sie hinterlassen vorerst ein großes Loch. Dieses Loch befindet sich im zentralen Mittelfeld unseres FCA.

Im Spielsystem des FCA gibt es drei zentrale Mittelfeldpositionen (sog. 6, 8 und 10). Die Positionen sind zwar mit Leistungsträgern besetzt, denn auf der 6 ist Daniel Baier der Kopf der Mannschaft, Markus Feulner hat in der letzten Saison oft den 8er gegeben und ist ein routinierter Bundesligaspieler und wenn er fit ist, ist Halil Altintop auf der 10er Position ein wichtiger Impulsgeber. Die Herrschaften sind allerdings alle drei nicht mehr die Jüngsten (Baier 31 Jahre, Feulner 33 Jahre, Altintop 32 Jahre) und die zusätzlichen Europa League Spiele werden ihre Spuren hinterlassen. Baiers und Feulners Vertrag laufen zudem nach der nächsten Saison aus und zumindest bei Feulner ist dann mit 34 Jahren das Karriereende zumindest in greifbarer Nähe. Dazu sieht es hinter den dreien düster aus. Baier könnte von Jan-Ingwer Callsen-Bracker im defensiven Mittelfeld vertreten werden, aber das fällt genauso in den Bereich einer Notlösung wie Dong-Won Ji, Nikola Djurdjic (so er sich denn im Sommer keinen neuen Verein sucht) oder Caiuby als Vertreter von Halil Altintop. Im Saisonendspurt hatte Hojbjerg Altintop vertreten, nachdem viele andere Versuche während der Saison nicht besonders gut funktionierten. Erik Thommy wäre auf der 10er Position eine Alternative gewesen, ist aber für die nächste Saison noch nach Kaiserslautern ausgeliehen. Es bedarf also einer Lösung, auch mit Perspektive für die Zukunft, um die insgesamt 43 Einsätze von Kohr und Hojbjerg in der nächsten Saison aufzufangen und um für die Europa League gerüstet zu sein.

Mit diesem Blick auf den aktuellen Kader gehe ich davon aus, dass der FCA nicht nur einen Spieler (wie von der AZ hier angekündigt) sondern sogar zwei Spieler für das zentrale Mittelfeld verpflichten wird. Einer wird wohl eher offensiver ausgerichtet sein und einer defensiver. Zudem kommt Jan Moravek hoffentlich von seiner Verletzung fit zurück und kann der Mannschaft helfen. Damit und wann das genau passiert, sollte man bei seiner Verletzungshistorie allerdings nicht fest planen. Ob der hoch gehandelte Reinhold Yabo einer der beiden Neuzugänge ist, scheint mir eher unwahrscheinlich, da wohl auch viele andere Bundesligisten Interesse haben und wir wohl vor allem im Bezug auf sein Gehalt immer noch nicht mit größeren Vereinen (Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Leipzig sind wohl auch im Rennen) mitbieten können. Seine Verpflichtung würde allerdings ein deutliches Zeichen setzen, dass die Perspektive in Augsburg auch von potentiellen Neuzugängen überaus positiv eingeschätzt wird. Alleine die Aussicht auf viel Einsatzzeit und die Entwicklungsmöglichkeiten unter Markus Weinzierl sollten deutlich für uns sprechen. Daneben bin ich gespannt, welches Ass Stefan Reuter noch aus dem Ärmel zieht. Es kann nur spekuliert werden, wo ein hochveranlagter Spieler anderswo auf dem Abstellgleis gelandet ist, der in Augsburg zum Leistungsträger werden kann (wie zuletzt Raul Bobadilla). Aber es wird sich auf dieser Position etwas tun in der nächsten Zeit und die Verpflichtungen werden vielleicht die größten Auswirkungen auf die Stammelf in der nächsten Saison haben. Auf der 8er Position wäre eine wirklich Verstärkung wohl am nötigsten und auch die Kadertiefe spielt nun durch die Europa League Qualifikation eine größere Rolle. Der Bedarf an anderen Stellen ist im Vergleich dazu bisher eher gering. Dies könnte sich natürlich durch einen möglichen Transfer von Baba ändern, aber bis dahin hat das zentrale Mittelfeld hoffentlich die größte Priorität auf der To Do Liste von Stefan Reuter. Ich bin doch sehr gespannt, welche Verstärkungen wir für die nächste Saison holen werden.